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Carsten Maschmeyer rät Führungskräften: Lernt endlich, auf Distanz zu führen

Carsten Maschmeyer sieht eine klare Aufgabe für Führungskräfte: Sie müssen endlich lernen, auf Distanz zu führen. Im t3n-Gespräch geht der Startup-Investor auch auf den scheidenden Trigema-Chef und Homeoffice-Kritiker Wolfgang Grupp ein.

4 Min. Lesezeit
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Carsten Maschmeyer sieht eine klare Aufgabe für Führungskräfte (Foto: RTL / Bernd-Michael Maurer)

Carsten Maschmeyer hat sein Geld in Unternehmen gesteckt, die sich nie ein Büro geleistet haben. Der Unternehmer und Startup-Investor der TV-Sendung Die Höhle der Löwen findet das auch nicht wichtig. „Ich bin in Startups investiert, wo sich das Team noch nie getroffen hat. Die haben kein Büro. Die Gründerinnen und Gründer wissen aber ganz genau, wie sie ihre Teams remote führen können“, so Maschmeyer. „Die sind es von Anfang an gewohnt, aus der Ferne heraus zu motivieren und sich an den richtigen Zielvereinbarungen zu orientieren.“

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Im Gespräch mit t3n zeigt Maschmeyer sich skeptisch gegenüber Führungskräften, die das New Normal, wie die breite gesellschaftliche Etablierung von Remote-Work seit der Coronakrise bezeichnet wird, nicht akzeptieren. Für ihn sei es auch wirtschaftlich von Bedeutung, dass sich Menschen mit Personalverantwortung moderne Methoden der ortsungebundenen Führung aneignen. So können Arbeitgebende diverser Branchen von Digitalunternehmen lernen, die längst erkannt haben, dass sie Fachkräfte auf einem globalen Arbeitsmarkt rekrutieren.

„Warum muss in einem Münchner Startup die Programmiererin oder der Programmierer im überteuerten München leben, wo die Lebenshaltungskosten so dermaßen hoch sind?“, fragt Carsten Maschmeyer. „Die können doch auch in Ungarn sein, die können auch in Brasilien oder in Indien leben, wo sie mit dem Gehalt gutsituiert sind.“ In solchen Fällen profitieren beide Parteien. „Der eine schließt Fachkräftelücken und der andere verdient ein starkes Einkommen.“ Man müsse heute als Führungskraft lernen, auch auf Distanz zu führen.

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Jeder 2. Deutsche könnte im Homeoffice arbeiten

Dass es weit mehr Berufe als nur Programmiererinnen und Programmierer gibt, die ihre Aufgaben durchaus ganz oder teilweise im Homeoffice erledigen können, zeigt eine Untersuchung des Ifo-Instituts. Die Wirtschaftsforscherinnen und Wirtschaftsforscher der Universität München haben ermittelt, dass bis zu 56 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland mindestens in hybriden Arbeitsmodellen beschäftigt sein könnten. Tatsächlich sind es jedoch nur rund 25 Prozent, die von dem New Normal profitieren.

Die Werte werden im Rahmen von Konjunkturumfragen kontinuierlich seit der Coronakrise ermittelt. Der bislang höchste Anteil an im Homeoffice arbeitenden Beschäftigen wurde im März 2021 gemessen: Immerhin 31,7 Prozent der Deutschen hätten damals während der grassierenden Pandemie von zu Hause gearbeitet. Derzeit hält sich der Wert die Waage und schwankt meistens um wenige Prozent zwischen 24 und 27 Prozent. Das Ifo-Institut ist sich jedoch sicher darin, dass Hybridmodelle im Arbeitsleben nicht mehr wegzudenken sind.

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„Trotz der Debatte um die Rückkehr ins Büro hat sich das Homeoffice in der Arbeitswelt fest etabliert“, erklärt auch Ifo-Forscher Simon Krause. Aktuell haben 34,1 Prozent aller Firmen eine Betriebsvereinbarung zu Homeoffice geschlossen und weitere 15,4 Prozent nutzen Regelungen auf Bereichs- oder Teamebene. 29,1 Prozent arbeiten mit individuellen Vereinbarungen. Doch es haben auch noch immer 31,2 Prozent gar keine Regelung oder gar kein Homeoffice in ihren Unternehmen verankert, obwohl sie es könnten, so Krause.

Maschmeyer sieht keine sinkende Produktivität

Carsten Maschmeyer selbst bevorzugt ebenfalls Hybridmodelle und hat eigene Erfahrungen gesammelt. „Es hat sich gezeigt, dass zwei bis drei Tage in der Firma sich bewährt haben“, so der Unternehmer gegenüber t3n. „Ich sehe nicht die Produktivität sinken durch Homeoffice, aber bisweilen die Kreativität.“ Für ihn sei es deshalb wichtig, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig ins Büro kommen, um sich über ihre Ideen auszutauschen. Anschließend können sie die Aufgaben dann fokussiert von daheim aus angehen.

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Maschmeyer verweist aber auch auf weitere Beispiele aus der Startup-Welt, die ein anderes Konzept verfolgen. Zwar kommen auch hier die Teams zusammen, aber eher unregelmäßig und vor allem situationsabhängig. „Sie suchen sich einen schönen Ort und diskutieren Strategien oder setzen ihre Budgetplanung im Rahmen eines Offsites auf.“ Häufig treffen sich die Teams dann für eine ganze Woche oder länger. Um diese Treffen herum bilden sich inzwischen ganze Geschäftsmodelle, wie auch ein Coworking-Pionier aus Berlin zeigt.

Es müssen nicht die Balearen sein. Der Coworking-Pionier St. Oberholz hat 2022 das erste Workation-Hotel an der Mecklenburgischen Seenplatte eröffnet. Ursprünglich sollte sich das Konzept an geplagte Großstädter richten, die die Nähe zum Grünen suchen. Jedoch buchen auch immer mehr Teams sich in das renovierte Gutshaus ein, um umgeben von Wald, Wasser und Wiese an Projekten zu arbeiten. „Was wir tun, ist Menschen die Möglichkeit zu geben, so zu arbeiten, wie sie es sich wünschen“, so Gründer Ansgar Oberholz.

Homeoffice-Debatte ist von Neid geprägt

Für Carsten Maschmeyer sei das der große Vorteil von New Work insgesamt: Entsprechend den individuellen Bedürfnissen entlangzuarbeiten, je nach Situation und Aufgabenstellung, das sei für ihn ein echter Fortschritt. „Es gibt weniger krankheitsbedingte Ausfälle. Mütter und Väter können Beruf und Familie besser vereinbaren. Unabhängig davon gibt das Homeoffice auch Barrierefreiheit. Menschen, die eine körperliche Einschränkung haben, können von zu Hause arbeiten. Wir sparen Arbeitsweg und senken dadurch CO2“, fasst er zusammen.

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Maschmeyer bemerkt, dass die Diskussion um das Homeoffice jedoch viel zu oft von Neid geprägt ist. „Dann werden Berufe untereinander ausgespielt. Dann heißt es, dass der Produktionsarbeiter ja auch kein Homeoffice hat. Aber was schadet es ihm denn, wenn die Buchhalterin nicht eine Etage höher, sondern zu Hause arbeitet?“ Es sei doch gut, wenn „die Buchhalterin dadurch besser gelaunt ist, genauer arbeitet, ihr Arbeitstag wirklich nur acht Stunden hat, weil der Arbeitsweg wegfällt.“ Von zufriedenen Beschäftigten profitieren alle.

Im Rahmen immer wieder aufkommender Kritik kommt Carsten Maschmeyer auch nicht um eine Einordnung der Aussagen des Textilunternehmers Wolfgang Grupp umhin. Wer zu Hause arbeiten könne, sei unwichtig, polterte der scheidende Trigema-Chef zuletzt. Das halte Maschmeyer für grundsätzlich falsch. „Auch bei ihm, vermute ich, hat während Corona die Buchhaltung und die Rechtsabteilung von zu Hause gearbeitet. Waren das denn alles unwichtige Menschen?“ So eine Auffassung halte er den Teammitgliedern gegenüber für respektlos.

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2 Kommentare
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Wer legt schon Wert auf die Meinung des Drückerkönigs? Ich findes es widerlich, dass Maschmeyer überhaupt noch immer wieder eine Plattform geboten wird. Ob AWD oder später auch noch Cum-ex – ganz toller Typ… *würg*

Antworten
Elferman

Ich mag Maschmeyer nicht. Hat was von Trittbrettfahrer – sorry.

ABER: hier zum Thema Homeoffice muß ich Maschmeyer zustimmen. Ich arbeite seit vier Jahren im Homeoffice – ja ich bin ab und an vor Ort, es gibt Situationen die man Face2Face besprechen muß/sollte – kein Thema. Aber jeden Tag sich wieder durch den Verkehr quälen? Mein CO2 Fußabdruck war noch nie so gering wie in den letzten vier Jahren. WICHTIGER FÜR DAS UNTERNEHMEN: Ich habe noch nie so intensiv gearbeitet, kein Gelaber in der Kaffeeküche (man müsste mal, man könnte mal), am besten Treffen mit anderen in virtuellen Meetingräumen (ja auch ein Heissgetränk darf dabei) – einfach reingehen, mit anderen an einem Problem coden – gleichzeitig – remote – peer/extreme programming mit mehreren inkl. CI und Reviews, oder auch konzeptionelles Arbeiten (z.B. Miro sei Dank) …. macht Spaß, ist sehr intensiv, hält man auch keine acht Stunden am Tag durch, aber die Ergebnisse sind besser, homogener, und akzeptierter im Team, als eigenbrötlerisches Scheuklappenarbeiten. Und man lernt von anderen – ok man sollte sich untereinander verstehen ;-)…. Virtuelle Sessions können so schon mal viele Stunden laufen, egal wenn mal der eine oder andere an die Tür muss oder die Kinder nach Hause kommen. Insgesamt kommt da mehr raus, als wenn man alleine mehrere Tage im Büro vor sich hin coded. Aber Achtung, daß kann auch auf die Gesundheit gehen, wenn man meint immer für alles verantwortlich/erreichbar zu sein. Wer mal versucht, ein Äquivalent zu der oben skizzierten Remote Arbeitsmethode fürs Büro zu finden – forget it. Schon mal peer-/extreme programming mit drei Leuten im Großraumbüro probiert – never ever…. Ich bin froh in eine Unternehmen zu arbeiten, daß den Wert und das Ergebnis der geleisteten Arbeit schätzt und ich nicht anhand meiner Vor-Ort-Anwesenheit als wichtig oder unwichtig eingestuft werde.

Auch wenn ich Herrn Grupp in Sachen „Produziert in Deutschland“ schätze, in Sachen Homeoffice Regelung scheint er sich nicht mit der veränderten Realität und den Anforderungen, die sich je nach Job ergeben, auseinandergesetzt zu haben. Es hat auch was mit Vertrauen zu tun, und damit, ob People Manager in der Lage sind, die eigene Mitarbeiter und deren Arbeit einschätzen zu können. Dafür gibt es ja nun auch genügend unterstützende Tools (a la 360 reviews usw.). Und ne, die Commit-Tapete von Gitlab/github sagt nichts über die Qualität eines Coders aus…. Für andere Bereiche z.B. Produktion, Versand usw. sieht das natürlich völlig anders aus. Und ich bin dankbar dafür, daß diese Mitarbeiter vor Ort sind und einen tollen Job machen. Also bitte keine Neiddebatte. Schätzt einfach gute Arbeit, egal wo gemacht.

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