Interview

Domain-Irrtum: Mittelständler lockt täglich bis zu 50.000 Tesla-Fans auf seine Website

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Mir kam eine simple Idee: Bau doch einen Button auf die Homepage, der auf Tesla.com – die eigentliche Seite des Elektroautobauers – in einem neuen Browsertab weiterleitet. Dann gehen die Leute ja nicht zurück zu Google.

t3n: Und das hat funktioniert?

Meine damalige Marketing-Agentur fand das zuerst plump, aber ich habe es dann trotzdem ausprobiert. Ergebnis: Innerhalb einer Woche ist die Website um zwei Dutzend Positionen in den Suchergebnissen nach oben geklettert.

t3n: Trotzdem verlieren Sie ja auch weiterhin 90 Prozent Ihrer Besucher sofort wieder.

Richtig, aber dadurch, dass wir jetzt über den Button auf Tesla.com in einem neuen Browsertab weiterleiten, bleibt unsere Website im Hintergrund zumindest geöffnet. Das straft Google weniger ab – und beschert uns in manchen Fällen sogar Neukunden, die wir mit organischer Suche niemals kriegen würden.

t3n: Warum verkaufen Sie Ihre Domain nicht für ein kleines Vermögen an Tesla?

Wenn ich die Domain verkaufen würde, müsste ich mir ja eine ganz neue Marke ausdenken. Und das ergibt nur Sinn, wenn ich gleichzeitig auch meine Firma umbenennen würde. Damit wären aber alle meine Marketingmaßnahmen der vergangenen zehn Jahre für die Tonne.

t3n: Elon Musk hat also noch nicht bei Ihnen angerufen mit der Bitte, ihm die Domain zu überlassen?

Nein, bisher nicht.

t3n: Aber angenommen es käme ein konkretes Angebot …

… dann müsste für mich schon eine Verrentung dabei herausspringen. Um einen vergleichbaren Traffic zu erzielen, wie ihn mein Unternehmen jetzt hat, müsste ich ja ein Schweinegeld für Online-Marketing ausgeben. Also für einen fünf- oder sechsstelligen Betrag verkaufe ich die Domain auf gar keinen Fall.

t3n: Jetzt trägt Ihre kleine Softwarefirma denselben Namen wie der milliardenschwere Elektroautohersteller Tesla. Haben Sie keine Sorge vor markenrechtlichen Problemen? Apple beispielsweise hat schon deutsche Mutter-Kind-Cafés wegen zu ähnlichem Logo verklagt.

Der Markenschutz ist in Deutschland klar geregelt, es wird ja zum Beispiel zwischen sogenannten Klassen unterschieden. Meine Firma hat den Markenschutz im Bereich Software, Tesla eben bei Automotive. Aber Elon Musk und seine Mitarbeiter haben ohnehin genug damit zu tun, ihre Patente gegen irgendwelche Plagiate zu verteidigen.

t3n: Fahren Sie selbst eigentlich ein Tesla-Fahrzeug?

Nein, das kommt für mich aktuell auch nicht infrage.

t3n: Warum nicht?

Als Tesla 2008 seinen Sportwagen Roadster vorgestellt hat, stand zur gleichen Zeit unser 20-jähriges Firmenjubiläum an. Da habe ich die Marketingabteilung von Tesla angeschrieben und gefragt, ob sie das Auto nicht bei uns ausstellen könnten. Quasi als Gag. Darauf kam aber nie eine Antwort. Auch nicht Jahre später, als wir an anderen Marketingaktionen interessiert waren. Der Höhepunkt kam aber erst noch.

t3n: Erzählen Sie weiter.

Ich hab mich vor einigen Jahren mal für eine Probefahrt vom Model S interessiert. Aber der Verkäufer – der mein Sohn hätte sein können – hat sich verhalten wie ein Kaiser, der seine Untertanen mit seltenen Gütern beschenkt. Für einen Kaufpreis von 100.000 Euro erwarte ich einen respektvollen Service. Immerhin: Vier Wochen später war der Verkäufer schon nicht mehr bei Tesla angestellt. Der Personalverschleiß unter Musk ist eben spektakulär.

t3n: Vielen Dank für das Gespräch.

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6 Kommentare
Oliver

Das gleiche gilt für die Schweiz auch … Wie es scheint ist es Tesla nicht wichtig weltweit die Domains zu besitzen. Für die Kunden sorgt dies immer wieder für Fragezeichen. Aber am Ende kommen sie dank Google schon auf die richtige Seite.
Spannend zu lesen wie Herr Schmaus hier agiert.

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Roma
Roma

Suggeriert der Link aber nicht, dass Tesla.de zu Tesla Motors (so heißt das Unternehmen übrigens gar nicht mehr) weiterleitet ohne Hinweis, dass es sich um eine Fremdseite handelt?!

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Dom
Dom

Jetzt wäre es interessant von einem Juristen erklärt zu bekommen, Elon Musk Herrn Schmaus hier für irgendetwas markenrechtlich belangen können sollte. Schließlich war Herr Schmaus früher dran und müsste doch in jedem Fall recht bekommen. Oder liege ich da falsch?

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Oliver

@Dom Das wäre in der Tat ein spannender Fall. Die Argumente würden sicher sein, dass Tesla eine international bekannte Marke ist. Wie der Traffic auf der Website auch zeigt führt dies zu Verwechslungen.
Ich denke die Chance für Herrn Schmaus sind gering. Zumal seine Firma „Tesla CRM Software GmbH“ heisst …

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dasB
dasB

ach wo… bei einer Domain von mir klopft alle paar Jahre auch ein Anwalt an, der die Domain „verlangt“. zuerst wegen Patenten, dann wegen Bekanntheit und zum Schluss dann doch gegen Bares. leider gilt bei der de Vergabe aber das First come, first serve Prinzip. und weil ich die Domain deutlich länger besitze als jedes Patent von denen kann mir auch niemand vorwerfen, dass ich die Domain aus Spaß behalte.

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Reinhard Riek
Reinhard Riek

Das ist kein Irrtum. Meine Domain hat die DENIC auch ohne meine Zustimmung einfach verkauft. Es ist immer wieder estaunlich, mit welcher kriminellen Energie in diesem Land Verbrechen als Irrtümer verkauft werden.

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