Anzeige
Anzeige
News
Artikel merken

„Mental-Health-Krise bei Kindern”: US-Schulbezirk verklagt alle Social-Media-Plattformen

Social-Media-Plattformen stehen schon länger in der Kritik wegen ihrer Auswirkung auf Kinder. Schulen in den USA klagen nun, weil die Plattformen aktiv ihre Arbeit erschweren.

3 Min. Lesezeit
Anzeige
Anzeige
Die Rate von psychischen Erkrankungen steigt bei Kindern an – Schulen in Seattle sehen ihren Bildungsauftrag in Gefahr. (Foto: Wavebreakmedia/Shutterstock)

Der US-amerikanische Schulbezirk Seattle verklagt Google, Meta, Snap und Bytedance, weil ihre Social-Media-Plattformen Kindern aktiv schaden und die Arbeit von Lehrer:innen und Sozialarbeiter:innen erheblich erschweren würden, berichtet The Register. Schon länger werden die Plattform aufgrund ihrer Mechanismen als nicht kinderfreundlich kritisiert. Spätestens seit Frances Haugen mit konkreten internen Facebook-Studien an die Öffentlichkeit trat, die belegten, dass dem Unternehmen bekannt ist, dass Facebook schlecht für junge Mädchen ist, konkretisieren sich die Vorwürfe. Die neue Klage geht aber einen Schritt weiter: Nicht nur seien die Plattformen schädlich, sie behinderten auch Jugendarbeit.

Anzeige
Anzeige

Schulbezirk aus Seattle klagt gegen alle Social-Media-Plattformen

Seattle Public Schools ist ein Schulbezirk in Washington, USA, und beinhaltet schulische Angebote vom Kindergarten bis hin zum Abschluss der Highschool. Der Bezirk klagt gegen Alphabet und die Tochterfirmen Google und Youtube, Snap, Bytedance und die Tochter Tiktok und Meta mit den Tochterfirmen Facebook, Instagram und Siculus.

Der Schulbezirk argumentiert: Die Unternehmen konzipieren ihre Produkte so, dass die Nutzungsdauer maximal erhöht wird. Dabei werden schädliche Inhalte an Millionen Kinder und Jugendliche ausgespielt – beispielsweise Darstellungen von Selbstverletzung, die Ausspielung der sogenannten Corpse-Bride-Diät an Nutzer:innen mit Essstörungen oder Inhalte mit Drogen, Waffen und potenziell gefährlichen Beauty-„Hacks“ wie Bleichmittel an Kinder.

Anzeige
Anzeige

Das erschwere die Arbeit von Lehrer:innen, Sozialarbeiter:innen und jegliche andere Form der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Der Schulbezirk sieht sich direkt betroffen und verweist auf einen Anstieg von rund 30 Prozent bei Depressionserkrankungen bei Schüler:innen im Zeitraum von 2009 bis 2019. Schüler:innen, die von Angststörungen, Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen betroffen sind, würden schlechtere Leistungen erbringen, seltener zum Unterricht erscheinen und die Gefahr von Drogenkonsum sei bei ihnen höher. Das behindere die Schulen dabei, ihren Bildungsauftrag zu erfüllen.

Schulen und Schulkliniken erste Anlaufstelle für Kinder

Zum Schulbezirk gehören auch Schulambulanzen, die für die Kinder im Bezirk die erste Anlaufstelle für Mental-Health-Services darstellen. Der Bedarf steigt, die Nachfrage kann das Personal allerdings nicht mehr stemmen – es fordert mehr finanzielle Ressourcen. „Der Kläger benötigt einen umfassenden, langfristigen Plan und eine Finanzierung, um die Rekordraten von Angstzuständen, Depressionen, Selbstmordgedanken und andere tragische Indizien der Krise der psychischen Gesundheit seiner Jugendlichen nachhaltig zu senken“, so die Klageschrift. Insgesamt sei das Ziel, die Techfirmen dazu zu bewegen, Bildungs- und Behandlungsmaßnahmen für die „problematische Nutzung von Social Media“ zu finanzieren.

Anzeige
Anzeige

Techfirmen verweisen auf Mental-Health-Ressourcen

Die Konzerne verweisen dabei auf ihre Mental-Health-Ressourcen in den Produkten. Mit der Here-for-you-Kampagne hat Snap Mental-Health-Ressourcen vorgestellt, die auf Snapchat zur Verfügung stehen. Google-Sprecher José Castañeda nannte gegenüber The Register Family Link: Mit dem Tool können Eltern die Bildschirmzeit der Kinder beschränken, Reminder setzen und bestimmte Inhalte blockieren. Diese Ressourcen bauen allerdings auf Selbstreflexion und Eigenverantwortung der Nutzer:innen und ihrer Eltern. An Inhalten, Algorithmen oder der Konzeption der Produkte ändern sie nichts.

Meta richtete Anfang Januar 2022 einen Meta Summit on Youth Safety and Well-Being aus. Neben Präsentationen zu umgesetzten Maßnahmen in Meta-Produkten forderte Nick Clegg, President of Global Affairs bei Meta, eine „klare und konsistente Regulierung, die hilft, eine sichere, positive Online-Experience für Teenager:innen zu schaffen“ von „globalen Regulator:innen“.

Anzeige
Anzeige

Social Media braucht Werbung, Werbung braucht Nutzungsdauer

Die Social-Media-Plattformen sind für die Nutzer:innen kostenfrei und tragen sich durch das Werbegeschäft. Um für die Werbekund:innen attraktiv zu sein und zu bleiben, müssen die Plattformen für eine möglichst hohe Nutzungsdauer und hohe Engagement-Raten sowie gute Chancen auf Conversions sorgen.

Maßnahmen, die Kinder und Jugendliche schützen, würden diese Kennzahlen direkt negativ beeinflussen. Das könnte ein Grund sein, warum Meta explizit staatliche Regulierungen fordert: Gesunkene Kennzahlen könnten gegenüber Werbekund:innen mit diesen Regulierungen begründet werden. Sie würden außerdem alle Plattformen betreffen – nicht nur die, die von selbst Maßnahmen ergreifen.

Mehr zu diesem Thema
Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Schreib den ersten Kommentar!
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Anzeige
Anzeige