Interview

Domain-Irrtum: Mittelständler lockt täglich bis zu 50.000 Tesla-Fans auf seine Website

Tesla: Ein IT-Unternehmer aus Neuss bei Düsseldorf besitzt die Domain tesla.de. (Foto: dpa)

Ein IT-Unternehmer aus Düsseldorf besitzt, was eigentlich Tesla-Chef Elon Musk gehören müsste: die Domain Tesla.de. Seiner Website beschert das regelmäßige Traffic-Explosionen.

Wenn der Server von Ralf Schmaus mal wieder heiß läuft, heißt der Schuldige meistens Elon Musk. Wann immer der Chef des Elektroautobauers Tesla Neuigkeiten verkündet oder mit einer seiner berüchtigten Twitter-Eskapade auffällt, schießen die Besucherzahlen auf der Website von Schmaus rasant in die Höhe.

Nun ist der 57-Jährige kein Autohändler oder Fachblogger, sondern Inhaber einer kleinen Softwarefirma in Neuss bei Düsseldorf. Die Besonderheit: Schmaus’ Firma trägt nicht nur denselben Namen wie der milliardenschwere Autokonzern. Sie besitzt mit Tesla.de auch die attraktive Second-Level-Domain für Deutschland – was hiesige Tesla-Fans beim Surfen regelmäßig in die Irre führt (die richtige Domain wäre tesla.com).

Im Interview mit t3n erklärt Ralf Schmaus, wie er an die begehrte Domain gekommen ist, ob es schon Übernahmeangebote von Elon Musk gegeben hat und warum er aktuell kein Tesla-Fahrzeug kaufen würde.

Falsche Tesla-Domain leitet Fans in die Irre

t3n: Herr Schmaus, neulich wollte ich mich über Tesla informieren. Also habe ich Tesla.de in meinem Browser eingetippt und bin zu meiner Verblüffung nicht auf der Website des kalifornischen Elektroautobauers gelandet – sondern auf der Ihrer kleinen IT-Firma in Neuss bei Düsseldorf. Das passiert öfter, oder?

Ralf Schmaus: Das hängt stark davon ab, was Elon Musk gerade für eine Sau durchs Dorf treibt. Als er das Model 3 vorgestellt hat, hatte ich 40.000 bis 50.000 Besucher auf meiner Website – pro Tag. Auch wenn ein Tesla-Fahrer sein Fahrzeug wie im März vergangenen Jahres auf Autopilot stellt und gegen einen Betonpfeiler prallt, steigt mein Traffic sehr schnell an. Dann weiß ich: Ah, bei Tesla gibt’s Neuigkeiten.

t3n: Dabei hat Ihr Unternehmen mit Elektroautos wenig zu tun.

Ich bin Inhaber von Tesla CRM Software, einer kleinen IT-Firma mit 20 Angestellten, die unter anderem ein CRM-System entwickelt. Gegründet habe ich die Firma schon 1987 – lange bevor sich Elon Musk mit Elektroautos beschäftigt hat.

t3n: Wie sind Sie damals ausgerechnet auf den Namen Tesla gekommen?

Ich habe Physik studiert.

Bekommt Gratis-Traffic von Elon Musk: Tesla.de-Inhaber Ralf Schmaus. (Foto: Privat)

Bekommt Gratis-Traffic von Elon Musk: Tesla.de-Inhaber Ralf Schmaus. (Foto: Privat)

t3n: Sie verehren also auch Nikola Tesla, den Erfinder.

Damals wusste ich ehrlich gesagt noch gar nicht, dass es diesen Erfinder gibt. Ich wusste nur, dass Tesla die Einheit für die magnetische Flussdichte ist und ich mein Unternehmen nicht nach meinem Familiennamen benennen wollte. Da hab ich dann gesagt: Okay, Tesla ist kurz und prägnant. Das nehm ich. Es war also eher eine spontane Entscheidung und kein Ergebnis aufwendiger Recherche.

t3n: Und dann haben Sie gleich auch die Domain Tesla.de gesichert? Das war in Deutschland ja seit dem 5. November 1986 möglich.

Die Domain  habe ich in den 90er Jahren registrieren lassen. Das genaue Datum habe ich aber nicht mehr im Kopf.

t3n: Heute beschert Ihnen die Domain Zehntausende Zugriffe auf ihre Website. Allerdings weniger von Besuchern, die sich für ihre Software interessieren, sondern hauptsächlich nach dem Elektroauto suchen. Ärgert Sie das nicht?

Überhaupt nicht. Wenn Zehntausende Menschen jeden Monat nach Tesla-Autos suchen und ein Teil davon irrtümlich auf meiner Website landet, ist das ja geschenkter Traffic, den ich sonst teuer bei Facebook oder Google einkaufen müsste. Die hohe Absprungrate war zeitweise aber wirklich ein Problem.

t3n: Wie meinen Sie das?

Nachdem Tesla Motors sich vor einigen Jahren in Tesla umbenannt hat und die Autos auch in Deutschland bekannter wurden, hatten wir plötzlich Unmengen an Abfalltraffic. 90 Prozent Leute sind also auf unsere Website gekommen, haben gemerkt, dass sie falsch sind und sind sofort zurück zu Google …

t3n: Für die Sichtbarkeit Ihrer Website bei Google eine Vollkatastrophe.

Genau. Google will Nutzern ja nur die relevantesten Websites zu ihrer Suche anzeigen. Die Algorithmen haben die Website meiner Firma in den Suchergebnislisten also in die absolute Bedeutungslosigkeit katapultiert. Da brauchen Sie dann auch kein Geld in Suchmaschinenoptimierung stecken, wenn sich Ihre Besucher sowieso nur über Elektroautos informieren wollen.

t3n: Wie haben Sie das Problem dann gelöst?

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6 Kommentare
Oliver

Das gleiche gilt für die Schweiz auch … Wie es scheint ist es Tesla nicht wichtig weltweit die Domains zu besitzen. Für die Kunden sorgt dies immer wieder für Fragezeichen. Aber am Ende kommen sie dank Google schon auf die richtige Seite.
Spannend zu lesen wie Herr Schmaus hier agiert.

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Roma
Roma

Suggeriert der Link aber nicht, dass Tesla.de zu Tesla Motors (so heißt das Unternehmen übrigens gar nicht mehr) weiterleitet ohne Hinweis, dass es sich um eine Fremdseite handelt?!

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Dom
Dom

Jetzt wäre es interessant von einem Juristen erklärt zu bekommen, Elon Musk Herrn Schmaus hier für irgendetwas markenrechtlich belangen können sollte. Schließlich war Herr Schmaus früher dran und müsste doch in jedem Fall recht bekommen. Oder liege ich da falsch?

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Oliver

@Dom Das wäre in der Tat ein spannender Fall. Die Argumente würden sicher sein, dass Tesla eine international bekannte Marke ist. Wie der Traffic auf der Website auch zeigt führt dies zu Verwechslungen.
Ich denke die Chance für Herrn Schmaus sind gering. Zumal seine Firma „Tesla CRM Software GmbH“ heisst …

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dasB
dasB

ach wo… bei einer Domain von mir klopft alle paar Jahre auch ein Anwalt an, der die Domain „verlangt“. zuerst wegen Patenten, dann wegen Bekanntheit und zum Schluss dann doch gegen Bares. leider gilt bei der de Vergabe aber das First come, first serve Prinzip. und weil ich die Domain deutlich länger besitze als jedes Patent von denen kann mir auch niemand vorwerfen, dass ich die Domain aus Spaß behalte.

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Reinhard Riek
Reinhard Riek

Das ist kein Irrtum. Meine Domain hat die DENIC auch ohne meine Zustimmung einfach verkauft. Es ist immer wieder estaunlich, mit welcher kriminellen Energie in diesem Land Verbrechen als Irrtümer verkauft werden.

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