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Coworking boomt trotz Wework-Pleite – nur nicht da, wo du vermutest

Die Insolvenz von Wework hat die Coworking-Szene erschüttert. Dabei zeigt eine Standorterhebung, dass die Branche boomt – vor allem auf dem Land. Zwei Experten verraten die Hintergründe.

3 Min. Lesezeit
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Coworking auf dem Land: Das Woldzegarten-Projekt. (Foto: Nils Hasenau)

Aus dem Coworking-Sektor kamen zuletzt schlechte Nachrichten: Der Branchenriese Wework sowie das Startup Independesk haben Insolvenz angemeldet. Und doch zeigen aktuelle Standortzahlen, wie stark die Nachfrage vieler Beschäftigter ist: Die Zahl der Coworking-Spaces in Deutschland hat sich seit 2018 auf mehr als 1.852 Standorte versechsfacht. Seit 2020 ist die Anzahl um rund 50 Prozent gestiegen.

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Coworking-Spaces: 1.852 Standorte in Deutschland

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Erhebung „Coworking Deutschland 2023“ des Bundesverbandes Coworking Spaces Deutschland (BVCS). Der Präsident des Bundesverbandes, Tobias Kollewe, sagt gegenüber t3n: „Keine Spur eines vermeintlichen ‚Wework-Katers‘. Die Zahl der Coworking-Spaces steigt seit fünf Jahren kontinuierlich an und wir rechnen fest mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung.“

Die Bundesländer mit den meisten Coworking-Spaces sind der Erhebung nach Nordrhein-Westfalen (354), Bayern (302) und Baden-Württemberg (234). Diese drei Bundesländer mit den meisten Coworking-Einrichtungen sind auch die Bundesländer mit der größten Bevölkerung in Deutschland. Die Städte mit den meisten Coworking-Spaces sind hingegen Berlin (221), München (114), Hamburg (101) und Frankfurt am Main (67).

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Dass Coworking jedoch kein reines Thema der Metropolen mehr ist, zeigt die Entwicklung der Anzahl an Einrichtungen in ländlichen Städten und Gemeinden. Seit 2020 ist die Anzahl an Coworking-Spaces in diesen Regionen um mehr als 70 Prozent gestiegen. Die größten Zuwächse gibt es der Erhebung nach in ländlich strukturierten Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Brandenburg.

„Absolut betrachtet sind natürlich viele Coworking-Spaces in den Metropolregionen zu finden. Hier arbeiten mehr Menschen und hier sind auch viele Büroflächen zu finden. In den ländlichen Regionen wird das Thema allerdings immer wichtiger. Beschäftigte wollen weniger unproduktive Zeit mit dem Pendeln verbringen – sie erwarten von den Unternehmen einen Arbeitsplatz, der näher an ihrem Wohnort liegt“, so Kollewe.

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Corona-Pandemie als großer Coworking-Treiber

Tobias Kremkau ist Referent für Entwicklung und Beratung bei Coworkland. Die gemeinnützige Organisation unterstützt Menschen dabei, Coworking-Spaces im ländlichen Raum zu gründen und zu betreiben. Auch Kremkau bestätigt den Trend. Vor allem in Kleinstädten mit guter Verkehrsanbindung an eine oder mehrere Metropolen würden immer mehr Einrichtungen entstehen. Aber auch in stärker abgelegenen ländlichen Regionen.

„Diese Coworking-Spaces haben oftmals neben dem klassischen Coworking-Angebot an Schreibtischen weitere Nutzungskonzepte wie Übernachtungen, Kitas, Werkstätten und Cafés. Dieser schnelle Zuwachs liegt nicht zuletzt an der Corona-Pandemie und den neuen digitalen Strukturen, die durch den Homeoffice-Zwang innerhalb kurzer Zeit etabliert wurden“, ordnet Tobias Kremkau die Entwicklung für t3n ein.

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Das starke Wachstum in den drei ländlich geprägten Bundesländern geht laut dem Coworking-Experten auf unterschiedliche Gründe zurück. „Brandenburg profitiert von seiner Nähe zu Berlin“, so Kremkau. „Viele Menschen ziehen wegen steigender Mieten in die Vorstädte und in das ländliche Umland, sie wollen dann nicht täglich pendeln und fragen die ihnen aus Berlin bekannten Coworking-Lösungen nach.“

In Mecklenburg-Vorpommern gab es in den letzten zwei Jahren ein von der Landesregierung bestelltes Regionalmanagement, das bei der Coworkland-Genossenschaft angesiedelt war. Auch in Schleswig-Holstein hat sich aus einem Förderprogramm der Landesregierung eine Förderrichtlinie entwickelt. „Die Verbindung von Coworking mit Themen wie Tourismus erwies sich in beiden Bundesländern als erfolgreich.“

Die Anforderungen auf dem Land unterscheiden sich bisweilen von denen der Stadt. „Auch im ländlichen Raum haben wir klassische Coworking-Spaces, wie wir sie aus Berlin-Mitte kennen. Allerdings sehen wir auf dem Land eine größere Vielfalt verschiedener Betriebsmodelle, beispielsweise Coworking-Spaces als neue Ortsmitten mit einem ganzheitlichen Ansatz rund um Arbeit und Freizeit oder als Workation- und Retreat-Angebote.“

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Ländliches Coworking folgt anderen Konzepten

Die Fragestellungen seien dennoch oft die gleichen – egal, ob in einem kleinen Dorf oder urbanen Stadtteil. Anbieter müssen herausfinden, wer vor Ort welches Angebot nachfragen würde und das in dem vorhandenen Raum umsetzen. „Die Herausforderung haben sie alle, sie unterscheiden sich dann aber in Flächengröße, Zielgruppe, Preisen und leider oft genug in der verfügbaren Internetgeschwindigkeit vor Ort.“

Das gute Haus im hessischen Butzbach gilt als generationsübergreifendes Coworking und bietet auch eine Kinderbetreuung an. Auf dem schleswig-holsteinischen Hof Viehbrook gibt es neben Coworking auch ein Restaurant und einen Hofladen, Viehwirtschaft, einen Bauernhof-Kindergarten, eine Schmiede und Glamping-Zelte für Übernachtungsgäste. Diese Projekte gelten als etablierte Einrichtungen in ihren Regionen.

Einer der ältesten ländlichen Coworking-Spaces in Deutschland ist das genossenschaftliche Ammersee Denkerhaus in einer ehemaligen Polizeiwache in Bayern. Neuere Projekte plant und realisiert der Berliner Coworking-Pionier St. Oberholz als Retreat-Angebote in verschiedenen Urlaubsdestinationen. Zuletzt ist das Woldzegarten-Projekt in der Region der Mecklenburgischen Seenplatte eröffnet worden.

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