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Autonomes Fahren: Das bedeuten Level 0 bis 5

Vom Fahrassistenten bis zum vollautomatisierten Fahren – wir erklären die Level und welche das Gesetz von 2021 neuerdings auf deutschen Straßen erlaubt.

Lesezeit: 4 Min.

Autonomes Fahren: Sechs Level der Fahrzeug-Assistenz kennt die Norm der amerikanischen SAE. (Foto: metamorworks/ Shutterstock)

Level 0, Level 2, Level 3: Vor allem, aber nicht nur in Berichten zu Elektroautos liest man diese Begriffe immer wieder. Dahinter stecken die Stufen auf dem Weg zum vollautonomen Fahren, wie sie die Society of Automotive Engineers (SAE International) definiert.

Die gemeinnützige Organisation mit Sitz in den USA hat unter der Bezeichnung SAE J3016 erstmals im Jahr 2014 eine Norm herausgebracht, die das autonome Fahren über ein Level-System klassifiziert und definiert. Obwohl die Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) zunächst ein eigenes Muster mit nur vier Stufen etablieren wollte, hat das Verkehrsministerium im aktuellen Gesetz auf die internationale Stufung von 5 Ebenen (SAE) zurückgegriffen. Im Mai 2021 hat die Bundesrepublik ein Gesetz beschlossen, das bundesweit den Einsatz von autonomen Fahrzeugen bis inklusive Level 4 regelt. Damit sei Deutschland der erste Staat auf der Welt, der fahrerloses Fahren in den Alltag holt, schreibt das Bundesverkehrsministerium.

Wir erklären, wie sich die Level für autonomes Fahren voneinander unterscheiden und welche (internationalen) Gesetzesgrundlagen dafür existieren:

Level 0: Keine Fahrautomatisierung

Die Fahrerinnen und Fahrer fahren eigenständig, auch wenn Systeme, zum Beispiel ABS, sie dabei unterstützen.

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Level 1: Assistiertes Fahren

Während bei Level 0 nicht von autonomem Fahren gesprochen werden kann, beginnt die Automatisierung bereit ab Stufe 1 der Klassifizierung. Doch was genau bedeutet autonomes Fahren auf Level 1? Die Fahrer beherrschen hier entweder dauerhaft die Quer- oder Längsführung. Die jeweils andere Fahrzeugführung kontrolliert das System in gewissen Grenzen. Dabei müssen die Fahrer den Verkehr und das System ständig im Blick behalten und jederzeit die Kontrolle übernehmen können. Beispiele für assistiertes Fahren liegen in der Verwendung von Tempomaten oder Spurhalte- und Abstandsassistenten (ACC, LKAS), wie sie inzwischen in vielen neueren Autos zu finden sind.

Level 2: Teilautomatisiertes Fahren

Das System übernimmt Quer- und Längsführung für einen gewissen Zeitraum und/oder in spezifischen Situationen. Die Fahrer müssen Verkehr und System ständig im Blick behalten und ihm jederzeit das Steuer wieder entreißen können. Unter definierten Bedingungen (etwa auf der Autobahn oder beim Parken) führt der Autopilot Fahrmanöver ohne menschlichen Eingriff aus. Der Überholassistent ist genauso eine Level-2-Funktion des autonomen Fahrens wie das automatische Parken. Im Unterschied zu Level 1 können Fahrer die Hände kurz vom Steuer nehmen, wenn das System die Kontrolle übernommen hat. Allerdings muss der oder die Fahrende das Assistenzsystem weiterhin überwachen. Teslas „Full Self-Driving Modus“ (FSD), Marketingname „Autopilot“, ist ein Level-2-System.

Level 3: Hochautomatisiertes Fahren

Bei Level 3 des autonomen Fahrens übernimmt das System Fahraufgaben selbstständig und ohne menschlichen Eingriff für einen gewissen Zeitraum und in spezifischen Situationen. Die Fahrer dürfen sich vorübergehend vom Fahren und dem Verkehr abwenden. Auf Anforderung müssen sie das Steuer mit ausreichender Zeitreserve übernehmen können. Das heißt, sie dürfen Zeitung lesen oder sich um die Kinder auf dem Rücksitz kümmern. Das System soll auf dieser Stufe eigene Grenzen erkennen. Als Beispiel dient der Stauassistent des Audi A8. Er steuert im Stau und auf der Autobahn den Wagen ohne menschlichen Eingriff bis zu einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde. Zugelassen ist er dafür (noch) nicht. Dabei hat man sich sogar international auf eine Richtlinie für genau diesen Zweck geeinigt. Die UN Regulation 157 Addendum 156 regelt den Einsatz von Spurhalteassistenten bei Tempo 60. Zurzeit arbeitet die Transport-Abteilung der UNECE (United Nations Economic Commissions for Europe) an einer erweiterten Version, die aktive Spurwechsel erlauben soll – und zwar bei maximal 130 Kilometern pro Stunde.

Level 4: Vollautomatisiertes Fahren

Ab Level 4 des autonomen Fahrens hätten einige Funktionen vor wenigen Jahren noch als bloße Zukunftsmusik gegolten. Das System übernimmt die komplette Fahrzeugführung; die Fahrer sind lediglich Passagiere. Das Fahrzeug bewältigt Strecken komplett selbstständig, etwa auf der Autobahn oder im Parkhaus und darf dort auch ohne Passagiere fahren. Die Insassen können schlafen oder das Smartphone verwenden. Das System erkennt seine Grenzen so rechtzeitig, dass es regelkonform einen sicheren Zustand erreichen kann – also etwa an den Rand fährt oder einen Parkplatz aufsucht. Im deutschen Gesetz heißt dieser Modus „risikominimaler Zustand“. Noch existiert kein marktreifes Level-4-System, doch es gibt bereits erste rechtliche Rahmenbedingungen.

Das „Gesetz zum autonomen Fahren“, das nur noch auf eine Unterschrift des Bundespräsidenten wartet (Stand: Juni 2021), erlaubt in Deutschland örtlich begrenzt fahrerlose Fahrzeuge. Darunter fallen etwa Shuttle-Verkehre sowie Personen- und Güterbeförderung auf der ersten oder letzten Meile, aber auch vollautomatisches Einparken. So dürfen zum Beispiel demnächst auf Flughäfen und zwischen Logistikverteilzentren fahrerlose Fahrzeuge Menschen oder Waren transportieren. Die Haftungsregel bleibt gleich: Kommen beim Betrieb des Autos Menschen oder Sachen zu schaden, zahlt die Kfz-Haftpflicht. In erster Linie ist immer noch der Halter verantwortlich. Im Konfliktfall fällt die Ermittlung der Unfallursache komplexer aus. Der Nachweis, dass das Fahrsystem versagt hat, wird schwer zu führen sein – selbst, wenn es so war. Die Datenhoheit über das System behält nach aktuellem Stand der Hersteller.

Level 5: Autonomes Fahren

Was verbirgt sich hinter Level 5? Das meint die komplette dauerhafte Fahrzeugführung des Systems. Selbst komplexe Situationen an Kreuzungen oder Übergängen meistert das Fahrzeug selbstständig. Es gibt nur noch Passagiere. Fahrten ohne Insassen sind ebenso möglich. Hierfür gilt: Es gibt weder technische Beispiele noch Regeln, wie mit ihnen umgegangen werden soll. Speziell ein umfassender Haftungsausschluss für die Besitzer von autonomen Fahrzeugen steht im Raum.

Der ADAC schlägt zur Vereinfachung eine Dreiteilung der Betriebsmodi vor: unterstütztes, automatisiertes und autonomes Fahren. Level 4 würde in Level 5 aufgehen, wie es im Prinzip schon bei der Einordnung durch das Bast geschehen ist. Auch Level 0 und 1 kombiniert der Verein in seinem Vorschlag. Da die Elektroauto-Industrie von den USA dominiert wird, hat er jedoch wenig Chancen auf eine Umsetzung. Wir werden uns also weiter an das 5-Stufen-System gewöhnen müssen.

Darüber, wie weit der Weg des autonomen Fahrens auf Level 4 oder 5 noch bis zur Markteinführung ist, gibt es unterschiedliche Annahmen. Tesla-CEO Elon Musk hatte die Technologie bereits für Ende 2020 in Aussicht gestellt. Der Waymo-CEO verkündete hingegen erst kürzlich in einem Interview, autonomes Fahren sei schwieriger als ein Raketenflug.

 

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