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Analyse

Mehr Umsatz: Warum sich der Mindestbestellwert für Amazon und Zalando rentiert

Seit einigen Wochen gibt es einen neuen Mindestbestellwert bei Amazon und Zalando – was bedeutet das für die Kund:innen und den Versender? Und ist das ein Hindernis oder bestellen die Kund:innen mehr?

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Möglichst wenig unpassende Kleidung verschicken ist ein Ziel, das Online­händler seit Jahren haben. (Bild: Africa Studio / Shutterstock)

Erst kürzlich hat Amazon den Mindestbestellwert von 29 auf 39 Euro angehoben – und es sich dabei nicht leicht gemacht. Mindestens zwei Mal erhöhte das Unternehmen den Wert, um ihn dann kurz darauf zumindest für den deutschen Markt wieder rückgängig zu machen.

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Und dann ist da noch Zalando: Der Modeversender, der über lange Zeit auf einen Mindestbestellwert verzichtete, hat kürzlich einen mit 29,90 Euro durchaus vertretbaren Mindestbestellwert eingeführt. Darunter fallen 4,90 Euro Standardversandkosten an, bei Amazon sind es 2,99 bis 3,99 Euro je nach Warengruppe, die ansonsten anfallen. Übrigens plant auch About you einen Mindestbestellwert, der in sämtlichen Märkten kommen soll und in Deutschland voraussichtlich im Laufe des Jahres eingeführt wird.

Doch was bedeutet das für die Unternehmen und wie können die Kund:innen sinnvoll mit der neuen Regelung umgehen? Klar ist, dass es weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll ist, wenn Versender Pakete mit kleinen Mengen an Produkten verschicken. Das gilt vor allem aber auch für die Versandhäuser selbst, die gerne einmal eine Bestellung in mehrere Pakete aufteilen, die dann jeweils einzeln verschickt werden. Amazon etwa begründet dies mit der ausgeklügelten Lagerhaltung, die es manchmal (sogar inzwischen sehr oft) erforderlich mache, Waren einzeln zu versenden.

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Tricks zur Rücksendung – nicht immer ist sie kostenlos

Dasselbe betrifft die Rücksendung, die nicht in allen Fällen an eine zentrale Adresse geht, sondern – insbesondere wenn es sich um eine Ship-from-Store-Bestellung bei Zalando handelt, die ein Partnergeschäft veranlasst – auch dorthin zurückgesandt werden muss.

Doch das Problem ist noch umfassender: Denn viele Kund:innen werden in Zukunft versuchen, den Mindestbestellwert zu umgehen, indem sie einfach ein paar Produkte zusätzlich bestellen, um ohne Versandkostenpauschale auszukommen.

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Dabei muss man bei Zalando immerhin nicht für die Rücksendung zahlen, da diese innerhalb großzügiger 100 Tage inklusive ist. Die Idee hinter dieser Großzügigkeit: Wer ein Produkt nicht gleich zurückschickt, wird es in den Schrank legen und gegebenenfalls vergessen – eine Rechnung, die oftmals aufgeht.

Komplizierter ist das bei Amazon: Hier kommt es zum einen darauf an, ob der Artikel für kostenfreie Rücksendung vorgesehen ist, wie das etwas bei Bekleidung und Schuhen der Fall ist. Ansonsten fallen immer dann Rücksendekosten an (pauschal, Amazon nennt jeweils den individuellen Betrag), wenn der Betrag eines einzeln zurückzusendenden Artikels unterhalb von 40 Euro liegt. Auch die Versandkosten werden hier nur anteilig erstattet.

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Anders sieht das bei vielen anderen Versendern aus, die Rücksendekosten pauschal übernehmen, wenn der Wert der gesammelten (!) Rücksendung 40 Euro übersteigt. Das führt allerdings zu dem beliebten Trick, ausreichend Ware mitzubestellen, die eigentlich nicht gewünscht oder nur zur Auswahl bestellt wird – mit dem Ziel, dann bei der Rücksendung einen ausreichend hohen Warenwert zu erreichen.

Ziel ist eine Erhöhung des Warenkorbwertes

Die Folge trifft den Händler allerdings gleich doppelt hart: Denn zum einen bezahlt er für die Rücksendung und Wiederaufbereitung der Ware für den Verkauf und hat zudem noch mehr Ware im Umlauf, die er währenddessen nicht verkaufen kann. Gerade bei Bekleidung, Schuhen und anderen Saisonartikeln ist das doppelt ungünstig.

Alles in allem arbeiten größere Versender immer daran, die Warenkörbe, also den Gesamtwert einer erhaltenen Bestellung, möglichst hoch zu bekommen. Gerade in den letzten Monaten ist der durchschnittliche Warenkorbwert allerdings bei nahezu allen größeren E-Commerce-Playern gesunken, wie zuletzt Versender wie Otto sowie Zalando bei der Bekanntgabe ihrer Zahlen berichteten.

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Daher wird es wohl ein allgemeiner Trend werden, mit Mindestbestellwerten gegenzusteuern, zumal nicht nur aufgrund der gestiegenen Energiekosten die Logistikdienstleister in den letzten Monaten empfindlich an der Preisschraube auch bei Großkund:innen gedreht haben.

Versand-Flatrates als Kundenbindungsinstrument

Andererseits kann die Einführung eines Mindestbestellwertes aber auch zur Kund:innenbindung beitragen, was sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Denn ein Mindestbestellwert eröffnet den Händler:innen die Möglichkeit, Versandkosten-Flatrates wie Otto Up oder Amazon Prime schmackhaft zu machen.

Die bringen zum einen regelmäßige Einkünfte und sorgen ganz nebenbei für den viel wichtigeren Nebeneffekt, dass Kund:innen, die einem solchen Programm angehören, rund 30 bis 50 Prozent (laut Branchenschätzungen) mehr bestellen und behalten. Oder anders gesagt: Der oder die Händler:in, bei dem oder der Kund:innen ihre Flatrate haben, die sie auch nutzen wollen, sind die erste Anlaufstelle beim Kauf. Nur wenn dort nicht das Gewünschte verfügbar oder deutlich teurer ist als anderswo, scheidet dieses Unterscheidungsmerkmal aus.

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Unterm Strich zeigt sich, dass ein Mindestbestellwert viele Auswirkungen hat – und im Falle von Amazon und Zalando nicht so einfach zu sagen ist, ob deswegen weniger Geld in die Kassen der Händler:innen fließt. Klar ist, dass im ersten Ansatz mehr Umsatz dabei entstehen wird, weil die Kund:innen entsprechende Kosten für den Versand zu umgehen suchen.

Umgekehrt besteht allerdings tatsächlich die Gefahr, dass Kund:innen leichtfertig mehr zur Ansicht bestellen, weil sie ohnehin wissen, dass sie einen Teil der Ware aufgrund falscher oder nicht optimaler Passform zurücksenden werden. Klar ist aber auch, dass die Retoure gerade im Bekleidungsumfeld ein fester (hoher) Kostenfaktor bleibt, ähnlich wie die Ladenmiete im Präsenzhandel.

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