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Beliebte Strategie bei Apple: Was ist eigentlich Sherlocking?

„Sherlocking“ – klingt irgendwie gewitzt. Tatsächlich steckt dahinter aber eine Strategie von Apple, die schon so manchem App-Anbieter Ärger bereitet hat.

Von Elisabeth Urban
6 Min. Lesezeit
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Apple zieht seine Strategie so konsequent durch, dass sie von der Community mittlerweile einen Eigennamen verpasst bekommen hat: Sherlocking. (Symbolbild: Shutterstock/ OSTILL is Franck Camhi)

Wenn Apple auf seiner jährlichen Entwicklerkonferenz WWDC die unterschiedlichsten Neuerungen im Hard- und Software-Bereich vorstellt, bleibt in der Tech-Community eine Frage nicht aus: Welche Features hat das Unternehmen diesmal „gesherlockt“?

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Apple-Strategie: Was ist eigentlich Sherlocking?

Apple-Kenner:innen sprechen von Sherlocking, wenn das Unternehmen eine neue Funktion herausbringt, die einer bereits bestehenden Drittanbieter-App erstaunlich ähnlich ist. Die wird durch die Feature-Übernahme für Apple-User über kurz oder lang überflüssig gemacht.

Doch woher kommt der Name Sherlocking? Entstanden ist der Ausdruck im Jahr 2002. Damals trug Apples Desktop-Suche den Namen „Sherlock“ und bekam im Zuge eines Updates neue Funktionen verpasst. Die erinnerten stark an die Features der schon auf dem Markt bestehenden Third-Party-Anwendung „Watson“ – es wirkte fast, als hätte Apple sie zum Großteil abgekupfert.

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Weil Watson nicht die einzige App blieb, deren Konzept von Apple irgendwann als hauseigenes Feature übernommen wurde, hat sich der Begriff „Sherlocking“ etabliert. Apple selbst beharrt derweil darauf, man respektiere das geistige Eigentum anderer Unternehmen, und weist Kopieranschuldigungen immer wieder von sich.

Sherlocking: Wenn Apple sich inspirieren lässt

Ein Unternehmen, das schon länger Sherlocking-Vorwürfe gegen Apple erhebt, ist der Medizintechnik-Anbieter Masimo. Apple habe sich zunächst sehr interessiert an den Technologien gezeigt, die Masimo für die Bestimmung des Sauerstoffgehalts im Blut entwickelt, so Gründer Joe Kiani gegenüber dem Wall Street Journal – und dann zahlreiche Masimo-Angestellte abgeworben. Die wurden wiederum für die Entwicklung einer Apple Watch mit Sauerstoff-Tracking-Funktion eingesetzt und sollen dabei – so der Vorwurf von Kiani – wertvolles Insider-Wissen von ihrem vorherigen Arbeitgeber eingebracht haben.

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Der Masimo-Gründer beschreibt die Zuwendung durch Apple als „Todeskuss“: „Zuerst ist man ganz aufgeregt. Dann merkt man, dass der langfristige Plan ist, es selbst zu machen und alles zu nehmen.“

Auch das Tech-Startup Astropad musste im Jahr 2019 feststellen, dass Apple sich von der vorausgegangenen Zusammenarbeit hatte „inspirieren“ lassen. In einem Blogeintrag beschreibt Astropad-Mitarbeiterin Savannah Reising den Moment, in dem klar wurde, wie sehr Apples neu vorgestelltes Sidecar-Feature dem eigenen Produkt namens Luna Display ähnelte: „Für unser 13-köpfiges Team war das eine niederschmetternde Nachricht. Als wir sahen, wie Apple Sidecar der Welt präsentierte, war es, als ob jahrelange harte Arbeit vor unseren Augen vorbeizog, während jemand anderes den Ruhm dafür erntete.“

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Apples Vorbilder: Wie gehen Unternehmen mit Sherlocking um?

Astropad reagierte auf die Apple-Vorstellung wie folgt: Die eigenen Produkte wurden geupdatet, ein optimistisch gehaltenes öffentliches Statement des Gründungsteams sollte zeigen, „dass wir trotz dieses enttäuschenden Rückschlags noch große Pläne für die Zukunft haben“.

Rückblickend habe man Apple als Partnerplattform zu sehr vertraut, so Reising. Sie rät App-Anbietern, sich von Anfang an mit einer divers aufgestellten Produktpalette abzusichern. Die sollte auf mehr als nur einer Plattform funktionieren und mit ausgeklügelten, spezifischen Features in die Tiefe gehen.

Masimo-Gründer Joe Kiani befindet sich mittlerweile in einem Rechtsstreit mit Apple. Er beschuldigt den Konzern des Missbrauchs von Geschäftsgeheimnissen und will ein Verkaufsverbot der Apple Watch 6 und deren Folgemodelle in den USA erwirken. Bisher hat ihn das Verfahren nach eigenen Angaben rund 55 Millionen Dollar gekostet – und ein Ende ist derzeit noch nicht in Sicht.

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WWDC 2023: Welche Apple-Features gab es schon als Apps?

Auch 2023 wurden im Zuge der Apple-Entwickler-Konferenz WWDC Features vorgestellt, die es zuvor bereits von Drittanbietern gab.

So erwartet Apple-User unter anderem eine neue Journaling-App, die zum Beispiel auf Standort, Musik und Workouts basierende Empfehlungen ausspielt und ans tägliche Schreiben erinnert. Sie ähnelt in ihren Funktionen der App Day One, die von Apple in der Vergangenheit mehrfach ausgezeichnet worden war. Nach der Vorstellung von Apples eigener Tagebuch-App hieß es von Day One übrigens, man werde die Schnittstelle zu Apples Empfehlungen nutzen, um das eigene Produkt auszubauen.

In eine ähnliche Kerbe wie die Journaling-App schlägt das mit iOS 17 vorgestellte Moodlogging-Feature zum Tracken des eigenen Emotionshaushalts. Bislang hatten sich hierfür beispielsweise Daylio oder Moodnote angeboten.

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Namedrop soll es iPhone-Usern künftig einfacher machen, Kontaktdaten untereinander zu teilen. Das Prinzip erinnert an die Drittanbieter-App Bump – die allerdings schon 2014 eingestellt wurde. Apples Presenter Overlay bietet bei Videocalls mit Präsentation die Möglichkeit, das Bild der sprechenden Person über die Folien zu legen. So müssen sich die zuhörenden Personen nicht auf Präsentation und eine extra Videokachel konzentrieren, sondern sehen alles auf einen Blick. Genau dieses Feature haben bisher Apps wie Mmhmm und Loom gecovert.

Und auch die neu eigeführten Funktion zum Erstellen von Stickern, die interaktiven Widgets für den Mac, das Web-App-Feature für macOS Sonoma und das Wandertracking auf der Apple Watch waren bisher durch Drittanbieter-Apps abgedeckt.

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