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Geschäftsberichte enthüllen: So (wenig) digital sind die Dax-Konzerne

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Zusammen mit seinem Co-Autor Patrick Hüpel wertete Kawohl für die Studie die Geschäftsberichte der Jahre 2014 bis 2016 „detailliert aus“, wie es heißt. Um die Digitalisierungs-Aktivitäten qualitativ bewerten zu können, haben die zwei Wissenschaftler eigens für die Studie den sogenannten „Digital-Index“ entwickelt. Damit würden „alle relevanten Aktivitäten“ herausgefiltert, die Rückschlüsse auf die Wettbewerbsfähigkeit und zur digitalen Ausrichtung der Dax-30-Unternehmen zulassen, behauptet man.

Pro-Sieben-Sat.1-Media und Telekom vorne

Das Resultat des Gesamt-Rankings: Pro-Sieben-Sat.1-Media, Deutsche Telekom und Daimler liegen vorne. Zur erweiterten Spitzengruppe zählen Volkswagen, SAP, Commerzbank, Adidas, Continental, Henkel und BMW, die einen überdurchschnittlichen Digital-Index erzielen, und zwar auf Basis „besonders vieler relevanter Fundstellen“.

Auf den hinteren Plätzen sieht die Studie die Unternehmen Deutsche Börse, RWE, Vonovia, Fresenius-Medical-Care, Beiersdorf, sowie Heidelberg-Cement und Fresenius auf den Schlussplätzen. Bei ihnen seien „die geringsten kommunizierten Digitalisierungsaktivitäten“ nachgewiesen worden.

Die Analyse bestätige die grundsätzliche Einschätzung, dass Unternehmen mit Fokus auf den Endkunden auch digital vorne liegen, sagt Kawohl.

Branchen-Ranking (Grafik: HTW)

Branchen-Ranking. (Grafik: HTW)

In der Branchenbetrachtung sind Medien und Telekommunikation an der Spitze, Schlusslichter im Ranking sind die Immobilien-, Medizintechnik- und Rohstoffbranche. Ein Erklärungsversuch: „Vorne liegen hier Branchen, die wegen der digitalen Disruption unter starkem Veränderungsdruck stehen und verstärkt digital um ihre Kunden kämpfen müssen“, sagt der Studienautor.

Neue Geschäftsmodelle versus Prozessoptimierung

Unterschiede gebe es bei den Schwerpunkten der beschriebenen Digital-Aktivitäten. Während die Unternehmen mit dem höchsten Digitalisierungsgrad den Schwerpunkt angeblich auf die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle legen, würden die Konzerne mit dem niedrigsten Aktivitätslevel in erster Linie ihre interne Organisation und Prozesse transformieren. „Die digitalen Frontrunner wollen in erster Linie digitales Neugeschäft erzielen. Die Nachzügler arbeiten hingegen noch verstärkt an IT-Optimierungen ihrer internen Prozesse“, interpretiert Kawohl.

Unter Berücksichtigung des im Jahr 2016 erzielten Umsatzes falle auf, dass die fünf größten Unternehmen, nämlich Volkswagen, Daimler, Allianz, BMW und Siemens, derzeit einen stärkeren Fokus auf die digitale Transformation legen. Sie, so lautet die Einschätzung, würden aus diesem Grund konkreter darüber berichten, während die fünf kleinsten Unternehmen, also Beiersdorf, Infineon, Pro-Sieben-Sat.1-Media, Vonovia und die Deutsche Börse, im Mittel hier deutlich zurückhaltender seien. „Bis auf Pro-Sieben-Sat.1-Media werden bei den kleinen DAX-Unternehmen niedrige Digitalisierungsaktivitäten nachgewiesen“, heißt es von der HTW.

Schließlich zeige die detaillierte Analyse auf Basis der Rentabilität, dass die fünf rentabelsten Unternehmen sogar einen über 50 Prozent höheren Digital-Index erzielen als die fünf unrentabelsten Unternehmen des Dax, stellt Kawohl fest. Die Studienautoren empfehlen den Unternehmen wenig überraschend, die Digitalisierungsaktivitäten zu erhöhen und gleichzeitig die Berichterstattung darüber konkreter zu gestalten, und zwar „um die Investoren über die digitale Transformation besser zu informieren“.

Fazit: „Großer Nachholbedarf“

Die Studie habe zeigen können, dass die wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland „zwar schon einige konkrete Digitalthemen auf den Weg gebracht“ hätten, sagt Kawohl, „insgesamt aber auch noch großen Nachholbedarf haben“.

Für die Untersuchung wurden die Geschäftsberichte aus den Jahren 2014, 2015 und 2016 ausgewertet. Zur Erhebung der Daten sei die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse auf Basis von zentralen Keywords in Bezug auf digitale Transformation und Industrie 4.0 angewendet worden, heißt es von der HTW, die für die Studie mit der Cebit zusammengearbeitet hat.

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