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Tesla: Verbraucherschützer und Kunden kritisieren Full-Self-Driving-Beta (FSD)

Per FSD-Beta fährt der Tesla wie von Geisterhand – doch dem Fahrsystem kann man nicht trauen. (Screenshot: Hyperchange/t3n)

Lesezeit: 2 Min.
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„Wie ein betrunkener Fahrer“, konstatieren Fachleute mit Blick auf die neunte Auflage der Full-Self-Driving-Beta. Sie fordern klare Systemänderungen. Derweil erhält Tesla auch aus Kundenrichtung Gegenwind.

Die jüngst veröffentliche Beta v9 des Assistenzpakets „Full Self-Driving“ (FSD) erntet nicht nur Begeisterung. Das Selbstfahrprogramm sollte die Technologie eigentlich auf die nächste Stufe autonomen Fahrens hieven, doch Verbraucherschützer sind schockiert. Die Experten sichteten erste Videos von privaten Testern und stellen ein schlechtes Zeugnis aus. Sie kündigten eine Testreihe an. Zugleich senkte Tesla den Preis für das Hardware-Update nach Kundenprotesten. Die neue Preispolitik ziehe Käufern zweimal das Geld aus der Tasche, hieß es.

Consumer-Reports sieht Beta-Tester in Gefahr

In einem ausführlichen Bericht beurteilt die Verbraucherschutzorganisation erste FSD-Fahrberichte aus sozialen Netzwerken. Darin sieht man, wie die selbstgesteuerten Fahrzeuge Büsche schrammen, in die Gegenfahrbahn und auf parkende Autos zusteuern. „Videos von FSD-Beta 9 in Aktion zeigen kein System, das Fahren sicherer oder gar weniger stressig macht“, konstatiert der Chef des Autotestcenters der Organisation, Jake Fisher. Konsumenten zahlten dafür, als Test-Ingenieure für eine sich noch in der Entwicklung befindliche Technologie ohne ausreichenden Sicherheitsschutz zu agieren. Die Verbraucherschützer fordern, das System müsse sicherstellen, dass der Fahrer dem Straßenverkehr seine volle Aufmerksamkeit schenkt.

Behördliche Genehmigung und irreführender Name in der Kritik

In dem Bericht kommen weitere Fachleute zu Wort, die ins Feld führen, dass die anderen Verkehrsteilnehmer sich nicht bewusst seien, sich in Gegenwart eines Testfahrzeugs zu befinden – und dem Risiko auch nicht zugestimmt hätten. Andere Stimmen sagen, die Beta fahre fast wie ein Betrunkener, der Mühe habe, sich zwischen den Fahrbahnbegrenzungen zu halten. Das Auto kämpfe sichtlich damit, die umgebenden Objekte zu bestimmen und adäquat darauf zu reagieren. Auch der Marketing-Begriff „Full Self-Driving“ und die Genehmigung weitgehend unsicherer Software im öffentlichen Straßenverkehr gerieten ins Kreuzfeuer.

Kunden monieren Doppelzahlung

In Tesla-Foren und auf Szene-Webseiten mehren sich kritische Stimmen zu Teslas neuem Preismodell, berichtet Electrek. Im Fokus steht dabei die Gebühr für ein Hardware-Update an Kunden, die bereits das Sonderpaket gebucht hatten. Die Fahrzeuge aus den Baujahren 2016 bis Mitte 2019 müssen mit einem 1.500-Dollar-Upgrade ausgestattet werden, um bei der FSD-Beta mitzumachen. Das Problem: Ihnen wurde seinerzeit gesagt, sie hätten alles an Bord, um die „volle Selbstfahrfähigkeit“ zu erleben. Im alten Preismodell erhielten Käufer des „vollen Potenzials für autonomes Fahren“ das Hardware-Upgrade gratis dazu, falls ihr Modell zu alt war. Mit dem Abo-Modell berechnet Tesla nun 1.500 Euro dafür.

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Tesla kürzt Preis für Nachrüstung

Der Hersteller kann anscheinend die Kritik teilweise nachvollziehen und bietet das Upgrade nun für 1.000 Dollar an. Die aufgebrachten Kunden verstummen jedoch noch nicht völlig. Sie verstehen weiterhin nicht, warum sie für etwas zahlen sollen, dass sie nach Angaben Teslas beim Kauf schon erworben hatten: die Hardware für das Selbstfahrsystem. Am Ende gibt es ein Kommunikationsproblem. Seit Jahren tun Tesla und CEO Elon Musk so, als ob ein vollautonomes Fahrsystem unmittelbar vor der Tür stände und die entsprechenden Käufer alle Systemvoraussetzungen dafür besäßen. Mit der Zeit kommt immer stärker zutage, dass dem nicht so ist und die Szene findet, das liege im Verantwortungsbereich Teslas – und nicht dem der Kunden. Demnach sollte der Konzern auch für die Folgen aufkommen.

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3 Kommentare
Tobias
Tobias

Hier wird wieder sichtbar, wie unseriös alle Versprechen sind, auf die Tesla-Kunden reinfallen (wollen?).

Wer hat denn wirklich geglaubt, dass für den damals schon wahnsinnig hohen Aufpreis das damalige Versprechen von Musk („bereits alles an Bord für autonomes Fahren“) gehalten wird?

Und wieso knallt es nicht mal ordentlich und wird Tesla nicht dazu verdonnert das notfalls auf eigene Kosten mit Hardware-Nachrüstung sicherzustellen, weil es Bestandteil des Kaufvertrags und des Produktversprechens war, das einzulösen ist?

Mir völlig schleierhaft wie man diese Firma so im rechtsfreien Raum agieren lässt – bei Produktversprechen, Zertifizierung oder auch beim Bau von Fabriken mit permanenten Verletzungen der gesetzte ohne Konsequenzen.

Das ist auch Wettbewerbsverzerrung gegenüber anderen, seriösen Herstellern, die sich allesamt das nicht erlauben könnte und an allen Stellen behördlich gegängelt werden.

Da gibt es noch viele Beispiele.
(Verbrauchsangaben, Beschleunigungswerte, …)

Antworten
Mmetzger
Mmetzger

btw. es gibt auch heute noch Firmen, die behaupten der Diesel sei das sauberste Fahrzeug ever
selbst wenn schon lange das Gegenteil gewiesen ist – DAS find ich verwerflich und gehört bestraft
abgesehen vom FSD hat Tesla eigentlich jedes Versprechen eingelöst – wobei der „normale“ Autopilot für die BAB ein Traum ist
die Verbrauchsangaben kann ich locker unterbieten + 2 Zentel von 0-100 Abweichung – also echt jetzt…. ?

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Mmetzger
Mmetzger

der „wahnsinnige“ Aufpreis lag 2017 unter 3% des Fahrzeugkaufpreises
also etwas entspannter reagieren und realistisch bleiben

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