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MIT Technology Review Interview

OpenAI stellt Künstler an: Warum das kein Widerspruch ist

Alex Reben ist der erste „Artist in Residence“ des KI-Konzerns. Im Interview spricht er über die Frage, was generative KI mit ihm und der Kunst macht.

Von MIT Technology Review Online
9 Min.
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„Ear we go again“- Ohrenskultpur von Alex Reben. (Bild: Alex Reben)

Die Arbeiten von Alex Reben wirken oft absurd, manche surreal: Da gibt es das Mash-up von Riesenohren, das sich Dall-E ausgedacht hat und von Hand aus Marmor gemeißelt wurde, oder von ChatGPT generierte schlechte Kunstkritiken, die KI-Kunst beleidigen. Aber Rebens Botschaft ist für alle relevant. Er interessiert sich für die Rolle, die der Mensch in einer Welt voller Maschinen spielt – und wie sich diese Rolle verändert. „Ich verwende Humor und Absurdität, um mich mit vielen dieser Themen auseinanderzusetzen“, sagt er. „Manche Künstler gehen die Dinge sehr ernsthaft an, aber ich finde, wenn man ein wenig absurd arbeitet, werden die Ideen zugänglicher, selbst wenn die Geschichte, die man zu erzählen versucht, ernst ist.“​

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Reben ist, und das ist wichtig, der erste „Artist in Residence“ bei OpenAI, also quasi erster Hauskünstler des KI-Konzerns. Offiziell begann sein Job im Januar und ist auf drei Monate angelegt. Rebens Beziehung zu der in San Francisco ansässigen KI-Firma ist eher zwanglos: „Sie ist ein bisschen unklar, weil ich der Erste bin und wir noch viel herausfinden müssen, was das heißt. Ich werde wahrscheinlich weiter mit ihnen zusammenarbeiten.“

Tatsächlich arbeitet Reben schon seit Jahren mit OpenAI zusammen. Vor fünf Jahren wurde er eingeladen, eine frühe Version von GPT-3 auszuprobieren, bevor sie für die Öffentlichkeit freigegeben wurde. „Ich konnte damit ein bisschen herumspielen und habe ein paar Kunstwerke generiert“, sagt er. „OpenAI war sehr daran interessiert, zu sehen, wie ich ihre Systeme auf verschiedene Weise nutze. Und ich dachte mir: Cool, ich würde natürlich gerne etwas Neues ausprobieren. Zuvor habe ich hauptsächlich mit meinen eigenen Modellen gearbeitet oder Websites wie Ganbreeder [ Anm. d. Red.: ein Vorläufer der heute beliebten generativen Bildgeneratoren] genutzt.“​

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Im Jahr 2008 studierte Reben Mathematik und Robotik am Media Lab des MIT. Dort half er bei der Entwicklung eines Papproboters namens Boxie, der den niedlichen Roboter Baymax aus dem Film Big Hero 6 inspiriert hat. Heute ist er Direktor für Technik und Forschung bei Stochastic Labs, einem gemeinnützigen Inkubator für Künstler und Ingenieure in Berkeley, Kalifornien. MIT Technology Review sprach mit Reben per Zoom über seine Arbeit, das Spannungsfeld zwischen Kunst und Technologie und die Zukunft der menschlichen Kreativität. Das Gespräch wurde aus Gründen der Länge und Klarheit gekürzt.​

MIT Technology Review: Sie interessieren sich für die Art, wie Menschen und Maschinen interagieren. Wie würden Sie selbst als KI-Künstler beschreiben, was Sie mit Technologie anstellen? Ist sie ein Werkzeug, ein Mitarbeiter?​

Alex Reben: Zunächst einmal bezeichne ich mich nicht als KI-Künstler. KI ist einfach ein weiteres technisches Werkzeug. Wenn nach der KI etwas kommt, das mich interessiert, würde ich nicht sagen: „Oh, ich bin aber nur ein KI-Künstler.“​

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Okay. Aber was hat es mit diesen KI-Werkzeugen dann auf sich? Warum haben Sie große Teile Ihrer Karriere damit zugebracht, mit dieser Art von Technologie herumzuspielen?​

Bei meiner Forschung am Media Lab ging es um soziale Roboter, um die Frage, wie Menschen und Roboter auf unterschiedliche Weise zusammenkommen. Ein Roboter [Boxie] war letztlich auch ein „Filmemacher“. Er interviewte im Grunde Menschen – und wir fanden heraus, dass der Roboter die Menschen dazu brachte, sich ihm gegenüber zu öffnen und ihm sehr tiefgründige Geschichten zu erzählen. Das war noch vor Siri oder ähnlichen Sprachassistenten. Heutzutage sind die Menschen mit der Idee vertraut, mit Maschinen zu sprechen. Ich habe mich schon immer dafür interessiert, wie sich die Menschheit und die Technik weiterentwickeln. Wir sind durch sie zu dem geworden, was wir heute sind.​

Im Moment gibt es eine Menge Widerstand gegen den Einsatz von KI in der Kunst. Es gibt viel Unzufriedenheit über Systeme, bei denen man einfach auf einen Knopf drücken und ein Bild erhalten kann. Die Leute sind unglücklich darüber, dass diese Werkzeuge überhaupt entwickelt wurden, und argumentieren, dass deren Hersteller wie OpenAI mehr Verantwortung übernehmen sollten. Aber Sie selbst sind ja Teil der Kunstwelt und machen damit weiter spannende, ansprechende Kunst. Wie bewerten Sie diese Debatte?​

Ja. Ich bin sicher, Sie wissen, dass in den Medien die negativen Stimmen immer lauter werden. Die Leute, die diese Werkzeuge auf positive Weise nutzen, erscheinen manchmal nicht ganz so laut.​

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Aber ich meine, es ist auch ein sehr weit gefasstes Thema. Die Menschen sind aus vielen verschiedenen Gründen negativ eingestellt. Einige machen sich Sorgen um die verwendeten Daten, andere um den Entfall von Arbeitsplätzen. Andere machen sich Sorgen über Desinformation und die Überflutung der Welt mit Material. Und das sind alles berechtigte Sorgen. Wenn ich über dieses Thema spreche, verweise ich gerne auf die Geschichte der Fotografie. Was wir heute erleben, ist im Grunde eine Parallele zu dem, was damals geschah. Es gibt keine Künstler mehr, die für ihren Lebensunterhalt Produkte malen, wie zum Beispiel Dosenpfirsiche für eine Anzeige in einer Zeitschrift oder auf einer Plakatwand. Aber das war mal ein Beruf, nicht wahr? Die Fotografie hat diesen Personenkreis eliminiert.​

Sie haben diesen Satz verwendet – ich habe ihn mir aufgeschrieben – „einfach einen Knopf drücken und ein Bild erhalten“, was mich ebenfalls an die Fotografie erinnert. Jeder kann auf einen Knopf drücken und ein Bild machen, aber um ein künstlerischer Fotograf zu sein, braucht man viel Geschick. Nur weil ein Kunstwerk schnell zu erstellen ist, heißt das nicht unbedingt, dass es schlechter ist als etwas, das 60 Jahre lang aus Marmor modelliert wurde. Es sind unterschiedliche Dinge.​

Die KI entwickelt sich schnell weiter. Wir haben das Äquivalent der Nassplattenfotografie mit Zyanid hinter uns gelassen. Aber wir sind sicher noch nicht in der Polaroid-Phase angekommen. Wir sind immer noch dabei, uns darüber klar zu werden, was die Technologie bedeutet, sowohl im Sinne der Kunst als auch für die Arbeitsplätze. Aber, ja, Ihre Frage hat viele Facetten. Wir könnten uns jede einzelne davon herauspicken und darauf eingehen. Es gibt auf jeden Fall eine Menge berechtigter Bedenken. Aber ich denke auch, dass es wichtig ist, die Geschichte von Technologie zu betrachten und zu sehen, wie sie Künstlern und Menschen immer die Möglichkeit gegeben hat, neue Dinge zu schaffen.​

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