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NFTs kaufen: Lohnt sich das noch oder ist die Blase geplatzt?

Noch vor wenigen Monaten haben NFT von Beeple bis Bored Apes Millionenpreise erzielt. Heute ist der große Hype vorbei. Übrig bleiben Web3-Fans, die immer noch „bauen“: Soulbound Token, NFT mit Utility oder Kollektion großer Marken. Was bringt das?

9 Min. Lesezeit
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Metabrew zeigt, wie real und anfassbar NFT sein können: Wer Token der Craftbeer-Brauerei aus Bayern kauft, bekommt einen Jahresvorrat an Bier nach Hause geschickt. (Abbildung: Niklas Lemaire)

Zwölf US-Dollar für einen ehemals 69-Millionen-Dollar-NFT. Das virtuelle Kunstwerk „Everydays: The First 5000 Days“ vom Digitalkünstler Beeple ist der teuerste jemals verkaufte Non-Fungible-Token. Jetzt werden für ihn nur noch eine Handvoll Dollar ­geboten. Krypto­kritiker sehen sich bestätigt: NFT sind nutzlos und Betrug. Befürworter halten dagegen: Der Preisrutsch führt zu einer notwendigen Marktbereinigung und die Kryptokurse ­holen nur Schwung für den nächsten Höhenflug. Beginnt damit eine neue NFT-Ära oder sollten wir die Reste einer geplatzten Blase auffegen?

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NFT geben Bildern, Memes, Avataren und allem, was sonst bislang kostenlos im Internet weitergereicht wurde, ein Preisschild. Sie sind digitale Zertifikate für Besitz im Metaverse und können viel über Vorlieben und Identität ihrer Inhaber verraten. Mit Beeple hatte im März 2021 der Hype einen Höhepunkt erreicht. Wie im Goldrausch stürzten sich Spekulanten auf begehrte NFT, denn die Preise stiegen und stiegen. Was dort glänzte, waren vor allem Kunst-NFT und computergenerierte Porträts von Figuren, wie den Cartoon-Affen des ­Bored Ape Yacht Clubs.

Doch dann platzte 2022 die Blase und selbst die ­Preise für die wertvollsten NFT fielen. Auch die Token aus dem Bored Ape Yacht Club waren plötzlich nur einen Bruchteil ihres Spitzenpreises wert. Auf der größten NFT-Plattform Opensea wurde 90 Prozent weniger gehandelt als zuvor. Viele NFT-Projekte verschwanden wieder und mit ihnen das Geld der Anleger.

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Was kommt nach dem NFT-Hype?

Konzerne und NFT-Fans wollen sich heute von der Gier der Spekulanten im Hypejahr 2021 abgrenzen. Sie setzen weiter auf die Vision des Internets der Zukunft, das Web3. NFT sollen ­dabei eine wichtige Rolle spielen. Blockchains sind die ­Grundlage für eine Digitalwirtschaft, die aus Token besteht. Dezentral soll es sein und besser als das Internet, das uns Techkonzerne ­momentan bieten.

Diese Vision trieb im September 2022 viele Web3-Fans zur Kölner Messe: ein Klassentreffen von Startup-Gründern, NFT-Enthusiasten, Marketingleuten und Web3-Beratern. Nach ­Vorträgen zu virtueller Kleidung, dezentralen Finanzlösungen, dem Metaverse und den besten Marketingstrategien dazu, schmeißt die Investmentfirma w3.funds eine Party am Messestand. Eine DJ legt auf, die Menschen tanzen und trinken Bier, das es sonst nur per NFT zu bestellen gibt.

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Dass die Preise für die Token schon seit Monaten sinken, scheint egal zu sein. Nach dem Motto: Die Möglichkeiten der ­Technologie sind ja trotzdem unendlich und wir bauen alle gemeinsam an der dezentralen Zukunft des Internets. Die Web3-Szene ist noch klein, man kennt sich von Discord oder Linkedin. Und jetzt endlich auch „IRL – in real life“.

Soulbound NFT: Setzen DAO neuen Trend?

Stark vertreten: Mitglieder von Decentralized Autonomous ­Organizations (DAO), die ähnlich wie Unternehmen ­funktionieren, aber basisdemokratische Strukturen haben, die über Token organisiert werden. Wer so tief in der dezentralen Techwelt steckt, hat meist bereits gut bestückte Wallets mit verschiedenen NFT. Auf der Web3-Party sprechen sie auch über eine neue Art von NFT, mit denen sich nicht handeln lässt: Soulbound, also an eine bestimmte Wallet geknüpft, sollen sie sein und könnten wie eine digitale Visitenkarte auf der Blockchain fungieren.

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Zu „minten“ gibt es auf der Messe natürlich auch etwas: 5.000 Neugierige scannen den QR-Code der Veranstalter. Nur acht Prozent von ihnen sichern sich aber letztendlich die digitale Teilnahmeurkunde, den kostenlosen Proof-of-Attendance-NFT. Es ist ein Abend, der auf vielen Selfies ­festgehalten wird. Ein beliebtes Motiv: der Pappaufsteller von Vitalik ­Buterin in Pyjamahosen. Er hat das Rückgrat der Web3-Bewegung, die Ethereum-Blockchain, mitentwickelt und ist ein ­angesehener Krypto-Promi – bislang zumindest.

Wie kurz der Weg vom Krypto-Olymp zur Anklagebank ist, zeigt nur Wochen später Sam Bankman-Fried. Betrug und Geldwäsche wird dem Gründer von FTX, einer der ehemals größten und jetzt insolventen ­Kryptobörsen vorgeworfen. Im Herbst 2023 soll sein Prozess in den USA starten.

„Trotz der volatilen Märkte haben weiterhin viele große Unternehmen Interesse an NFT.“

Metabrew und Female Pleasure Society: NFT mit Utility

Davon ahnen die Messebesucher im September in Köln noch nichts. Eine lange Schlange hat sich an einem der Stände gebildet. Dort fließt Craftbier in Plastikbecher. Es kommt aus einer Braue­rei in einem kleinen bayerischen Ort, in dem die Anwohner die neuen Besitzer kritisch beäugen. Der Grund: Das Bier ist Teil des NFT-Projektes Metabrew. Die Token sind digitale Wertmarkeneines Produktabos. Wer einen der 1.000 US-Dollar teuren NFT besitzt, bekommt eine Jahresration von 200 Dosen Bier zugeschickt. Ein Projekt, das auch außerhalb der Web3-Welt Aufmerksamkeit bekommt.

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Am selben Messestand werden auch Cocktails ausgeschenkt. Sie sollen Frauen Lust machen und ihre Laune heben. So verspricht es der Sirup der Female Pleasure Society, den es ebenfalls im NFT-Produktabo gibt. Metabrew-Mitgründer Holger ­Mannweiler ist auch an diesem Startup beteiligt. Es will mehr Frauen für NFT begeistern und sie nebenbei mit den Token an die ­Marke binden. Durch ihr Investment sollen die Kundinnen ein Teil der Marke werden, vielleicht sogar am Erfolg des Unternehmens
beteiligt werden.

16,5 Milliarden US-Dollar war der Markt für NFT Anfang 2022 wert. Gerade mal mehrere Hundert Millionen Dollar sind ein Jahr später übrig geblieben. Steigende Zinsen, wachsende Inflation und drohende Rezession haben die Goldgräber risikoscheuer gemacht. Genauso auf dem eng verwandten Kryptomarkt. NFT und Kryptos teilen sich dieselben Blockchains, werden gegeneinander getauscht und in denselben Wallets verwahrt. Preisrückgänge? „WAGMI!“ – We’re all gonna make it. Das ist nur ein vorübergehender „Bärenmarkt” oder „Kryptowinter”. Eine Phase, die endet. Wann? Das finden wir heraus. Und so lange bauen wir an neuen, noch besseren Projekten, lautet die Devise der Web3-Anhänger.

„Winter is coming“: Die besten Memes zum Kryptowinter Quelle: coinmotion

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Porsche: NFT-Kollektion für die Überholspur

Ein NFT-Projekt brachte Porsche im Januar auf die Blockchain: Kunstwerke zum Porsche 911 für Fans der Luxusautos. Der Mint lief allerdings schleppend. Nur rund 30 Prozent der verfügbaren NFT wurden in den ersten Tagen abgerufen. Es hagelte Kritik aus dem Lager der Web3-Fans: Zu hoher Preis (0,911 Ether, zum Mint-Zeitpunkt etwa 1.400 Euro wert), fehlende Strategie, schlechtes Marketing, Zielgruppe verfehlt.

Porsche schärfte seine Strategie nach und schloss den Mint vorzeitig. Und das zahlte sich aus: Das unerwartet knappe Angebot sorgte wohl für FOMO, die Angst etwas zu verpassen, denn kurz darauf zog die Nachfrage nach den Auto-Token deutlich an.

„NFT ermöglichen es, trotz kleinem Budget ein einzigartiges Produkt einer Luxusmarke zu besitzen“, sagt Tim Walther, der bei der Volkswagen Group Marketing die Entwicklung von NFT und des ­Metaverses verantwortet.

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Auf Kundenbindung per NFT setzen auch Modelabels wie Gucci, Prada, Hugo Boss und Lacoste. Sportschuhhersteller wie Nike oder Adidas verdanken Sneaker-NFT und Co. bereits Umsätze in Millionen­höhe. Aber auch Hersteller von Konsumgütern wie Coca-Cola, Budweiser oder Burger King gehen Partnerschaften mit NFT-Projekten ein oder basteln an eigenen Metaversen.

„Trotz der volatilen Märkte haben weiterhin viele große Unternehmen Interesse an NFT“, sagt Tim Walther. Gemacht werden diese NFT großer Marken nicht für Spekulanten. Sie sollen Kunden und Markenfans begeistern und emotional mit der Marke zusammenbringen, so Walther. Für Marketeers führen die Token Merchandiseprodukte im digitalen Raum weiter. „Wir sind noch in einer frühen Phase der Entwicklung, in der viele Projekte zunächst primär einen Marketingfokus haben. Aber einige Marken zeigen bereits, dass auch Businessmodelle durch NFT entstehen können“, sagt Walther.

Im Mai 2022 hatten die Bored Apes von Yuga Labs noch Rekordpreise erzielt – nicht zuletzt wegen des Metaverse-Projekts „The Otherside“. Mittlerweile haben die virtuellen Grundstücke teilweise zwei Drittel ihres Werts eingebüßt. (Abbildung: Niklas Lemaire)

Welche NFT sind wertvoll?

Erfolg wird im Web3 an einer starken und kaufkräftigen ­Community gemessen. NFT-Käufer und solche, die es noch werden wollen, bilden Fangemeinden auf den eigenen Servern des Messagingdienstes Discord. Doch nicht jeder darf in diese Chat­räume. Besonders elitär sind die Clubs von teuren Kollektionen wie den Bored Apes, Meebits oder Cryptopunks. Zeitweise wurden sie für Millionen US-Dollar pro Stück gehandelt und blieben trotz ­Ramschpreisen Statussymbole in der virtuellen Welt.

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Im Mai 2022 verloren die Bored Apes über 80 Prozent an Wert. Kurz davor waren die Preise für die Affen-NFT noch auf ihr Allzeithoch geklettert. Der Grund für die Euphorie: Wer zum Stichtag einen Ape besaß, bekam digitales Land im dazugehörigen ­Metaverse „The Otherside“. Doch die digitale Spielwiese überzeugt nur wenige. Yuga Labs kassierte 320 Millionen US-Dollar für den Erstverkauf der virtuellen Landstücke. Käufer sitzen jetzt auf ihrem Land, das teilweise zwei Drittel seines Wertes verloren hat.

Ähnlich erging es anderen Gegenständen für das Metaverse: Häuser, Kleidung oder persönliche Gegenstände, die von Avataren in der virtuellen Welt genutzt werden. NFT sorgen per Blockchain-Eintrag dafür, dass sie der Wallet des Käufers zugeordnet werden können. Die Auswahl virtueller Sneaker ist schon beachtlich groß, dabei steckt das Metaverse selbst noch in den Kinderschuhen.

Bored Ape Yacht Club: Teure NFT, treue Fans

Metaverse, wie eine Umfrage der Universität der ­Bundeswehr München Anfang Dezember 2022 herausfand. Aktuell lebt das Metaverse hauptsächlich vom Gaming. In Spielen wie ­Fortnite oder Roblox geht es vielen Gamern nicht nur um das Spiel selbst, sie nutzen die Onlinewelt als Treffpunkt. Auch Yuga Labs, die Firma hinter den Bored Apes, will per Gaming Menschen ins ­Metaverse holen und stellte im Dezember einen CEO mit ­Gaming-Erfahrung ein.

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Zu jedem Projekt gehört eine Story. Die Erfinder des Bored Ape Yacht Clubs sind darin besonders gut. Anfang des Jahres fordert ein Hundeprophet auf Drogen alle Ape-Besitzer zu einem Browser­spiel heraus. Die besten Spieler werden mit neuen NFT belohnt. Ziel ist es, den Schlüssel zu einer magischen Schatulle zu „retten“. Affe Jimmy hat ihn zuvor im Partyrausch verschluckt und sitzt nun ohnmächtig auf dem verriegelten Klohäuschen. Da es offenbar keinen anderen Weg gibt, müssen sich die Ape-Fans nun durch die virtuelle Kanalisation zum Schlüssel durchkämpfen.

„Relevant werden NFT als digitales Eigentum im ­Metaverse aber erst, wenn wir deutlich mehr Gründe haben, Zeit in ­dieser digitalen Welt zu verbringen”, sagt Vicktoria Klich. Mit dem w3.funds investiert sie in NFT und Startups und organisiert Treffen wie das auf der Kölner Messe. Für sie beendeten die gefallenen Preise für NFT die Goldgräberstimmung, nicht aber die Entwicklung von NFT. Kollektionen wie die von Bored Apes werden von nachhaltigeren Geschäftsmodellen überholt, ­vermutet Klich. NFT in Videospielen, für persönliche Dokumente oder als digitale Zugangsschlüssel hätten Potenzial.

Mit dem Bored Apes Yacht Club hat Yuga Labs eines der populärsten NFT-Projekte geschaffen. (Abbildung: Matteo Prandoni)

Mit dem Bored Apes Yacht Club hat Yuga Labs eines der populärsten NFT-Projekte geschaffen. (Abbildung: Matteo Prandoni)

Sparkasse: Erste eigene NFT-Kollektion

Als mutige Vorreiter von Banken in der NFT-Welt sehen sich drei Sparkassen, die im Oktober mit einer DAO zusammen die ersten NFT herausgaben: ein animiertes Sparschwein namens Toni zum Weltspartag. Die Nachfrage blieb aber überschaubar: Lediglich 376 der 1.000 kostenlosen Token sicherten sich die Sparkassenkunden und wurden dafür mit einer kostenlosen Kreditkarte belohnt.

Wer sich auf der Web3-Party in Köln für das Bier der bayerischen Metaverse-Brauerei begeistert und den entsprechenden NFT gemintet hat, den erreichte kurz vor Weihnachten ein großes Paket: die erste Bierlieferung. Mehr als 1.000 Stück sind schon verkauft, sagt Mitgründer Tim Drebes. „Über eine Million US-Dollar Einnahmen – damit sind wir zur aktuellen Marktlage eines der erfolgreichsten Projekte“, sagt er. „Wir hoffen trotzdem auf einen weiteren größeren Schwung an Mints, sobald der Kryptomarkt wieder nach oben geht, und die Leute mitbekommen, dass wir das Versprochene wirklich liefern.“

Schlechteres Timing hatte der Mint der NFT zur Frauengesundheit: Er begann in der Woche nach der FTX-Insolvenz im November. Das habe die Community eingeschüchtert, sagt die Gründerin Vanessa Schäfer. Abschreckend wirkte auch die zentrale Plattform, über die der Mint stattfand. Deswegen will das Startup nicht mehr ausschließlich auf NFT setzen. Weniger Blockchain für mehr Libido.

Warum sollte man NFT kaufen?

Noch erinnert das Treiben um NFT an eine bunte und unterhaltsame Spielwiese, auf der sich mehr und mehr Konzerne tummeln. Dabei reichen die Pläne für NFT weiter. Auch kritische ­Objekte wie Grundbucheinträge oder digitale Identitäten könnte es in Form von NFT geben. Kryptokritiker Jürgen Geuter sieht darin eine Gefahr für Endkunden. Als „Tante“ warnt der Informatiker auf seinem Blog vor den Risiken der Blockchain-Technologie. NFT seien zu fragil und zu anfällig für Phishing und Scaming. „Das sind eigentlich grundsätzliche Ausschlusskriterien für NFT, aber wie so vieles, werden NFT im nächsten Kryptohype – wahrscheinlich unter anderem Namen – wiederkommen“, sagt er.

Und tatsächlich ist in der Szene verstärkt von „Digital ­Collectibles“, „Digital Items“, „Virtual Apparels“ oder „­Virtual Goods“ die Rede, dahinter steckt meist dieselbe Technologie wie bei NFT. Besonders große Unternehmen, die Menschen mit wenig Web3-Vorwissen ansprechen wollen, geben lieber „­Digital Collectibles“ als die verschrienen NFT heraus. „Für den nächsten Hype können wir nur hoffen, dass wir bis dahin mit der Regulierung wirklich so weit sind, dass wir die Endkunden und Endkundinnen vor den ­schlimmsten Auswüchsen schützen können“, sagt Geuter.

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