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Glosse

Lasst die Leute mit Stalking-E-Mails in Ruhe – das ist kein Marketing!

Die Linie zwischen E-Mail-Marketing und Spam ist dünn. Wir können versuchen, sie einzuhalten – oder wir machen es wie Marketing-Udo und übertreiben bis zum Stalking. Seid nicht wie Udo.

3 Min.
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Da geht man die Straße runter, kommt ein Marketing-Udo um die Ecke. (Foto: SpeedKingz / Shutterstock)

Stell dir vor, du gehst morgens aus dem Haus und sofort spricht dich ein Mensch an: „Hey, wir haben uns doch letztens auf dieser Party getroffen!“. Du denkst scharf nach und erinnerst dich düster daran, dass du vor drei dem Bekannten einer Freundin fünf Minuten beim klassischen Suff-Politik-Monolog zugehört hast, bevor du an die Bar geflüchtet bist. Der Udo, der dich jetzt anspricht, ist ein guter Freund von diesem Bekannten, und er würde jetzt gern weiter mit dir über Politik sprechen. Weil du eigentlich nur einkaufen willst, gehst du halt an Udo vorbei.

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Ab sofort steht Udo jeden Tag vor deiner Tür. Einmal sagt er dir, dass er sich ganz genau an euren (nie passierten) Austausch erinnern könne, weil du, äh, „relevant“ wärst. Das nächste Mal sagt er dir, dein Job sei auch „sehr interessant“. Manchmal schreit er. Einmal will er dir ein tolles Video zeigen, in dem er selbst über Politik spricht. Manchmal sagt er Sachen wie: „Ich hab durch dein Fenster gesehen, dass du meinen Brief aufgemacht hast. Willst du mir nicht mal antworten?“.

Weil dich Udo richtig nervt, gehst du ab sofort durch die Hintertür raus. Du kletterst über den Gartenzaun, da siehst du Udo. Der wartet schon auf dich. „Du hast an deiner Haustür nie reagiert, deswegen dachte ich, versuch ich es hier. Ich freue mich aufs Gespräch!“. Wer jetzt nicht das dringende Bedürfnis hat, Udo ins Gesicht zu springen, hat schlicht ein übermenschliches Nervenkostüm.

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Udos gibt es wirklich – nur dass sie dich nicht vor der Haustür stalken, sondern im Internet. Denn im Web sind meine Kontaktdaten und ich anscheinend Freiwild. Die Party war die Dmexco, wo ich mal kurz in verschiedene Sessions gezappt habe. Das wird direkt als innige Verbindung zweier Seelenverwandter ausgelegt, sodass man mir jetzt teure Jahresabos für Tools verkaufen kann, die ich als Redakteurin überhaupt nicht brauche. Udo ist der Marketing-Sales-Dude von der Speakerin. Ich frage mich, ob Udo nicht die Finger bluten von den ganzen Mails, die er mir schreibt. Ach nee, Moment: „Deine Position ist relevant und dein Unternehmen sehr interessant“ ist Copy-Paste, hupsi. Auf der einen Seite hat sich Udo also nicht mal angeschaut, wer ich bin – weil dann wüsste er ja, dass ich mit seinen Kund:innen so gar nichts gemein habe. Ich schreibe zwar über Sachen, ich mache die Sachen aber nicht selbst. Nix mit relevanter Zielgruppe, eher so „ich habe Mailadresse, ich baller Mails“. Auf der anderen Seite aber weiß Udo, dass ich seine E-Mail geöffnet habe und schickt mir deswegen noch mehr Mails. In denen sagt er mir, dass er weiß, dass ich die E-Mail geöffnet habe. Wie laut will Udo denn noch brüllen, dass er mich verfolgt? Apropos laut, da sind gern mal Phrasen fett gedruckt, oder unterstrichen – oder beides. Ich kann lesen, Udo! Nur weil es fett gedruckt ist, ist es deswegen nicht automatisch relevanter für mich.

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Weil Udo gemerkt hat, dass er per Mail nichts reißt, hat er mich bei Linkedin erschnüffelt. Alter Sherlock. Wir hätten noch nicht die Chance gehabt, in den Austausch zu gehen. Er freue sich darauf, sich mit mir zu verbinden! Er hätte mir auch eine Mail geschrieben, ob ich denn schon die Chance gehabt hätte, die zu lesen. (Udo, du Schlingel, du weißt ganz genau, ob ich die Mail gelesen habe – und ich weiß das, weil du es mir gesagt hast. Nur mal so nebenbei.) Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und vermute: Wenn mein Tinder-Match mir nicht mehr antwortet, brauche ich es nicht auf Instagram versuchen, dann steht der halt nicht auf mich.

Lieber Udo: Ich stehe nicht auf dich. Echt nicht. Lass mich in Ruhe. Und alle anderen: Seid nicht wie Udo. Seid wie Inge. Inge hat mir direkt nach der Party einmal kurz ihre Kontaktdaten geschossen und zusammengefasst, was sie den Abend über erzählt hat – und als ich mich nicht gemeldet habe, war’s das eben. Weil sich Inge gefragt hat, wie das wohl wirkt, wenn sie jetzt noch drei Mal ankommt. Weil: Inge macht Marketing, kein Stalking. Und jetzt gehe ich Udo blocken, bevor ich ihm wirklich ins Gesicht springe.

Fast fertig!

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Kommentare (2)

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Joe_L

Netter Beitrag, kommt mir bekannt vor. Allerdings ärgert sich die Verfasserin über Copy-Paste und hat dann so eine Bildunterschrift? „Frau ruft um Hilfe für das Mobiltelefon an, während sie von Mann auf der City Street unterwegs ist.“

Josefine Kramer

Ui, da ist mir was durchgerutscht – da haste vollkommen Recht, Joe. Ich habs angepasst! :D

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