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Twitter ist jetzt komplett kaputt – und wird trotzdem nicht so einfach zu ersetzen sein

Die Beschränkung der täglichen Twitter-Nachrichten, die Nutzer:innen lesen können, ist die jüngste der zahlreichen erratischen Entscheidungen des Twitter-Chefs Elon Musk.

3 Min. Lesezeit
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Twitter: Kontosperrungen nur noch bei schweren Verstößen. (Foto: Kovop)

Es fällt mir schwer, das zu sagen, aber Twitter ist jetzt wohl endgültig kaputt – kaputt gespielt durch eine Vielzahl an falschen Entscheidungen, die die Nutzer:innen genauso wie die (seriösen) Anzeigenkund:innen verprellt haben. Und die Zahl der erratischen Veränderungen war in den vergangenen neun Monaten nicht klein. Vielmehr gab es eine Vielzahl von Aktionen, die das Twitter-Management und vor allem wohl Elon Musk selbst getroffen hat, bei denen man sich an den Kopf gefasst hat: angefangen bei Massenentlassungen und mehr als fragwürdigem Umgang mit den Mitarbeitenden über das Einfordern ausgedruckten Codes nach dem Motto „mehr Code zeugt von mehr Arbeit“ bis hin zu Drohungen gegen abtrünnige Werbekunden.

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Über die Zunahme an Hatespeech und Falschmeldungen bis hin zu Börsenkurse bestimmenden Meldungen, die nicht rechtzeitig als Fake News erkannt wurden, müssen wir wohl ebenso wenig reden wie über das Herumeiern bei der Einführung des neuen kostenpflichtigen Twitter-Blue-Abos. Vieles hat man über die Monate schon vergessen, aber beim Sichten der Ereignisse wird einmal mehr deutlich, dass es in der Wirtschaftsgeschichte selten einen Fall gab, in dem ein Milliarden Dollar schweres Unternehmen so leichtfertig bis mutwillig zerstört wurde wie hier.

Nachrichtenlimit – was steckt dahinter?

Jetzt führt Twitter also das Häufigkeitslimit ein – und erlaubt damit nicht zahlenden Nutzer:innen nur noch das Durchscrollen von 1.000 Beiträgen am Tag. Zahlende Kund:innen erhalten immerhin das Zehnfache. Doch auch hier kam wieder das Aktivieren der Funktion im Laufe des Samstags ohne Vorwarnung – und das Kommunizieren des neuen Limits erst Stunden später. Auch die zweimalige schrittweise Erhöhung nach Lust und Laune in den folgenden Stunden von 600 auf 800 und dann 1.000 Beiträge zeigt einmal mehr den Management-Stil, der so viel Vertrauen und Wohlwollen zerstört hat. Tausend Kommentare, die hat man mit entsprechenden Aggregations- und Social-Media-Tools innerhalb kürzester Zeit durch – vorausgesetzt die dahinterstehende API funktioniert überhaupt zuverlässig.

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Ob das Leselimit jetzt mit datenhungrigen KI-Bots von OpenAI und anderen KI-Unternehmen zu tun hat, die Twitter zur Verbesserung ihrer Erkennungsleistung stressen, oder aber ein internes DDoS-Problem verantwortlich ist, sei dahingestellt. Die Art, wie Musk es kommuniziert, ist einmal mehr ungeschickt und ein Schlag ins Gesicht aller Nutzer:innen.

Viele, die Twitter nutzen, wären anfangs durchaus bereit gewesen, bei entsprechend sinnvoller Kommunikation und wertschätzendem Umgang mit den Kund:innen, für den Dienst zu bezahlen. Doch was fehlt, ist ein fairer Umgang auf der Basis verlässlicher Regeln, ein Community-Management, das die schlimmsten Entgleisungen unterbindet und vor allem ein Umfeld, in dem ein solches Social Network wieder Spaß macht.

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In eigener Sache: Aktuell sind viele Menschen auf der Suche nach einer Twitter-Alternative. t3n ist auch auf Mastodon unter https://t3n.social/@t3n aktiv.

Immer mehr gingen über die Monate ganz oder legten erst einmal eine Pause ein. Schwer fällt das vor allem, weil kein anderes soziales Medium ein so schnell drehendes, auf aktuelle Entwicklungen reagierendes ist wie Twitter es einst war. Weil keine Plattform so ungefiltert Kontakt zu mehr oder weniger prominenten Personen ermöglichte und weil es ganz nebenbei auch nirgendwo so viele lustige Zwischentöne und teils nutzlose und Prokrastination fördernde Diskussionen gab wie dort.

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Weder Bluesky noch Mastodon können Twitter (bisher) ersetzen

Doch immer mehr Nutzer:innen kehren Elon Musks Plattform aufgrund von Fake News, Hatespeech und übermäßig aggressivem Selbstdarstellertum den Rücken. Sie gehen zu Mastodon – das Netzwerk soll in den letzten Tagen rund 110.000 mehr aktive Nutzer:innen verzeichnen. Auch das Nachfolgeprojekt Bluesky von Twitter-Gründer Jack Dorsey (das eigentlich nur mal eine Erweiterung für Twitter werden sollte) hat so viel Zulauf, dass man aktuell aus Ressourcengründen keine neuen Nutzer:innen mehr annimmt. Und dennoch ist die Diskussion dort eine andere, sind bislang weder bei Mastodon noch Bluesky die etablierten Personen zu finden, für die (nicht nur) Journalist:innen Twitter gemocht haben.

Damit einher geht die weitere Entwertung für Twitters Werbegeschäft. Klar ist inzwischen, dass die hochwertigen Brands und Unternehmen, die mehr als nur ein paar Lousy Pennies mitbrachten und schon in den ersten Wochen aufgrund fehlender Brand-Safety und pöbelndem Umfeld die Flucht ergriffen, nicht mehr wiederkommen. Und sie waren es, die neben der Community zumindest einen Teil des wahnwitzigen Kaufpreises gerechtfertigt haben. Inzwischen gibt es Werbung für windige Krypto-Assets, für drittklassigen E-Commerce-Ramsch und für Medienangebote, die bestenfalls als eigenartig zu klassifizieren sind. Kurzum: Twitter ist kaputt – und es wird schwierig werden, etwas Vergleichbares zu finden, das in absehbarer Zeit diesen Stellenwert einnehmen kann.

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Oliver

Vielleicht täte es der Menschheit auch einfach mal gut, nicht direkt einen ebenbürtigen Twitter-Nachfolger aus dem Hut zu zaubern. Es kann sich lohnen alte Zöpfe abzuschneiden und darüber zu sinnieren, wie wir in Zukunft kommunizieren wollen.
Überrascht bin ich von der Entwicklung jedenfalls nicht. Der Egomane Musk wird auch Tesla in den nächsten Jahren an die Wand fahren. Aber auch da gibt es schlimmeres.

Antworten
Gunar Gürgens

Der Unterschied ist, dass Tesla an der Börse gelistet ist. Wenn Musk murkst werden die Shareholder ihn raushauen. Ich denke Tesla ist inzwischen groß genug, dass auch andere Manager das übernehmen können. Musk hat definitiv seine Stärken, das ist das Aufbauen von Ideeen und das Umsetzen in eine Firma.
Mit Twitter hat er gezeigt, dass das aber nicht klappt, wenn er ein Unternehmen wandeln will, denn Wandel braucht definitiv Zeit und gute Kommunikation mit allen Beteiligten.

Antworten
Harry

Das ist das Problem mit zentralisierten Plattformen, die einem einzigen Unternehmen oder gar nur einem Menschen gehören. Wenn man sich davon abhängig gemacht hat besteht die Gefahr, dass man bei Untergang der Plattform wieder bei Null anfangen muss.

Bluesky ist ja nun auch nur Twitter in Grün, äh, Blau. Wenn Dorsey die Nase voll hat und die Plattform an wieder den nächstbesten Milliardär verkauft geht das ganze Spiel von vorne los.

Mastodon ist nicht perfekt – aber es hat Potenzial. Als dezentrales Netzwerk kann es nicht verkauft werden, weil es niemandem gehört. Noch findet man nicht die vielen Quellen, die man von Twitter gewohnt war – aber es füllt sich langsam. Die öffentlich-rechtlichen sind zum großen Teil bereits da.

Antworten
Misch

Ich weiß nicht, ob Twitter daran kaputt geht, was ich weiß ist aber, dass mir euer gegender tierisch auf den Zeiger geht. Lest ihr das was ihr geschrieben habt auch noch mal am Stück?
Da geht mir vor lauter „:innen“ der Text nicht mehr in den Kopf.
Kommt mal wieder klar.

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Kantenhuber

„Da geht mir vor lauter „:innen“ der Text nicht mehr in den Kopf.“

Tja, da scheint wohl was mit dem Kopf zu sein…

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Misch

Da ist sicher war dran. Viele Köpfe sind einfach nicht hohl genug, um sie mit krankhaften Ideologien zu füllen.

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