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Er wollte nur wissen, ob er noch einen Job hat: Elon Musk trollt Twitter-Mitarbeiter

Offenbar hat Elon Musk in aller Öffentlichkeit einen neuen Tiefpunkt erreicht, was die Kommunikation mit Mitarbeiter:innen angeht. Via Twitter machte Musk sich über einen Mann lustig, der eigentlich nur wissen wollte, ob er seinen Job noch hat.

5 Min. Lesezeit

Elon Musk macht auf Twitter kein gutes Bild. (Foto: dpa)

Wer mehr über Elon Musks zweifelhafte Führungsqualitäten erfahren möchte, kann sich die öffentlich ausgetragene Diskussion mit einem Mitarbeiter anschauen, der sich via Twitter nach seinem Jobstatus erkundigte.

Twitter: Kündigung ohne Benachrichtigung

Neun Tage, nachdem ihm ohne Vorankündigung oder nachträgliche Information der Zugang zu seinem Firmenlaptop gesperrt worden war, und ihm auch die Personalabteilung nicht sagen konnte, ob er gekündigt sei, wandte sich der Isländer Haraldur Thorleifsson per Twitter an Musk.

Thorleifsson beklagte zudem, dass Musk seine entsprechenden E-Mails nicht beantwortet habe. Daher, so der Twitter-Mitarbeiter, wende er sich über den Kurznachrichtendienst an den Konzernchef. Wenn sein Tweet genügend Retweets erhalte, melde sich Musk vielleicht, so Thorleifsson.

Und Musk antwortete tatsächlich – vier Stunden später. Auf seine Frage, was Thorleifsson denn bei Twitter gemacht habe, erklärte dieser, dass er das eigentlich ohne die Genehmigung der Twitter-Anwält:innen nicht öffentlich diskutieren dürfe. „Erlaubnis erteilt“, so Musk.

Nachdem Thorleifsson eine Reihe seiner Tätigkeiten aufgelistet hatte, fragte Musk nach – wobei er die geleistete Arbeit in Frage stellte und begann, sich darüber lustig zu machen: „Pics or it didn‘t happen“.

Musk macht sich über Ex-Mitarbeiter lustig

Thorleifsson erklärte, er könne nichts vorlegen, da ja der Zugang zu seinem Laptop gesperrt sei. Aber er habe „Figma“ und weitere Designprojekte geschrieben, worauf Musk mit zwei Lachsmileys reagierte.

Anschließend postete Musk einen Ausschnitt aus der Komödie „Alles Routine“ (Original: „Office Space“), in dem ein verärgerter Mitarbeiter versucht, seine Rolle vor zwei Managern zu rechtfertigen. „Sind Sie ein geselliger Mensch?“, lautete Musks Frage dazu?

Schon bis hier ist die Konversation wenig witzig, wenn man sich vergegenwärtigt, dass hier der Besitzer eines milliardenschweren Konzerns einen seiner Mitarbeiter vor einem Millionenpublikum zurechtstutzt.

Musk macht Gesundheitszustand öffentlich

Dass es noch fieser geht, zeigt die Fortsetzung, in der Musk sich an die Twitter-Gemeinde wendet. Darin erklärt er, die Wahrheit sei, dass Thorleifsson eigentlich gar nicht arbeite und als Ausrede eine Behinderung nutze, wegen der er nicht schreiben könne.

Gleichzeitig, so Musk, schreibe er bei Twitter eine Flut an Nachrichten. Dafür habe er keinen Respekt. Und weiter: „Aber wurde er gefeuert? Nein, man kann nicht gefeuert werden, wenn man gar nicht angefangen hat zu arbeiten!“

Diese Reaktion Musks ist nicht nur respektlos gegenüber dem (ehemaligen) Angestellten, sondern macht auch eigentlich geheime Informationen über dessen Gesundheitszustand öffentlich.

Elon Musks Leben in Bildern Quelle: dpa

Thorleifsson erklärte im Nachgang, dass er an Dysferlinopathie leide, einer speziellen Form der Muskeldystrophie, wie Gizmodo schreibt. Der Isländer sei zwar mittlerweile auf einen Rollstuhl angewiesen, könne aber für ein bis zwei Stunden am Stück Arbeiten am Computer erledigen.

Das sei vor Musks Übernahme bei Twitter kein Problem gewesen. Als Führungskraft habe seine Arbeit darin bestanden, Teams strategische und taktische Anweisungen für ihre Tätigkeiten bei Twitter zu geben.

Zahlt Twitter die fällige Abfindung?

Die Kündigung, so es denn eine gab, scheint für Thorleifsson in Ordnung zu sein, obwohl man in Unternehmen normalerweise von seiner Entlassung erfahre. Sein nächster Schritt sei jetzt, herauszufinden, ob Twitter ihm die Abfindung bezahlt, die ihm zustehe.

Dazu muss man wissen, dass Thorleifsson die Digitalagentur Ueno gegründet hat, die 2021 von Twitter übernommen wurde. Laut Techcrunch sollen Firmengründer:innen wie Thorleifsson eigentlich nicht gekündigt werden, weil das aufgrund ihres besonderen Status‘ für Twitter zu teuer wäre.

Allerdings war diese einstige Maxime in den vergangenen Tagen mehrfach gebrochen worden. Neben Squad-Gründerin Esther Crawford, die im November 2022 wegen ihrer Übernachtung im Twitter-Büro Schlagzeilen machte, wurden auch Breaker-Gründerin Leah Culver und Revue-Gründer Martijn de Kuijper gefeuert.

Musk rudert doch noch zurück – teilweise

Einen Tag nach seinen Twitter-Entgleisungen ruderte Elon Musk jetzt doch auf die ihm eigene Art und Weise zurück. Er hätte mittlerweile einen Videocall mit Thorleifsson abgehalten. Es sei ja ohnehin besser, so etwas persönlich zu besprechen.

Musk führte weiter aus, dass er sich bei Thorleifsson entschuldigen wolle, er hätte seine Lage missverstanden. Thorleifsson würde nun überlegen, doch bei Twitter zu bleiben. Was Witze über die körperliche Konstitution eines seiner Angestellten, öffentliche Diskreditierung seiner Arbeit und schlechtes Management in der Twitter-Personalabteilung  mit einem „Missverstehen“ der Lage zu tun hätten, bleibt in Musks Tweets allerdings offen.

Dieser Artikel wurde am 8. März 2023 um die neuen Statements von Elon Musk ergänzt.

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2 Kommentare
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Das Musk sich generell wie ein viel zu großes, aber vollkommen verzogenes, dummes Kind gebärdet, ist ja bekannt. Aber mit der Aktion schießt er sich im Wettbewerb „Das Super-Ar***l*** des Jahrzehnt“ ganz nach oben! Erbärmlich, der Kerl!

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Kevin Cafferty
Kevin Cafferty

Auf Reddit lässt sich auch ein bisschen finden, wie der Herr teils reagierte: https://www.reddit.com/r/popculturechat/comments/11ln2fx/what_you_missed_on_twitter_elon_musk_publicly/?utm_source=share&utm_medium=mweb

Es ist schon unglaublich, dass Musk sich tatsächlich so verhalten kann und anscheinend kaum dadurch beeinflusst wird.

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