Analyse

Webdesign: So steht es um Progressive-Web-Apps im Jahr 2020

Die Lieblingsapp auch offline nutzen – dank PWA geht das. (Foto: Software & Support Media)

Das Konzept der Progressive-Web-App klingt nach wie vor so überzeugend wie vor etwa vier Jahren, als der Begriff geprägt wurde. Wie ist der Stand der Dinge Anfang 2020?

Wer sich umschaut, wird sich schwer tun, Progressive-Web-Apps (PWA) in großer Zahl zu finden. Das mag daran liegen, dass sich PWA von „normalen“ Websites durch Features unterscheiden, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind. Zudem boten sie sich bislang eher als Gegenentwurf zu nativen Smartphone-Apps an, was sie zumindest für den Einsatz auf dem Desktop nicht sonderlich interessant wirken ließ.

PWA erreichen den Desktop-Browser

Nun können PWA seit Chrome 73 auch unter Desktop-Systemen „installiert“ werden. Zwar passiert dabei wenig mehr als das Anlegen einer Verknüpfung nebst Übertragung der PWA-Logik mit Web App Manifest, Service Workers, TWA und etwaigen Datenbankmodulen in den lokalen Browser-Cache, das Gefühl für den Anwender ist jedoch ein ganz anderes als bei der Nutzung von PWA als reguläre Website im Browser.

Ein auf den ersten Blick gutes Beispiel lieferte Microsoft im November 2019 als es die Verfügbarkeit seines Online-Dienstes Outlook.com als PWA verkündete. Es stellte sich indes schnell heraus, dass Outlook.com nicht alle Voraussetzungen erfüllte, die den Begriff PWA eigentlich ausmachen. So war vor allem eine Offline-Nutzung nicht möglich. Ebenso konnte die App nicht zur Standard-Mail-App im System deklariert werden und die Benachrichtigungen nahmen den Umweg über das entsprechende Browser-Feature.

Outlook.com als PWA auf dem Desktop. (Screenshot: t3n)

Outlook.com als PWA auf dem Desktop. (Screenshot: t3n)

Damit blieb von der Outlook-PWA nur eine Desktop-Verknüpfung, die ein reduziertes Chrome-Fenster aufzog und darin ohne den optischen Browser-Overhead lief.

Einen wesentlich besseren Eindruck hinterlassen auch die PWA von Twitter oder Facebook nicht. Bei beiden ist die Performance mau, die User-Experience insgesamt durchwachsen.

Natürlich gibt es auch gelungenere Beispiele für PWA, darunter die Apps von Starbucks, Forbes, Pinterest oder Trivago.

Weitere gute Beispiele findet ihr auf PWA.bar sowie unter PWA.rocks.

PWA.bar zeigt einige gelungene Progressive-Web-Apps. (Screenshot: t3n)

Google stellt Chrome-Apps ein

Auch im Jahr 2020 werden Desktop-Optimierungen für PWA wohl eher nicht die Mehrzahl der Web-Projekte bilden. Eben hat Google mitgeteilt, Chrome-Apps bis Juni 2022 komplett abschaffen zu wollen, nachdem die entsprechende Sektion bereits im Dezember 2017 aus dem Chrome-Web-Store entfernt worden war. Im Juni dieses Jahres schon werden die Chrome-Apps unter den Betriebssystemen Windows, macOS und Linux nicht mehr funktionieren.

Nun ist eine Chrome-App zwar eine paketierte Web-App und keine echte PWA, völlig anders ist das Konzept aber nicht. Entsprechend empfiehlt Google auch einen Migrationspfad weg von Chrome-Apps hin zu PWA.

Dennoch vermittelt Googles Schritt den Eindruck, dass Anwender Apps auf der Basis von Webtechnologien nicht in einem Maße schätzen, der ihre Erstellung sinnvoll erscheinen lassen würde.

Trusted Web Activities: PWA in den Play-Store

Andererseits hat Google mit der Chrome-Version 72 Anfang des Jahres 2019 ein neues Features namens TWA, Trusted Web Activities, eingeführt. TWA erlauben unter anderem Anbietern von PWA die Verwendung des Google-Play-Store unter Android als Distributionsplattform.

Apropos Android, schauen wir auf Samsung. Die hatten kurz vor Weihnachten einen Tweet abgesetzt, der sich über 20 Millionen PWA-Installationen per Web-APK aus über 80.000 Domains im Jahr 2019 freute. Obwohl sich die Zahl ausschließlich auf die internen Browser der Samsung-Geräte bezog, lässt sich daraus möglicherweise ein breiter Erfolg über alle Browser erkennen, die die Installation von PWA erlauben. Immerhin ist der Marktanteil der Samsung-Browser relativ gering. Belege dafür müsste ich allerdings schuldig bleiben.

Mittlerweile ist der Samsung-Tweet nicht mehr verfügbar. Fraglich, wer dem den Stecker gezogen hat.

Worauf wir uns sicherlich einigen können, ist die Feststellung, dass sich PWA in weit geringerem Maße durchgesetzt haben als Kenner der Branche das in der Vergangenheit erwartet hatten. Nehmen wir mal Jason Wong, IT-Analyst bei Gartner. Der gab im März 2017 die ­Prognose ab, dass 2020 die Hälfte aller mobilen Apps durch PWA ersetzt sein würden. Die Prognose erweist sich als vollkommen daneben.

Fakten sprechen für PWA

Dabei kann der anhaltende Misserfolg kaum auf technische Gründe zurückgeführt werden. Hier ist die Datenlage eindeutig. Immerhin 93 Prozent aller Nutzer im weltweiten Netz verwenden einen Browser, der vollen Support für PWA bietet. Installieren könnten PWA immerhin bereits rund 86 Prozent aller Nutzer. Auch die Zielplattform der Installation ist nahezu frei wählbar. Insbesondere funktioniert es unter Windows ab Version 7, macOS. Linux, Xbox One, Android, iOS, iPadOS und natürlich Chrome OS, allerdings nicht mit jedem Browser. Dazu gleich mehr.

Nicht nutzbar für PWA sind die Browser in Geräten wie Smart TV, Apple TV, Android TV, Chromecast, Playstations und anderen Konsolen, sowie digitalen Assistenten oder VR/AR-Hardware. Native Apps hingegen funktionieren auf all diesen Geräten.

Breite PWA-Unterstützung unter Android bieten die großen Browser Chrome, Edge, Opera, Firefox, Samsung Internet, Brave und einige weitere. Android unterstützt generell alle drei App-Modi des Web App Manifest. Zudem können PWA über den Play-Store, den Samsung-Galaxy-Store und sogar den Amazon-App-Store verteilt werden. Unter iOS und iPadOS gibt es etliche Bugs, generell bietet das System ab Version 13 immerhin eine grundlegende Unterstützung für PWA. Natürlich funktioniert das nur unter Safari. Da Safari, zumindest als Engine, sowieso die einzige Rendering-Lösung unter iOS 13 und iPadOS ist, spielt das keine Rolle.

Per Klick auf Plus und "Installieren" kommt Outlook.com auf den Desktop. (Screenshot: t3n)

Per Klick auf Plus und Installieren kommen PWA (hier Outlook.com) auf den Desktop. (Screenshot: t3n)

Unter Windows ab Version 7 funktioniert die Installation von PWA über Googles Chrome ab Version 70 und den ganz frisch veröffentlichten Edge-Browser mit Chromium-Unterbau. Der Firefox-Browser erlaubt das Installieren von PWA nicht. Die zweite Möglichkeit der PWA-Installation bietet sich über den Microsoft-Store, der nicht nur Windows, sondern auch die Xbox damit versorgen kann.

Unter macOS und Linux können PWA nur via Chrome und dem neuen Edge-Browser (nur macOS) installiert werden. Chrome OS unterstützt die PWA ab Version 67, kann jedoch mit TWA nichts anfangen.

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