Feature

Artikel merken

10 Jahre Instagram: Mit geklauten Features zum Social-Media-Giganten

Instagram wird heute 10 Jahre alt. In dieser Zeit hat die Plattform viele neue Features erhalten – nicht wenige davon hat sich die heutige Facebook-Tochter allerdings von der Konkurrenz abgeschaut.

5 Min. Lesezeit
(Foto: Elena Rostunova / Shutterstock.com)

Beliebte Funktionen der Konkurrenz zu kopieren, gehört längst zur Instagrams Erfolgsrezept. Nachdem das Bildernetzwerk über die Jahre eine ganze Reihe von Snapchat-Funktionen abgekupfert hat, verfügt Instagram mit Reels seit einigen Monaten auch über einen integrierten Tiktok-Klon. Ironischerweise hätte es die Plattform aber nie gegeben, wenn sich die beiden Gründer Kevin Systrom und Mike Krieger schon 2010 mit der Kopie einer bestehenden App zufriedengegeben hätten.

Das Gründerduo hatte Anfang 2010 eine halbe Million US-Dollar Wagniskapital erhalten, um die App Burbn zu entwickeln. Mit Burbn konnten Nutzerinnen und Nutzer festhalten, wo sie sich gerade befinden. Systrom und Krieger entschieden jedoch früh, dass Burbn dem Konkurrenten Foursquare, der bereits ein Jahr früher gestartet war, viel zu ähnlich war. Also entschlossen die beiden, den Fokus ausschließlich auf das Teilen von Fotos zu legen, weil sich diese Funktion bereits bei der überschaubaren Nutzerschaft von Burbn als populär erwiesen hatte.

Das erste Instagram-Bild überhaupt wurde von Cogründer Mike Krieger veröffentlicht. (Screenshot: Instagram)

Mit neuem Fokus und unter neuem Namen wurde Instagram dann am 6. Oktober 2010 veröffentlicht. Zunächst allerdings nur für iOS. Damit begann eine bemerkenswerte Wachstumsgeschichte. Noch im Dezember des Gründungsjahres hatte Instagram eine Million Nutzerinnen und Nutzer. Im Juni des Folgejahres waren bereits fünf Millionen überzeugt und keine drei Monate später nutzten bereits 10 Millionen Menschen die App. Mit dem Erfolg wuchs auch das Interesse der anderen sozialen Netze an dem neuen Mitbewerber.

„Instagram from Facebook“: Warum Mark Zuckerberg die Plattform kaufen musste

Seit 2011 arbeitete Facebook unter dem Namen Camera an einer Foto-App, die sich stark an Instagram orientierte. Offenbar hatte Firmenchef Mark Zuckerberg ursprünglich vorgehabt, den noch kleinen Konkurrenten einfach zu kopieren. Laut ehemaligen Facebook-Angestellten hörte Zuckerberg dann jedoch, dass Twitter Instagram übernehmen wolle. Für sich genommen stellten zwar weder der Kurznachrichtendienst noch das Bildernetzwerk eine Gefahr dar. Zuckerberg soll aber Angst gehabt haben, dass die beiden Netzwerke zusammen eines Tages ein Problem für Facebooks Vorherrschaft im Social-Media-Bereich darstellen könnten. Zumal Google mit seinem Plus-Netzwerk gerade dabei war, ein eigenes soziales Netzwerk aufzubauen.

Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Nur einen Monat vor dem Börsengang von Facebook, im April 2012, kaufte das Unternehmen Instagram für eine Milliarde US-Dollar. Eine für die damalige Zeit wahnsinnige Summe, die auch Facebook-intern zunächst für Kopfschütteln sorgte. So viel Geld hatte bis dato noch niemand für eine Smartphone-App bezahlt. Laut dem Buch „No Filter: The Inside Story of Instagram“ war der für Akquisitionen zuständige Facebook-Manager Amin Zoufonoun regelrecht schockiert über den Kaufpreis. Kurz vor der Übernahme war Instagram bei einer Finanzierungsrunde auf lediglich 500 Millionen US-Dollar bewertet worden. Der Kaufpreis wiederum entsprach rund einem Prozent der damaligen Bewertung von Facebook.

Von Vine über Snapchat bis Tiktok: Instagram und die Konkurrenz

Als Bestandteil des Übernahme-Deals durften Systrom und Krieger weiterhin leiten. Unter ihrer Führung wuchs das Bildernetzwerk weiterhin schnell, der Funktionsumfang der App orientierte sich in den folgenden Jahren aber zunehmend an der Konkurrenz. Nur ein halbes Jahr nachdem Twitter den Kurzvideodienst Vine an den Start gebracht hatte, konterte Instagram im Juni 2013 mit einer vergleichbaren Videofunktion. Der größte Unterschied: Statt 6,5-sekündigen Clips waren bei Instagram Videos mit einer Länge von 15 Sekunden möglich.

In den darauffolgenden Jahren war es dann aber vor allem die App Snapchat, bei der sich die Instagram-Macher ihre Ideen suchten. Zuckerberg hatte Snapchat 2013 ein Kaufangebot in Höhe von 3 Milliarden Dollar gemacht, die Snapchat-Führung lehnte jedoch ab. Daraufhin veröffentlichte Facebook mit Slingshot ein Jahr später eine Kopie der App, die aufgrund geringer Nutzerzahlen aber schon 2015 wieder eingestellt wurde. Die Facebook-Führung wollte aber offenbar nicht aufgeben. Doch statt eine eigene App an den Start zu bringen, entschloss man sich, die beliebtesten Snapchat-Funktionen einfach in Instagram zu integrieren.

Instagram hat sich unter anderem die Story-Funktion von Snapchat abgeschaut. (Grafik: Instagram)

Im März 2016 ging es los: Facebook übernahm das Startup MSQRD und integrierte deren AR-Technologie in Instagram und kopierte so die Lens-Funktionalität von Snapchat. Einen Monat später führte Instagram scanbare Codes nach dem Vorbild der QR-Codes auf Snapchat ein. Der größte und rückblickend schwerste Schlag für Snapchat kam dann im August desselben Jahres: Instagram führte das von dem Konkurrenten bekannte Story-Format in fast identischer Form ein – mit enormem Erfolg.

Kopieren lohnt sich: Wie Instagram-Storys das original überflügelten

Mit der ungleich größeren Nutzerzahl im Rücken wurde Instagrams Story-Funktion schnell von mehr Menschen genutzt als das Original von Snapchat. Acht Monate nach Einführung des Features vermeldete Facebook, dass täglich 200 Millionen Menschen die Funktion einsetzen. Vier Monate zuvor hatte Snapchat verkündet, dass Storys von 160 Millionen Menschen genutzt werden. Damit hatte Instagrams Kopierwelle aber noch lange kein Ende.

2017 integrierte Instagram eine Funktion, mit der Direktnachrichten verschickt werden können, die nach dem Ansehen automatisch gelöscht werden. Auch dieses Feature gab es vorher bei Snapchat. Der Konkurrent hatte nach Jahren des Wachstums zwischen dem ersten Quartal 2018 und dem dritten Quartal 2019 erstmals mit einem Nutzerschwund zu kämpfen. Heute hat Snapchat 238 Millionen tägliche aktive Nutzerinnen und Nutzer. Instagram wiederum wird von einer Milliarde Menschen pro Monat genutzt.

Mit Reels gegen Tiktok

Während Instagram fleißig Snapchat-Funktionen abgekupfert hat, entstand 2018 mit der chinesischen App Tiktok ein neuer Konkurrent, der um die Aufmerksamkeit der Smartphone-User buhlt. Medienberichten zufolge wollte Mark Zuckerberg schon 2016 dessen Vorgänger Musicaly kaufen, blieb – wie bei Snapchat – jedoch erfolglos. Dem mittlerweile bekannten Schema folgend hat sein Konzern die Funktionen der Video-App anschließend unter dem Namen Reels nachgebaut.

Gleichzeitig soll Zuckerberg gegenüber US-Präsident Donald Trump und anderen republikanischen Politikern vor dem Aufstieg chinesischer Internetkonzerne wie Tiktok-Mutter Bytedance gewarnt haben. Laut einem Facebook-Sprecher habe Zuckerberg allerdings nie ein Verbot der App verlangt. Genau das verfügte Trump allerdings am 6. August 2020. Ob der US-Präsident dazu überhaupt befugt ist, muss jetzt allerdings ein Gericht entscheiden.

Mit Instagram Reels lassen sich 15-sekündige Clips aufnehmen und mit Effekten bearbeiten. (Bild: Instagram)

10 Jahre Instagram: Wie geht es weiter?

In seinem Buch „Always Day One: How the tech titans plan to stay on top forever“ argumentiert der Technologie-Journalist Alex Kantrowitz, dass Facebooks Strategie, die Instagram-Konkurrenz zu imitieren, letztlich das Überleben der Plattform sichert. Während Plattformen wie Myspace, Livejournal oder Tumblr von sich verändernden Nutzungsgewohnheiten überrollt wurden, bleibe Facebook auf die Art am Puls der Zeit.

Kritiker, wie der Innovationsexperte Enrique Dans, sehen jedoch ein ganz anderes Problem: In zehn Jahren hat sich Instagram von einer simplen Foto-App zu etwas deutlich Komplexerem verwandelt, worunter letztlich auch die Übersichtlichkeit leidet. „Derartigen Dachstrategien zur Bündelung von Funktionen in einem erfolgreichen Produkt sind Grenzen gesetzt, und Facebook könnte sie mit Instagram erreicht haben“, schreibt Dans. Und er könnte damit Recht haben.

Ebenfalls interessant:

Das könnte dich auch interessieren

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Ein Kommentar
Gunar Gürgens
Gunar Gürgens

Ich nutze Instagramm nun auch schon einige Jahre und das mit der Komplexität kann ich zu 100% unterschreiben. Schon die Storys nerven mich ziemlich, jetzt mit dem Reels hab ich gar keinen Bock mehr neue Inhalte zu suchen, weil die Suchenseite mit diesem Mist zugemüllt ist.
Sinnvoll wäre es ab jetzt dem Nutzer die Möglichkeit zu geben, Reels und Stories einfach abzustellen. Es gibt sicher Nutzer, die einfach ab und an mal ein paar Fotos sehen wollen…

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Digitales High Five
Holger Schellkopf (Chefredakteur t3n)

Anleitung zur Deaktivierung

Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder