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Analyse

„Ein Kabel für alles“: Warum USB-C das Versprechen nicht halten kann

Mit USB-C bringt die EU einen einheitlichen Ladeanschluss für Smartphones, Tablets und weitere Gadgets auf den Weg. Das ist zunächst erstmal eine gute Idee, jedoch ist der USB-C-Standard immer noch eine große Baustelle.

6 Min.
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Ein Blick auf die Unterseite des Nothing Phone 1. (Foto: t3n)

Die für 2024 geplante Einführung der Europäischen Union von USB-C als einheitlichem Ladeanschluss für Smartphones, Kopfhörer, Digitalkameras und Tablets sehen viele als einen willkommenen Schritt. Am stärksten betrifft diese Entscheidung auf den ersten Blick Apple, die damit ihren Lightning-Anschluss auch bei iPhones und Airpod-Cases bis Ende 2024 abschaffen müssen. Mit dem iPhone 15 (Plus) und 15 Pro (Max) sowie den aktualisierten Airpods Pro 2 ist der Hersteller dem nun nachgekommen.

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Es bedeutet aber auch das Aus für Zubehör, das noch mit USB-A- oder Micro-USB-Ports produziert wird. Insbesondere bei günstigeren Produkten ist das teilweise noch der Fall. Der Umstieg umfasst diverse Vorteile, jedoch herrscht auch über sechs Jahre nach seiner Einführung ein babylonisches Durcheinander.

Vision von USB-C: Ein Stecker für alles

Durch den einheitlichen Anschluss für viele Geräte müssten sich Verbraucherinnen und Verbraucher unter anderem nicht mehr über inkompatible Ladegeräte ärgern. Auch aktuelle iPhones lassen sich wie Android-Smartphones mit einem USB-C-Kabel aufladen und umgekehrt, sodass iPhone-Nutzer:innen mit der Einführung des iPhone 15 nicht mehr „hat jemand ein iPhone-Ladekabel?“ im Büro fragen müssen. Da an der Android-Front schon lange auf USB-C gesetzt wird, sollte die Suche nach einem Kabel künftig schneller vonstatten gehen.

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Die Vereinheitlichung der Ladeanschlüsse trage zudem zur verstärkten Wiederverwendung von Ladegeräten bei, heißt es. Sie soll Verbraucher:innen helfen, bis zu 250 Millionen Euro pro Jahr für unnötige Ladegeräte-Käufe einzusparen, schreibt die EU-Kommission.

Ausrangierte und ungenutzte Ladegeräte machten „schätzungsweise rund 11.000 Tonnen Elektroschrott pro Jahr aus“, heißt es. Der Umstieg auf USB-C bringe zwar einige Vorteile mit sich, von denen Nutzer:innen und auch die Umwelt profitieren werden, jedoch werden immer noch nicht die seit Jahren bestehenden Probleme des Standards gelöst.

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USB-C: Das „Ein Kabel für alles“-Versprechen wird nicht wirklich eingehalten

USB-C startete vor circa sechs Jahren mit der Perspektive, das eine Kabel für alles zu werden. Denn mittels USB-C-Anschluss ist es im Grunde möglich, neben Ladestrom auch Audio-und Videosignale zu übertragen und Daten hin- und herzuschicken. Jedoch bietet nicht jedes der auf dem Markt befindliche USB-C-Kabel die gleichen Leistungswerte und einen identischen Funktionsumfang.

Das hat zum einem damit zu tun, dass Hersteller sich nicht zwingend an die Spezifikationen der USB-IF-Konsortium (IF = Implementers Forum) halten müssen.

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Zum anderen sind seit der Einführung bis heute acht verschiedene USB-C-Standards angekündigt worden, die von USB 2.0 bis zum neuesten USB 4 v2.0 allesamt noch im Umlauf sind oder bald Einzug halten. Dabei hat das verantwortliche USB-IF es bei der Namensgebung geschafft, möglichst große Verwirrung zu stiften. Denn statt USB 3.1 oder 3.2 zu nutzen, setzte es auf kryptische Bezeichnungen: So wurde beispielsweise aus USB 3.0 USB 3.2 Gen 1 und aus USB 3.1 USB 3.2 Gen 2.

Bei den 2019 verabschiedeten Spezifikationen der „nächsten“ Generation – USB 4 – hat das Implementers Forum leider dieses Chaos fortgesetzt. Anstelle von vereinheitlichten Leistungswerten gibt es abermals Subkategorien von Gen 2×1 bis Gen 3×2, die sich unter anderem durch unterschiedliche Datenübertragungs-Geschwindigkeiten unterscheiden.

So bieten manche Versionen 20 Gigabit pro Sekunde und andere bis zu 40 Gigabit pro Sekunde dank Thunderbolt-3-Support – künftig kommen mit USB 4.0 Version 2.0 und einer neuen Thunderbolt-Generationen höhere Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 120 Gigabit pro Sekunde. Dabei sei zu erwähnen, dass USB nicht gleich Thunderbolt ist – die beiden Schnittstellen teilen sich nur den Steckanschluss. Kabel und Produkte können zwar Thunderbolt und USB unterstützen, müssen sie aber nicht.

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Ursprüngliche BezeichnungVorherige Bezeichnung Aktuelle Bezeichnung Geschwindigkeit Stecker
USB 2.0 USB 2.0USB 2.0480 Mbit/sTyp A+C
USB 3.0 USB 3.1 Gen1 USB 3.2 Gen1 5 GBit/s Typ A+C
USB 3.1 USB 3.1 Gen2 USB 3.2 Gen2 10 GBit/s Typ A+C
USB 3.2 USB 3.2 Gen2x2 20 GBit/s Typ C
USB4 Gen 2x1USB 4 10 GBit/s Typ C
USB4 Gen 2×2USB 4 20 GBit/s Typ C
USB4 Gen 3×2USB 4 v.1.040 GBit/s Typ C
USB4 Version 2.0USB 4 v. 2.0 80 GBit/sTyp C

Das Chaos setzt sich jedoch bei den unterstützten Ladegeschwindigkeiten fort. Denn auch wenn USB-C-Kabel zunächst nahezu jedes kompatible Gerät mit Strom versorgen können, kann es sein, dass ihr trotz dem Einsatz verschiedener Netzteile mit gleicher Stromstärke und Spannung nicht die gleichen Ladegeschwindigkeiten erzielen könnt.

Zudem kann der Griff zu einem USB-C-Kabel, das von einem Drittanbieter stammt, dazu führen, dass die vom Gerät unterstützte Schnellladefunktion verloren geht. Das Gleiche gilt auch für die Wahl eines USB-C-Netzteils von einem anderen Anbieter, das etwa Qualcomms Quick Charge oder USB-Power-Delivery unterstützt, aber nicht einen der zahlreichen proprietären Standards von Oppo/Oneplus, Xiaomi, Realme oder Vivo. Nur mit der jeweiligen Kabel-Netzteil-Kombination sind unterstützte Ladegeschwindigkeiten von bis zu 150 Watt und darüber hinaus möglich.

USB 4 Version 2.0 unterstützt bis zu 80 Gigabit pro Sekunde und bis zu 240 Watt. (Grafik: USB-IF)

Mit der anstehenden Einführung von USB-C als einheitlichem Stecker will die EU-Kommission zwar auch dafür Sorge tragen, dass es eine Mindestgeschwindigkeit der Lademöglichkeit per USB-Power-Delivery gibt. Dabei handelt es sich um ein Protokoll, mit dem Geräte schneller mit Strom betankt werden können. Maximal wären derzeit bis zu 240 Watt möglich. Dafür sind aber wiederum unter anderem bestimmte Kabel vonnöten. Jedoch hat die EU sich noch nicht festgelegt, wie schnell künftig darüber geladen werden kann. Es heißt lediglich, dass Geräte „mit einer Leistungsabgabe von bis zu 100 Watt“ über einen USB-C-Anschluss verfügen müssten.

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Ferner sagt die neue Regelung: „Alle Geräte, die das Schnellladen unterstützen, haben jetzt die gleiche Ladegeschwindigkeit, so dass die Nutzer ihre Geräte mit jedem kompatiblen Ladegerät mit der gleichen Geschwindigkeit aufladen können.“

USB-C: Auch Apple setzt auf verschiedene Schnittstellen

Ein anschauliches Beispiel für den mannigfaltigen Einsatz des Anschlusses ist sehr gut bei Apple zu sehen: So setzt der Hersteller bei seinen aktuellen Macbooks auf USB-4- und Thunderbolt-Schnittstellen, mit denen Datenstransfergeschwindigkeiten von bis zu 40 Gigabit pro Sekunde (GBit/s) möglich sind. Das Gleiche gilt auch für aktuelle iPad Pros, während mit dem iPad Air (2022) nicht mehr als 10 Gbit/s transferiert werden können. Mehr ist auch nicht bei den neuen iPhone-15-Pro-Modellen möglich.

Noch langsamer sind derweil das iPad Mini (2020) und das iPad Air von 2020, die per USB-C mit 5 GBit/s übertragen können. Damit ist es noch nicht genug. Denn das iPad 10 (Test) und die Basisversionen des iPhone 15 sind mit 480 Mbit/s genauso schnell wie ein altes Lightning-Kabel, was USB 2.0 entspricht. Von außen lasen die Unterschiede sich nicht erkennen.

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GerätUSB-C-Spezifikation
Alle aktuellen Mac-ModelleUSB 4 und Thunderbolt (bis zu 40 Gbit/s)
iPad Pro (2021 und 2022)

USB 4 und Thunderbolt (bis zu 40 Gbit/s)
iPad Pro (2018 und 2020)

USB 3.1 Gen 2 (bis 10 Gbit/s)
iPad Air (2022)
USB 3.1 Gen 2 (bis 10 Gbit/s)
iPad Air (2020)
USB 3.1 Gen 1 (bis 5 Gbit/s)
iPad mini (2021)
USB 3.1 Gen 2 (bis 5 Gbit/s)
iPad (2022)
USB 2.0 (bis 480 Mbit/s)
iPhone 15 Pro und Pro Max
USB 3.1 Gen 2 (bis 10 Gbit/s)
iPhone 15 und 15 Plus
USB 2.0 (bis 480 Mbit/s)
ältere iPhones mit LightningUSB 2.0 (bis 480 Mbit/s)

Was das Laden per USB-C angeht, scheint Apple primär zwischen iPhones und Macbooks zu unterscheiden: Macbooks können mit bis zu 140 Watt geladen werden, während iPhones der letzten Generationen mit bis zu 27 Watt aufgeladen werden können. Ob sie Lightning oder USB-C besitzen, ist unerheblich.

Das USB-C-Chaos endet nicht bei den vielen Standards

Doch das Problem mit USB-C hört nicht bei den unterschiedlichen technischen Spezifikationen auf, sondern betrifft auch die Art, wie diese (nicht) kommuniziert werden. Die USB-IF hat im September 2021 neue Logos vorgestellt, die künftig mehr Übersichtlichkeit bieten sollen. Sie sollen aufzeigen, welche Leistung ein Kabel liefert: Lässt sich per USB-Power-Delivery mit 60 Watt oder gar bis zu 240 Watt laden, kann es Daten mit bis zu 20 der 40 Gigabit pro Sekunde übertragen? Der Gedanke dahinter ist sinnvoll und wichtig. Die Ausführung lässt allerdings zu wünschen übrig.

Diese neuen Logos sollen das USB-Chaos ein wenig lüften – so das USB-IF. (Bild: USB IF)

Denn die Daten müssen nur an den Verpackungen der Kabel aufgedruckt werden. Zudem handelt es sich um eine Empfehlung und keine Verpflichtung. Hersteller können damit letztlich weiterhin ungekennzeichnete Kabel in den Handel bringen, deren Leistungswerte nur durch Ausprobieren in Erfahrung gebracht werden können.

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Aber auch die an der Verpackung angebrachten Daten helfen nicht viel; sobald sie in der Schublade in der Kabelsammlung verschwinden, beginnt das Rätselraten von vorne. Hersteller sollten entsprechende Daten idealerweise irgendwie an den Kabeln selbst anbringen.

Immerhin schreiten erste Softwareunternehmen ein, um den Misstand ein wenig unter Kontrolle zu bringen. So bietet Google in seinem Betriebssystem ChromeOS seit Version 102 eine Lösung für die Analyse der Qualität von USB-C-Kabeln an. Wenn ein USB-C-Kabel ein Display nicht richtig unterstützt oder „nicht optimal für den Laptop geeignet ist“, wird ein Hinweis in der Benachrichtigungsleiste angezeigt. Ferner warnt das System, wenn es USB4-/Thunderbolt-3-Standards nicht unterstützt, das Chromebook aber eigentlich schon, heißt es im Supportdokument. Wünschenswert wäre, wenn alle Betriebssysteme ein solches Analysetool an Bord hätten, um die USB-C-Spreu vom Weizen zu trennen.

Dennoch: Solange das USB-IF keine bessere Regelung vorschreibt, bleibt USB-C ein Chaos, das durch Drittanbieter ohne jegliche Zertifizierung noch weiter verstärkt wird. Ob das wilde Stecker-Wirrwarr in der USB-C-Anschlusswelt überhaupt jemals ein Ende hat, ist kaum absehbar. Vielleicht aber hilft die USB-C-Pflicht, die im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2024 in Kraft tritt, ein wenig dabei.

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Wichtig ist jedenfalls: Augen auf beim Kabelkauf. Das Ende von Lightning und der Einzug von USB-C ins iPhone könnte dem Kabelstandards ebenso einen kleinen, aber womöglich langfristigen Qualitätspush verpassen.

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Kommentare (3)

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Simon

wäre nicht 4eckig abgerundet besser

Dennis

Selten so einen schlechten Artikel gelesen. Ja, es gibt Unterschiede, aber am Ende geht es hier ums Laden und alles andere wird dann einfach mit einem passenden Datenkabel ermöglicht. Das ist wieder so ein Artikel, in dem es nur um Stimmungsmache geht. Seid doch einfach froh, dass es vereinheitlicht wird und sucht nicht zwanghaft nach negativen Dingen. Schrecklich, wie man nur so negativ sein kann.

Andreas Floemer

Sorry, dass dir der Artikel nicht zusagt. Ich liebe USB C, ich begrüße es, dass Apple bei seinen iPhones umgestiegen ist. Aber dennoch ist USB C einfach ein Chaos. Und genau das beleuchtet dieser Artikel.

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