Wall Street fürchtet Börsenabsturz: Eine Billion Dollar auf fallende Kurse gesetzt
Die Aktienmarkt-Rallye der vergangenen Wochen hat viele Beobachter:innen überrascht. Angesichts hoher Inflation, angespannter Wirtschaftslage und steigender Zinsen hatten viele Profianleger:innen schon zu Jahresbeginn einen Einbruch der Aktienkurse erwartet.
Aktienmärkte derzeit kaum zu erschüttern
Doch es kam ganz anders. Selbst die Pleite der Silicon Valley Bank und die Probleme bei der Credit Suisse konnte das Vertrauen in den Markt offenbar nur kurz erschüttern. Die Technologiebörse Nasdaq legte sein Januar um 16 Prozent zu, der Index S&P 500 immerhin um acht Prozent.
Doch mit dem steilen Anstieg könnte es jetzt vorbei sein, wenn man den Prognosen führender Analyst:innen glaubt. So erklärte Mike Wilson, Top-Stratege der US-Investmentbank Morgan Stanley, er rechne mit einem baldigen Abverkauf.
Analyst rechnet mit Kursabsturz um 20 Prozent
Die Kurse könnten um bis zu 20 Prozent einbrechen, so Wilsons Prognose – die er allerdings in den vergangenen Wochen schon mehrmals geäußert hat. Immer gefolgt von weiteren Kursaufschwüngen.
Mit seiner Meinung ist Wilson aber nicht allein. Jean Boivin und Wei Li vom Vermögensverwalter Blackrock sehen für das abgelaufene erste Quartal massive Gewinneinbrüche voraus. Und das sei erst der Anfang.
Während die Märkte aktuell jeden ausbleibenden oder geringer als erwartet ausfallenden Zinsschritt der US-Notenbank feiern, sieht Wilson in den dafür ursächlichen schwächeren Inflationsdaten ein Problem.
Sinkende Inflation kein gutes Zeichen?
Die sinkende Inflation, so Wilson, sei ein Zeichen für eine nachlassende Nachfrage. Die Inflation sei derzeit bei vielen Unternehmen die einzige Stütze für positive Umsatzentwicklungen. Würde die Inflation weiter stark sinken, sei zudem mit einem Rückgang der Unternehmensgewinne für mehrere Monate zu rechnen.
Ob alle Marktbeobachter:innen und Analyst:innen Wilsons Einschätzung teilen, ist unklar. Die Stimmung scheint sich zuletzt aber gedreht zu haben – zumindest unter den Profianleger:innen. Denn allein im März 2023 sollen laut Analyse von S3 Partners neue Short-Positionen im Wert von von 44,4 Milliarden Dollar aufgebaut worden sein.
Wall Street bereitet sich auf Absturz vor
Insgesamt soll sich das Volumen der Wetten auf einen Kursverfall damit auf eine Billion Dollar belaufen. Oder, wie es das Handelsblatt zusammenfasst: „Nahezu die gesamte Wall Street scheint sich auf einen möglichen Kursabsturz vorzubereiten“.
Ob der kommt, ist nicht sicher. Aber Wucht, mit der sich die Shortseller positioniert haben, ist schon bemerkenswert. Zumal sie sich Anfang des Jahres blutige Nasen holten.
Shortseller: 90 Milliarden Verlust im Januar
Im Januar 2023 mussten sie angesichts der für sie überraschenden Kursrallye ihre Short-Positionen auflösen. Dabei verloren sie viel Geld – laut S3 Partners 90 Milliarden Dollar.
Und: Weil die Shortseller beim Schließen der Short-Positionen Aktien teurer zurückkaufen müssen, heizten sie den Aufwärtskurs an den Börsen – insbesondere bei Tech-Werten – gleich noch mit an.
Hohes Risiko für Shortseller
Das Risiko ist jedenfalls auch aktuell hoch. Zumindest zu Beginn der aktuellen Berichtssaison deutet wenig darauf hin, dass die Unternehmen übermäßig hohe Gewinnrückgänge oder gar Verluste vermelden müssten. Entsprechend könnten die Shortseller wieder auf die Nase fallen.