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Endlich lassen sich auch mit Android Hörgeräte wie Bluetooth-Kopfhörer verwenden

In Version 10 gestattet Android das Pairing mit Hörgeräten und Cochlea-Implantaten. Hörgeschädigte können damit Musik, Podcasts und natürlich auch Telefonate ohne Zusatzgeräte auf ihre Hörhelfer streamen – zunächst allerdings nur beim Google Pixel 3.

2 Min. Lesezeit
Bluetooth-Pairing mit Hörgerät mit. Android 10. Foto: Google Promo-Video

„Audio Streaming for Hearing Aids“ (ASHA) hat Google sein neues Protokoll genannt, mit dem sich Audiodaten direkt auf Hörgeräte streamen lassen. Klingt eigentlich selbstverständlich, schließlich gibt es Bluetooth-Kopfhörer und entsprechende Standards seit vielen Jahren. Die ließen sich allerdings nicht ohne weiteres in Hörgeräte und Cochlea-Implantate implementieren, vor allem weil der Energieverbrauch bei Bluetooth Music Classic zu groß ist – nicht nur für das Smartphone, sondern vor allem für das Hörgerät.

ASHA verwendet stattdessen Bluetooth Low Energy, das ursprünglich nicht für Streaming sondern den gelegentlichen Transport kleiner Datenhäppchen bei niedrigem Energieverbrauch und geringer Reichweite unter anderem im Internet of Things gedacht war. Deshalb sind das Koppeln von Kopfhörern und das Koppeln von Hörgeräten mit dem Smartphone zwei verschiedene Dinge.

Mit ASHA lassen sich Audio-Inhalte direkt aufs Hörgerät oder Cochlea-Implantat streamen. Dabei startet der Stream automatisch, etwa wenn das Telefon klingelt, ohne dass noch irgendwelche Tasten gedrückt werden müssen. Was nach Luxus klingt, erleichtert hörgeschädigten Menschen erheblich das Leben, da der Klang in der Regel viel besser ist als bei Lautsprechern und Kopfhörern, die in die Nähe eines Hörgerätes gehalten werden.

Für Apple-Nutzer ein alter Hut

Außerdem können Hörgeräte und Cochlea-Implantate so konfiguriert werden, dass während des Telefonierens oder Musikhörens die eingebauten Mikrofone herunter geregelt oder ganz abgeschaltet werden, sodass Hintergrundgeräusche leiser werden oder sogar ganz verschwinden. Für eine vergleichbare Funktionalität mussten Hörgerätenutzer bisher eher frickelige, proprietäre und zumeist auch teure Zusatzgeräte, Adapter oder Spezialkabel verwenden, die für jedes Telefonat erstmal eingestöpselt werden müssen.

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Apple bietet bereits seit Jahren eine vergleichbare Lösung unter dem Namen Mfi („Made for iPhone“) an, die ebenfalls auf Bluetooth Low Energy basiert und von einer ganzen Reihe von Hörgeräten unterstützt wird. Mfi ist allerdings nicht mit ASHA kompatibel. Wer ein ASHA-fähiges Hörgerät sucht, hat im Moment noch die Auswahl zwischen zwei Modellen: das Resound Linx Quattro und das Beltone Amaze.

Bei Cochlea-Implantaten sieht die Lage ähnlich aus. Der aktuelle Soundprozessor CP1000 („Nucleus 7“) von Cochlear ist seit rund zwei Jahren mit Apples Mfi kompatibel. Wer ihn auch mit ASHA nutzen möchte, muss zunächst den Audiologen aufsuchen und ein Software-Update in den Soundprozessor einspielen lassen. Nutzer älterer Modelle von Cochlear sowie der Konkurrenz-Modelle von Advanced Bionics, MED-EL und Oticon Medical sind bis auf weiteres auf Adapter-Lösungen angewiesen.

Bescheidene Auswahl an Smartphones und Hörgeräten

Die Liste der kompatiblen Android-Smartphones ist ebenfalls noch äußerst kurz. Auch wenn ASHA in Android 10 enthalten ist, genügt es nicht, ein beliebiges Android-10-fähiges Telefon zu besitzen, da auch hardwareseitige Anpassungen nötig sind. Deshalb umfasst die Liste lediglich die Modelle Google Pixel 3, 3XL, 3a und 3a XL. Wann das Pixel 4 hinzukommen wird, ist unklar. Da Google das ASHA-Protokoll unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht hat, ist allerdings damit zu rechnen, dass ASHA bald standardmäßig in weitere Android-Telefone einziehen wird. Für Kunden, die bisher gezwungen waren, iPhones zu verwenden, wenn sie ihr Telefon mit einem Hörgerät koppeln wollten, sind das gute Nachrichten.

t3n meint: Auch wenn Audiostreaming auf Hörgeräte und Cochlea-Implantate enorm komfortabel ist, hat sich im Alltag ein neues Problem herauskristallisiert. Da keine sichtbaren Kopfhörer mehr verwendet werden sondern nur das Hörgerät und ein Telefon in der Jackentasche, sehen Mitmenschen einem nicht mehr an, dass man gerade einen Podcast oder Musik hört und somit akustisch abwesend ist. Das führt gelegentlich zu unangenehmen Situationen, wenn Menschen einen in der Bahn oder auf der Straße ansprechen. Ich spiele deshalb gelegentlich mit dem Gedanken, mir deutlich sichtbare Kopfhörer als Attrappe aufzusetzen, habe die Idee aber noch nicht in die Praxis umgesetzt. Enno Park

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3 Kommentare
Norbert L. Muth, M.A.
Norbert L. Muth, M.A.

Mit BLE Audio = Bluetooth Low Energy Audio = Bluetooth 5.2 vom Januar 2020 hätte sich das Nebenher von proprietären Protokollen eigentlich erledigen sollen. Google hat doch mit Sicherheit mitbekommen, dass die EHIMA (Europ. Hörgerätehersteller-Vereinigung) schon seit mindestens 7 Jahren in der PC-SIG an diesem Standard gearbeitet hat. Allerdings ist BT LE Audio noch nicht fertig ausdefiniert.

Nun gibt es 3 Versionen:
BT LEA = Bluetooth LE Apple = Mfi
BT ASHA = Bluetooth LE Android
BT LE Audio = Bluetooth 5.2

Da wird die Auswahl des Hörgerätes immer weniger nach dem medizinisch Notwendigkeiten entschieden, sondern danach, welcher Gerätefuhrpark daheim oder in der Firma vorhanden ist.

Dann ist es doch sicherer, sich an den simplen Induktionsstandard zu halten.
Er ist die einzige barriefreie Drahtlostechnik ins Hörgerät hinein.
Er ist billig, ab 44 EUR für eine Induktive Halsringschleife (für CI-Träger umsonst)
Er ist überall verfügbar ist, wo ein Kopfhöreranschluss vorhanden ist.
Er ist in sogar in jedem Basishörgerät oder CI ohne Zuzahlung schon automatisch vorhanden.
Er bietet den Vorteil, dass er in zahlreichen öffentlichen Gebäuden wie Stadthallen, Vortragssälen, Kirchen u.v.a.m. ebenfalls über eine induktive Höranlage barriefrei genutzt werden kann. Da wird noch nicht einmal die Halsringschleife benötigt.
Er ist weltweit universalkompatibel, d.h., egal welcher Gerätehersteller, egal in welchem Land, egal welches Hörgerät, es funktioniert immmer – ohne Pairing-Prozedur, ohne Zwischengeräte, ohne Passwort-Eingaben: einfach am Hörgerät ein Knöpfchen 2 bis 4mal drücken und schon legt die Übertragung los.
Es werden auch keine Adapter-Geräte benötigt, deren Akkus geladen werden müssen und die ohne Bedienungsanleitung nicht zu konfigurieren sind. (Motto: schalten Sie alle Geräte erst einmal aus, dann in der Reihenfolge ein, drücken Sie innerhalb von 10 sek Knopf A bis die LED rot blinkt. Wenn die LED blau blinkt, drücken Sie die Taste für 2 sek. Sollte die Kopplung nicht stattgefunden haben, löschen Sie das Profil … und beginnen Sie erneut bei Schitt A. Und – irgendwie bekannt?

FAZIT: die Bluetooth-Welt hat hier einen kompletten Bock geschossen und ist in die gleiche Falle rerauscht, wie damals beim Videorcorder: Video-2000, Betamax, VCR etc.
Wenn man bedenkt, dass teure Hörgeräte bis zu 10 Jahren und mehr getragen werden, wird ahnen, wielange das veranstaltete Chaos noch anhalten wird.

Antworten
Korbinian
Korbinian

Zu diesem Kommentar möchte ich ein paar Anmerkungen hinterlassen.
Seit über 25 Jahren trage ich Hörhilfen, davon seit mehr als sieben Jahren Cochlea-Implantate.

Ich freue mich, dass es zukunftsfähige Bluetooth-Lösungen gibt.

Diese ist sehr wahrscheinlich allen anderen Lösungen, die ich bisher erlebt habe, überlegen. Einzig ein direkt angeschlossenes Kabel ist für mich noch konkurrenzfähig. Speziell bei digitalen Geräten darf hier aber auch gern die Sinnfrage gestellt werden. Spätestens beim CI. Im Tonstudio von analog nach digital, dann von der Soundkarte wieder digital nach analog und dann im CI wieder von analog nach digital.

Die letzten beiden Schritte kann man sich mit einer digitalen Übertragung sparen. Dass die Tonqualität bei jeder Umwandlung nicht besser werden kann, leuchtet sicher ein.

Die von Ihnen angesprochene Induktionslösung ist vor allem eines: Billig.
Tragen Sie selbst Hörhilfen und hatten Sie den Vergleich zwischen Induktionsschlinge und direkter Kabelverbindung/Bluetooth? Ich schon. Wer sowieso kaum noch etwas hört, kann vielleicht damit zufriedengestellt werden. Für mich sind Induktionsschlingen höchstens noch eine Notlösung.

Erstens sind Induktionsschlingen prinzipbedingt erstmal mono, also kein Stereoton.

Laut Ihrer Aussage kann eine Induktionsschlinge an jedem Kopfhörerausgang benutzt werden. Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen versichern, dass das nicht so ist. Es gibt aktive Schlingen mit eingebautem Verstärker (die Batterien oder Akkus haben), für die mag das zutreffen. Die passiven Schlingen brauchen genügend Ausgangspegel, und die hat nicht jeder Kopfhörerausgang.
Externe Soundkarte: Ja. PMR-Funkgerät: Ja. Laptopausgang: Grenzwertig. Smartphone: Nein.

Drittens – und für die meisten wohl am wichtigsten – die Tonqualität ist einfach mies. Den Unterschied zwischen direktem Kabel und Schlinge hört man auch mit Hörgerät/CI sofort. Keine Bässe, matschige Höhen. Im Sprachbereich für Kirche o.ä. akzeptabel.

Antworten
Norbert L.Muth, M.A.
Norbert L.Muth, M.A.

Hallo Korbinian,

1. ja, ich habe Hörgeräte, sogar mit Bluetooth (MFI) und T-Spule.
2. mangels iPhone kann ich Bluetooth nicht nutzen, habe es aber mit einem iPhone eines Bekannten ausprobiert.
3. Die Analog-Digital-Wandlerkette geht vom Aufnahmestudio ins Hörgerät selbst dann, wenn alles digital ist, nicht ohne Umwandlungsprozesse, nämlich:
a) Studio: vom analogen Mikrofon nach digital ins hochauflösende wav-Format, anschließend Soundprocessing.
b) Komprimierung in AAC oder MP3, dann per Web-Radio ins Smartphone
c) im Smartphone interne MP3-Dekomprimierung in ein Hersteller-spezifisches Format, meist WAV.
d) von dort dann
aa) in die Soundkarte und Umwandlung in analog, dann ins Hörgerät/CI, dort direkte Umwandkung von analog in das digitale Format des Hörgerätes/CI, Soundprocessing, D/A-Wandlung zum Hörer
bb) in den Bluetooth-Stack, dort Komprimierung in SBC oder APTX bzw. bei BLE Audio in LC3 (MP3-ähnlich), dann Senden per Bluetooth ins Hörgerät/CI. Dann wird vom Standard-Bluetooth-Chip erst in (meist) wav dekodiert, von dort wird dann wieder in das spezifische HG/CI-Format umkodiert. In manchen Geräten wird auch vom Bluetooth-Stack direkt in das HG/CI-spezifische Format dekodiert. Dann geht es den normalen Weg des HG/CI.

Fazit: auch bei digital wird ständig verlustbehaftet umkodiert, nicht umsonst gibt es da immer eine höhere Latenzzeit und die Lippensynchronität geht verloren.

4. Die Behauptung, eine Halsringschleife ging nicht an ein Smartphone ist falsch. An meinem Android-Smartphone funktioniert sie einwandfrei. Ebenfalls an allen Notebooks meiner Familie (etwa 10-15 Geräte von Aldi über HP, Lenovo, Asus bis zu Microsoft) Bei manchen Hörgeräten oder CI’s liegt die T-Spule ungünstig im Gerät. Dann muss man mit der Halsringschleife etwas ausprobieren, wie man sie legt, ggf. über die Ohren hängen.

5. Stereo läßt sich auch mit einem Induktionskopfhörer hören, der kostet so etwa 15-20 EUR.

6. Ich habe nichts gegen Bluetooth an sich. Es ist praktisch für den privaten Gebrauch, eben um drahtlos am iPhone Musik zu hören oder – falls man in der Phonak-Familie ist, hand’s-free mit jedem Smartphone zu telefonieren.

7. Die neue BLE Audio-Version ist noch immer in der Entwicklungsphase. Man will zunächst mit einer ersten, sehr abgespeckten Version unter dem namen „hearstream“ starten. Allerdings hat man noch immer keine Idee, wie die Steuerung barrierefrei gehen kann, sodass sich auch eine 80-jährige Oma ohne Smartphone z.B. bei einem Vortrag im Altenkreis aufschalten kann. Eine Idee war, am Hörgerät/CI einen Bluetooth-Knopf anzubringen. Drückt man ihn, wird mit den nächstbesten Bluetooth-Sender verbunden. Gibt es einen Sender im Nachbarraum, na dazu gibt es bisher keine barrierefreie Idee. Nicht barrierefreie Ideen: Über einen NFC-Punkt die Hörgeräte umschalten. Dann kann ich aber nicht zwischendurch über HG-Mikrofon ein Nebengespräch führen und wieder ohne zum NFC-Punkt zurennen, wieder auf BT umschalten. Ohne Smartphone wird es also nicht gehen, und das muss BT 5.2 mit entsprechenden Gerätetreibern und Software haben. (Was kosten die wenigen Smartphone, die ASHA unterstützen???) Ist die Spezifikation vielleicht in ein bis zwei jahren abgeschlossen, müssen erst einmal die Hörgeräte/CI-Chips neu entworfen werden und dann international als Medizinprodukt zertifiziert werden, bevor sie auf den Markt kommen, aber zuerst in die HighEnd-Geräte.

8. Von wegen Tonqualität der T-Spule: Der Übertragungsbereich ist normiert und ist mindestens 100-5000Hz +-3dB, die meisten Induktionsverstärker bringen 80-6500 oder gar 8500 Hz. Die meisten Schwrhörigen wären glücklich, die 5000Hz zu hören. Schlechte Qualität entsteht durch das Quellsignal, wenn es nicht mono-kompatibel ist. Aber dafür gibt es die Stereo-Indultionskopfhörer.

Ja, die Induktionslösung ist billig, aber billig muss nicht schlecht sein, aber esist sozialverträglich und fast „idiotensicher“ zu bedienen. Auch die Oma soll in Vorträgen etwas verstehen können, ohne für Ihre Hörgeräte eine Jahresrente und ihren Erbschmuck für ein Smartphone zu versetzen, das sie überhaupt nicht bedienen kann.

Und noch eine Tatsache: Bei BT 5.2 wurde der PHY-Layer, d.h. der physikalische Sender geändert. Das bedeutet, keines der bisher und in den nächsten Jahren verkauften Hörgeräte/CI’s ist BLE Audio kompatibel, sie können garantiert nicht an einen BT-5.2-Sender ankoppeln und müssen einen Umweg über Zusatzgeräte, z.B. über Induktion gehen. Das ist übrigens auch der meist genutzte Weg, den der Phonak-Roger bei nicht-Phonak-Geräten geht, weil die meist keinen Anschluß für den Roger-Empfänger haben. Und ich kenne zahlreiche HG/CI-Träger, die diese Übertragung des Rogers auf Induktion als phantastisch gut bezeichnen.

Grüße
Norbert

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