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Greenwashing und Lobbyismus: Lidl-Kampagne mit Günther Jauch in der Kritik

Günther Jauch wirbt für Lidl für die PET-Flaschen. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert die Datengrundlage, Greenpeace wirft den Akteuren Greenwashing vor – und Lobbyismus.

3 Min. Lesezeit
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"Nur einer statt 26 LKWs" – in klassischer Erklärfilmmanier dargestellt. (Screenshot: Lidl via Youtube/t3n)

Lidl startete Mitte April die „Aus Liebe zur Natur?“-Kampagne mit Günther Jauch. Dort stellen sie eine Ökobilanz vor, die vermeintlich bescheinigt, dass PET-Einwegflaschen die ökologischste Alternative seien.

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Die Deutsche Umwelthilfe, Gerhard Kotschik vom Umweltbundesamt und Greenpeace protestieren: Die Studie sei irreführend, die Kampagne Greenwashing und Lobbyismus. Günther Jauch sieht Aufklärungsbedarf, unterstützt die Causa PET-Einwegflasche weiterhin. Die Kampagne kann allerdings als Reaktion auf eine Mehrwegquotenpflicht verstanden werden, die das Bundesumweltministerium plant – denn Lidl hat 200 Millionen Euro in die Verbesserung des eigenen PET-Recyclings investiert.

Die Lidl-Kampagne: „Aus Liebe zur Natur?“

Günther Jauch ist das Gesicht der neuen Lidl-Kampagne, die im Radio, im Fernsehen und in Streamingdiensten ausgestrahlt wird und auf Werbeplakaten und in Zeitungen zu sehen ist. Mit diekreislaufflasche.de hat der Discounter eine ganze Website für die PET-Einwegflasche eingerichtet.

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Das große Argument ist eine Studie vom Institut für Energie und Umwelt, kurz IFEU, die Lidl in Auftrag gab – die belege, dass die PET-Einwegflasche die beste Ökobilanz habe.

Die Erklärfilm-Aufmachung und ein Testimonial, das insbesondere aus einem Wissens-Quiz bekannt ist, verleihen der Kampagne gemeinsam mit der Studie einen wissenschaftlich soliden Eindruck.

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Kritik an der Studie

Kritiker:innen sehen eine Menge Probleme bei der IFEU-Studie: Die Ökobilanz der PET-Einwegflasche ist unternehmensspezifisch, bezieht sich also nur auf die Schwarz-Gruppe und nicht die Flaschen anderer Discounter. Das IFEU selbst weist im Studienpaper (PDF) darauf hin, dass sich das Ergebnis nicht auf andere Getränke als Mineralwasser übertragen lasse – für Saft oder Bier gilt es beispielsweise nicht.

Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe bestätigt, dass die Einwegflaschen von Lidl optimiert worden sind, beispielsweise durch das leichtere Gewicht. Allerdings haben PET-Einwegflaschen in der Regel einen geringeren Anteil an recyceltem Plastik, es wird durchaus Neuplastik benötigt. Dass Flaschen komplett recycelt sind, würde aktuell nur bei Lidl funktionieren, weil der Discounter eigene Recyclinganlagen und Mineralbrunnen hat.

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Die unternehmensspezifischen Daten mit dem Durchschnittswert des gesamten Mehrwegmarktes zu vergleichen, sei ein Vergleich von Äpfeln und Birnen. Außerdem sind die verwendeten Zahlen für die Bewertung des Mehrwegsystems teilweise vor über zehn Jahren erhoben worden.

Gerhard Kotschik ist Verpackungsexperte beim Umweltbundesamt. Gegenüber dem Stern sagt er: „Das System kann so aber nur funktionieren, solange PET-Rezyklate von anderen Flaschen eingespeist werden, um Verluste im eigenen Kreislauf auszugleichen.“ Die gute Quote sei also nur entstanden, weil Belastungen durch Neumaterial außerhalb der eigenen Systeme stattfänden und damit nicht in den Berechnungen auftauchen. Würden die Mehrwegsysteme mehr ausgebaut, könnten Verbesserungspotenziale ausgeschöpft werden.

Im Gespräch mit dem Stern sagt auch Viola Wohlgemuth von Greenpeace: „Das ist Greenwashing und klassische Lobbyarbeit.“ Die Transportwege in den Rechnungen seien unrealistisch. Ökologische Aspekte wie der Abrieb von Mikroplastik fänden in der Studie zu wenig Beachtung. Selbst wenn der Kreislauf so geschlossen ist, wie Lidl behauptet, sei das bei Weitem nicht übertragbar: „75 Prozent aller in Europa anfallenden PET-Flaschen werden gar nicht zu neuen PET-Flaschen verarbeitet, sondern wandern in andere Stoffströme wie für Textilien und andere Verpackungen, die sich einen grünen Anstrich durch das Wort ‚Recycling‘ geben wollen“, so Wohlgemuth.

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Die Kampagne von Lidl allerdings ignoriere diese Schwierigkeiten und stelle die Ergebnisse missverständlich dar.

Jauch sieht Aufklärungsbedarf

Jauch hat zugegeben, dass es Aufklärungsbedarf gibt. Als Greenwashing empfinde er es allerdings nicht. Für die Parameter zur Messung der Ökobilanzen verschiedener Verpackungsmaterialien sieht er die Fachleute zuständig – das erwiderte er, als er auf die fragwürdigen Aussagen der Studie angesprochen wurde.

Greenpeace hat Jauch eingeladen, eine Müllhalde in Kenia oder Tansania zu besuchen. Dem erwiderte Jauch, dass Einwegflaschen eben solche Plastikmüllhalden verhindern könnten. Auf seinem eigenen Weingut plane er allerdings keine Umstellung auf das PET-Flaschen-System.

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Bundesregierung will Mehrwegquotenpflicht vorstellen

Michael Kläsgen von der Süddeutschen sieht hinter der Kampagne weniger eine Kampagne für die Kaufentscheidungen der Verbraucher:innen, sondern eine Kampagne gegen die von der Bundesregierung geplante Mehrwegquotenpflicht. In den Discountern seien vorrangig Einwegflaschen zu finden, es sei für Verbraucher:innen ohnehin schwer, Mehrwegflaschen zu kaufen.

Das Bundesumweltministerium wolle eine Mehrwegnovelle des Verpackungsgesetzes vorstellen, „nach Ostern“ hätte das passieren sollen. Allerdings wird gerade noch mit Herstellern, Händlern, Entsorgern und Recyclern verhandelt. Die Schwarz-Gruppe sei alles davon vereint. Bei der Pflicht geht es allerdings nur darum, das bereits vereinbarte Ziel von 70 Prozent Mehrwegverpackungen für Pfand-Getränke umzusetzen, das im 2019 in Kraft getretenen Verpackungsgesetz festgeschrieben ist. Lidl hat bisher rund 200 Millionen Euro in die Optimierung des PET-Einwegsystems investiert.

Kreative Kampagnen ohne Greenwashing

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Jack Kuhn

naja, wir können auf jeden Fall besser werden, nachhaltiger werden.
Ein anderes Thema ist der Elektroschrott.
Wenn man sich die Zahlen mal ansieht (von 2020) so liegen wir über dem EU Durchschnitt, haben also mehr Elektroschrott als der EU Durchschnitt.

Warum führt man denn da nicht einen bundesweiten Reparaturbonus ein?
Nach dem Vorbild Thüringens?
Um Reparieren billiger zu machen, Elektrogeräte länger zu nutzen.
In Thüringen gilt der Reparaturbonus sogar für Repair Cafes,
https://hilfe-handy.de/reparaturbonus/

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