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Interview

Domain-Irrtum: Mittelständler lockt täglich bis zu 50.000 Tesla-Fans auf seine Website

Ein IT-Unternehmer aus Düsseldorf besitzt, was eigentlich Tesla-Chef Elon Musk gehören müsste: die Domain Tesla.de. Seiner Website beschert das regelmäßige Traffic-Explosionen.

Von Daniel Hüfner
5 Min.
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Tesla: Ein IT-Unternehmer aus Neuss bei Düsseldorf besitzt die Domain tesla.de. (Foto: dpa)

Wenn der Server von Ralf Schmaus mal wieder heiß läuft, heißt der Schuldige meistens Elon Musk. Wann immer der Chef des Elektroautobauers Tesla Neuigkeiten verkündet oder mit einer seiner berüchtigten Twitter-Eskapade auffällt, schießen die Besucherzahlen auf der Website von Schmaus rasant in die Höhe.

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Nun ist der 57-Jährige kein Autohändler oder Fachblogger, sondern Inhaber einer kleinen Softwarefirma in Neuss bei Düsseldorf. Die Besonderheit: Schmaus’ Firma trägt nicht nur denselben Namen wie der milliardenschwere Autokonzern. Sie besitzt mit Tesla.de auch die attraktive Second-Level-Domain für Deutschland – was hiesige Tesla-Fans beim Surfen regelmäßig in die Irre führt (die richtige Domain wäre tesla.com).

Im Interview mit t3n erklärt Ralf Schmaus, wie er an die begehrte Domain gekommen ist, ob es schon Übernahmeangebote von Elon Musk gegeben hat und warum er aktuell kein Tesla-Fahrzeug kaufen würde.

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Falsche Tesla-Domain leitet Fans in die Irre

t3n: Herr Schmaus, neulich wollte ich mich über Tesla informieren. Also habe ich Tesla.de in meinem Browser eingetippt und bin zu meiner Verblüffung nicht auf der Website des kalifornischen Elektroautobauers gelandet – sondern auf der Ihrer kleinen IT-Firma in Neuss bei Düsseldorf. Das passiert öfter, oder?

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Ralf Schmaus: Das hängt stark davon ab, was Elon Musk gerade für eine Sau durchs Dorf treibt. Als er das Model 3 vorgestellt hat, hatte ich 40.000 bis 50.000 Besucher auf meiner Website – pro Tag. Auch wenn ein Tesla-Fahrer sein Fahrzeug wie im März vergangenen Jahres auf Autopilot stellt und gegen einen Betonpfeiler prallt, steigt mein Traffic sehr schnell an. Dann weiß ich: Ah, bei Tesla gibt’s Neuigkeiten.

t3n: Dabei hat Ihr Unternehmen mit Elektroautos wenig zu tun.

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Ich bin Inhaber von Tesla CRM Software, einer kleinen IT-Firma mit 20 Angestellten, die unter anderem ein CRM-System entwickelt. Gegründet habe ich die Firma schon 1987 – lange bevor sich Elon Musk mit Elektroautos beschäftigt hat.

t3n: Wie sind Sie damals ausgerechnet auf den Namen Tesla gekommen?

Ich habe Physik studiert.

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Bekommt Gratis-Traffic von Elon Musk: Tesla.de-Inhaber Ralf Schmaus. (Foto: Privat)

Bekommt Gratis-Traffic von Elon Musk: Tesla.de-Inhaber Ralf Schmaus. (Foto: Privat)

t3n: Sie verehren also auch Nikola Tesla, den Erfinder.

Damals wusste ich ehrlich gesagt noch gar nicht, dass es diesen Erfinder gibt. Ich wusste nur, dass Tesla die Einheit für die magnetische Flussdichte ist und ich mein Unternehmen nicht nach meinem Familiennamen benennen wollte. Da hab ich dann gesagt: Okay, Tesla ist kurz und prägnant. Das nehm ich. Es war also eher eine spontane Entscheidung und kein Ergebnis aufwendiger Recherche.

t3n: Und dann haben Sie gleich auch die Domain Tesla.de gesichert? Das war in Deutschland ja seit dem 5. November 1986 möglich.

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Die Domain  habe ich in den 90er Jahren registrieren lassen. Das genaue Datum habe ich aber nicht mehr im Kopf.

t3n: Heute beschert Ihnen die Domain Zehntausende Zugriffe auf ihre Website. Allerdings weniger von Besuchern, die sich für ihre Software interessieren, sondern hauptsächlich nach dem Elektroauto suchen. Ärgert Sie das nicht?

Überhaupt nicht. Wenn Zehntausende Menschen jeden Monat nach Tesla-Autos suchen und ein Teil davon irrtümlich auf meiner Website landet, ist das ja geschenkter Traffic, den ich sonst teuer bei Facebook oder Google einkaufen müsste. Die hohe Absprungrate war zeitweise aber wirklich ein Problem.

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t3n: Wie meinen Sie das?

Nachdem Tesla Motors sich vor einigen Jahren in Tesla umbenannt hat und die Autos auch in Deutschland bekannter wurden, hatten wir plötzlich Unmengen an Abfalltraffic. 90 Prozent Leute sind also auf unsere Website gekommen, haben gemerkt, dass sie falsch sind und sind sofort zurück zu Google …

t3n: Für die Sichtbarkeit Ihrer Website bei Google eine Vollkatastrophe.

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Genau. Google will Nutzern ja nur die relevantesten Websites zu ihrer Suche anzeigen. Die Algorithmen haben die Website meiner Firma in den Suchergebnislisten also in die absolute Bedeutungslosigkeit katapultiert. Da brauchen Sie dann auch kein Geld in Suchmaschinenoptimierung stecken, wenn sich Ihre Besucher sowieso nur über Elektroautos informieren wollen.

t3n: Wie haben Sie das Problem dann gelöst?

Mir kam eine simple Idee: Bau doch einen Button auf die Homepage, der auf Tesla.com – die eigentliche Seite des Elektroautobauers – in einem neuen Browsertab weiterleitet. Dann gehen die Leute ja nicht zurück zu Google.

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t3n: Und das hat funktioniert?

Meine damalige Marketing-Agentur fand das zuerst plump, aber ich habe es dann trotzdem ausprobiert. Ergebnis: Innerhalb einer Woche ist die Website um zwei Dutzend Positionen in den Suchergebnissen nach oben geklettert.

t3n: Trotzdem verlieren Sie ja auch weiterhin 90 Prozent Ihrer Besucher sofort wieder.

Richtig, aber dadurch, dass wir jetzt über den Button auf Tesla.com in einem neuen Browsertab weiterleiten, bleibt unsere Website im Hintergrund zumindest geöffnet. Das straft Google weniger ab – und beschert uns in manchen Fällen sogar Neukunden, die wir mit organischer Suche niemals kriegen würden.

t3n: Warum verkaufen Sie Ihre Domain nicht für ein kleines Vermögen an Tesla?

Wenn ich die Domain verkaufen würde, müsste ich mir ja eine ganz neue Marke ausdenken. Und das ergibt nur Sinn, wenn ich gleichzeitig auch meine Firma umbenennen würde. Damit wären aber alle meine Marketingmaßnahmen der vergangenen zehn Jahre für die Tonne.

t3n: Elon Musk hat also noch nicht bei Ihnen angerufen mit der Bitte, ihm die Domain zu überlassen?

Nein, bisher nicht.

t3n: Aber angenommen es käme ein konkretes Angebot …

… dann müsste für mich schon eine Verrentung dabei herausspringen. Um einen vergleichbaren Traffic zu erzielen, wie ihn mein Unternehmen jetzt hat, müsste ich ja ein Schweinegeld für Online-Marketing ausgeben. Also für einen fünf- oder sechsstelligen Betrag verkaufe ich die Domain auf gar keinen Fall.

t3n: Jetzt trägt Ihre kleine Softwarefirma denselben Namen wie der milliardenschwere Elektroautohersteller Tesla. Haben Sie keine Sorge vor markenrechtlichen Problemen? Apple beispielsweise hat schon deutsche Mutter-Kind-Cafés wegen zu ähnlichem Logo verklagt.

Der Markenschutz ist in Deutschland klar geregelt, es wird ja zum Beispiel zwischen sogenannten Klassen unterschieden. Meine Firma hat den Markenschutz im Bereich Software, Tesla eben bei Automotive. Aber Elon Musk und seine Mitarbeiter haben ohnehin genug damit zu tun, ihre Patente gegen irgendwelche Plagiate zu verteidigen.

t3n: Fahren Sie selbst eigentlich ein Tesla-Fahrzeug?

Nein, das kommt für mich aktuell auch nicht infrage.

t3n: Warum nicht?

Als Tesla 2008 seinen Sportwagen Roadster vorgestellt hat, stand zur gleichen Zeit unser 20-jähriges Firmenjubiläum an. Da habe ich die Marketingabteilung von Tesla angeschrieben und gefragt, ob sie das Auto nicht bei uns ausstellen könnten. Quasi als Gag. Darauf kam aber nie eine Antwort. Auch nicht Jahre später, als wir an anderen Marketingaktionen interessiert waren. Der Höhepunkt kam aber erst noch.

t3n: Erzählen Sie weiter.

Ich hab mich vor einigen Jahren mal für eine Probefahrt vom Model S interessiert. Aber der Verkäufer – der mein Sohn hätte sein können – hat sich verhalten wie ein Kaiser, der seine Untertanen mit seltenen Gütern beschenkt. Für einen Kaufpreis von 100.000 Euro erwarte ich einen respektvollen Service. Immerhin: Vier Wochen später war der Verkäufer schon nicht mehr bei Tesla angestellt. Der Personalverschleiß unter Musk ist eben spektakulär.

t3n: Vielen Dank für das Gespräch.

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Kommentare (6)

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Oliver

Das gleiche gilt für die Schweiz auch … Wie es scheint ist es Tesla nicht wichtig weltweit die Domains zu besitzen. Für die Kunden sorgt dies immer wieder für Fragezeichen. Aber am Ende kommen sie dank Google schon auf die richtige Seite.
Spannend zu lesen wie Herr Schmaus hier agiert.

Roma

Suggeriert der Link aber nicht, dass Tesla.de zu Tesla Motors (so heißt das Unternehmen übrigens gar nicht mehr) weiterleitet ohne Hinweis, dass es sich um eine Fremdseite handelt?!

Dom

Jetzt wäre es interessant von einem Juristen erklärt zu bekommen, Elon Musk Herrn Schmaus hier für irgendetwas markenrechtlich belangen können sollte. Schließlich war Herr Schmaus früher dran und müsste doch in jedem Fall recht bekommen. Oder liege ich da falsch?

Oliver

@Dom Das wäre in der Tat ein spannender Fall. Die Argumente würden sicher sein, dass Tesla eine international bekannte Marke ist. Wie der Traffic auf der Website auch zeigt führt dies zu Verwechslungen.
Ich denke die Chance für Herrn Schmaus sind gering. Zumal seine Firma „Tesla CRM Software GmbH“ heisst …

dasB

ach wo… bei einer Domain von mir klopft alle paar Jahre auch ein Anwalt an, der die Domain „verlangt“. zuerst wegen Patenten, dann wegen Bekanntheit und zum Schluss dann doch gegen Bares. leider gilt bei der de Vergabe aber das First come, first serve Prinzip. und weil ich die Domain deutlich länger besitze als jedes Patent von denen kann mir auch niemand vorwerfen, dass ich die Domain aus Spaß behalte.

Reinhard Riek

Das ist kein Irrtum. Meine Domain hat die DENIC auch ohne meine Zustimmung einfach verkauft. Es ist immer wieder estaunlich, mit welcher kriminellen Energie in diesem Land Verbrechen als Irrtümer verkauft werden.

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