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Metaverse: Was steckt eigentlich hinter dem Begriff?

Der Hype um das Metaverse hat längst nachgelassen. Gearbeitet wird daran jedoch nach wie vor. Doch was bedeutet der Begriff eigentlich?

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Was steckt hinter der Idee des Metaverse? (Bild: Midjourney / t3n)

Im April 2021 hat Fortnite-Macher Epic Games eine Finanzierungsrunde in Höhe von einer Milliarde US-Dollar vermeldet. Mit dem Geld, so Firmenchef Tim Sweeney, soll die langfristige Vision des Unternehmens eines Metaverse umgesetzt werden. Wenige Monate später erklärte dann auch Meta-Chef Mark Zuckerberg gegenüber Investoren, dass der Social-Media-Gigant in Zukunft ein „Metaverse“-Unternehmen werde. Und auch Microsoft-Chef Satya Nadella hat angekündigt, sein Konzern wolle ein „Enterprise-Metaverse“ bauen.

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Seitdem hat der Hype um das Metaverse allerdings stark nachgelassen. Mittlerweile ist es eher das Thema KI, das die Träume der Investoren und Tech-Industrie beflügelt. Am Ende ist das Metaverse trotz Stellenabbau und sinkender Investitionen damit aber nicht. Denn noch immer glauben viele einflussreiche Tech-Vordenker an den Erfolg des Konzepts – nur eben nicht ganz so schnell wie noch vor ein paar Jahren erhofft.

Woher stammt der Begriff „Metaverse“?

Erstmals genutzt wurde der Begriff Metaverse in dem 1991 veröffentlichten Science-Fiction-Roman „Snow Crash“ von Neal Stephenson. Der Autor beschreibt das Metaverse darin als eine Art globale virtuelle Realität, in der Menschen als Avatare herumlaufen. Das Ganze erinnert ein wenig an heutige Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiele. Nur gibt es kein Spiel, keinen Highscore, kein festgelegtes Ziel. Das Metaverse ist vielmehr als eine digitale Alternative zur physischen Welt aufgebaut.

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Das zugrunde liegende Konzept ist auf den ersten Blick gar nicht mal so verschiedenen zu dem, was Sci-Fi-Autor William Gibson schon in den frühen 1980er Jahren als Cyberspace beschrieben hat. Nur verwenden wir diesen Begriff eben längst für das realexistierende Internet – und damit auch für so banale Dinge wie Schlüpfershopping bei Zalando oder den Austausch von Urlaubsfotos in der Familiengruppe auf Whatsapp. Die Fantasie von Investoren lässt sich mit dem Begriff daher nur noch bedingt anregen.

Was erhofft sich das Silicon Valley von einem Metaverse?

Wer verstehen will, was sich Zuckerberg und Sweeney von dem Metaverse erwarten, der muss sich mit den Texten des Risikokapitalisten Matthew Ball beschäftigen. Dessen 2020 veröffentlichtes Essay „The Metaverse: What It Is, Where to Find it, Who Will Build It, and Fortnite“ erhielt von beiden Firmenchefs viel Lob und wurde Medienberichten zufolge bei Meta sogar zur Pflichtlektüre für die Angestellten erklärt. In dem Text heißt es zwar, „die vollständige Vision für das Metaverse bleibt schwer zu definieren, fantastisch und Jahrzehnte entfernt“, Ball definiert in seinem Essay aber nichtsdestotrotz sieben Kernattribute für das Metaverse:

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  1. Das Metaverse kann niemals beendet oder pausiert werden. Es läuft immer weiter.
  2. Es ist live. Zwar laufen im Metaverse, wie auch in der realen Welt, zeitlich begrenzte Events ab. Das Metaverse als Ganzes findet jedoch in Echtzeit statt.
  3. Es gibt keine Obergrenze für die Teilnehmer:innen-Zahl.
  4. Das Metaverse hat seine eigene Wirtschaft. Firmen und Individuen können investieren, kaufen, verkaufen und für Arbeit innerhalb des Metaverse bezahlt werden.
  5. Das Metaverse umfasst die digitale Welt genauso wie die physische. Außerdem gibt es offene und geschlossene Plattformen innerhalb des Metaverse.
  6. Digitale Objekte sind innerhalb des Metaverse austauschbar. Als Beispiel nennt er Objekte aus Videospielen, die heute nur in dem jeweiligen Game genutzt werden können. Im Metaverse gäbe es, so Ball, jedoch immer die Möglichkeit, diese Objekte auch in einem anderen Kontext zu verwenden.
  7. Das Metaverse ist voll von Inhalten und „Erfahrungen“, die von Individuen, privaten Gruppen oder Unternehmen erstellt werden.

Wie unterscheidet sich das Metaverse vom heutigen Internet?

Von der Verlagerung in eine virtuelle Realität einmal abgesehen, wäre das Metaverse damit nicht großartig anders als das heutige Web. Nur würde es eben noch weit mehr Bereiche unseres Lebens erfassen – und damit auch die Arbeitswelt weiter verändern. Als Beispiel dafür nennt Ball Unternehmen, die schon heute in ärmeren Staaten Videospieler anstellen, um In-Game-Objekte zu erspielen, die dann an Gamer aus reicheren Nationen verkauft werden. „Während diese ‚Arbeit‘ in der Regel eine niedere, repetitive und auf einige wenige Anwendungen beschränkte Tätigkeit ist, wird die Vielfalt und der Wert dieser ‚Arbeit‘ mit dem Metaverse selbst wachsen.“

Ball erwartet, dass das Metaverse noch mehr Umsatz generieren wird, als es das Web heute schon tut. „Der Wert, ein wichtiger Teilnehmer, wenn nicht sogar eine treibende Kraft, eines solchen Systems zu sein, liegt auf der Hand – es gibt heute keinen ‚Besitzer‘ des Internets, aber fast alle führenden Internet-Unternehmen gehören zu den 10 wertvollsten Aktiengesellschaften der Welt“, so Ball. Genau diese Prognose dürfte es auch sein, die Zuckerberg und Sweeney dazu veranlasst, schon so früh in den Bereich zu investieren. Denn so, wie die Internetkonzerne viele klassischen Unternehmen vom Thron stoßen konnten, könnte ein zukünftiger Erfolg des Metaverse dazu führen, dass „viele Platzhirsche fallen werden“ – zumindest wenn Ball recht behält.

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Das Metaverse: Eine Dystopie mit gutem Marketing

Dass sich die Silicon-Valley-Elite auf den Metaverse-Begriff geeinigt hat, ist insofern bemerkenswert, da die im Roman „Snow Crash“ beschriebene Zukunft eigentlich nicht erstrebenswert ist. Die fiktive Romanwelt wird von Großkonzernen und dem organisierten Verbrechen regiert. Digitale Währungen verhindern eine adäquate Versteuerung und der Staat ist größtenteils irrelevant. Menschen können aus dem im Buch beschriebenen Metaverse zwar aussteigen, die physische Welt ist außerhalb von bewachten Wohnkomplexen für die Oberschicht jedoch überwiegend von Armut gezeichnet. Außerdem werden im Buch auch Menschen beschrieben, die sich nie aus dem Metaverse abmelden und in Folge völlig dysfunktional werden.

Einen schönen Ort zum Leben hat sich Stephenson eindeutig nicht erdacht. Aber das gilt letztlich natürlich auch für die Romane von William Gibson, und dennoch hat sich der Cyberspace-Begriff durchgesetzt. Ob Metaverse ein ebenso alltäglicher Begriff wird, hängt auch davon ab, wie schnell die Technik mit den Visionen von Ball, Zuckerberg, Sweeney und Nadella mithalten kann. Zumal Ball einräumt, dass noch zahllose Technologien entwickelt werden müssen, um das Metaverse zu erschaffen. Allerdings glaubt der Investor nicht daran, dass es einen klaren Zeitpunkt gibt, an dem wir von einem echten Metaverse sprechen können. „Es wird sich im Laufe der Zeit langsam herausbilden, wenn verschiedene Produkte, Dienste und Fähigkeiten integriert werden und miteinander verschmelzen.“

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Ball vergleicht den Weg zum Metaverse mit dem Übergang ins Mobilzeitalter. Während der eigentliche Durchbruch dafür erst mit dem iPhone kam, gab es das Blackberry schon zehn Jahre vorher und mit WAP gab es bereits acht Jahre lang eine mobile Version des Webs. Aber wirklich massentauglich wurde das Ganze erst mit der Einführung des iPhone 3G und dem App-Store. Genau wie diese Entwicklung über die vergangenen 20 Jahre beinahe jede Industrie in irgendeiner Form verändert hat, so wird nach Ansicht von Ball auch das Metaverse mit der Zeit einen immer größeren Transformationsprozess anstoßen und „die Rolle von Computern und dem Internet in unserem Leben verändern“.

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