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Microsoft im Metaverse – alles Mesh

Das Metaverse … unendliche Weiten und Möglichkeiten, geht es nach Facebook. Microsoft arbeitet im Grunde schon viel länger daran und hat schon einige konkrete Pläne parat.

6 Min. Lesezeit
Ein Meetingraum in Mesh for Teams. (Bild: Microsoft)

Während Meta (ehemals Facebook) noch an der konkreten Umsetzung seiner Metaverse-Pläne zu werkeln scheint, hat Microsoft schon länger recht spezifisch erklärt, was dem Redmonder Softwarekonzern im virtuellen Raum vorschwebt. Schon vor beinahe sechs Jahren präsentierte Microsoft Konzepte und Lösungen wie Windows Holographic, ein virtuelles Computer-Interface, oder mit Holoportation eine Lösung, um Personen bei Videochats als Hologramm ins Wohnzimmer oder ins Büro zu bringen. Aber auch abseits des Büroumfelds verfolgt der Hersteller große Pläne.

Microsoft werkelte schon am Metaverse, bevor es Metaverse hieß

Microsofts Pläne für ein Office im virtuellen Raum hatte der Hersteller im März 2021 mit seiner Plattform Microsoft Mesh angekündigt. Diese war im Grunde ein erster Baustein für den Einstieg ins Metaverse. Damals wurde nur der von Meta und Mark Zuckerberg gesetzte Begriff nicht genutzt.

Holoportation ins Metaverse: In Microsofts Mesh-Plattform sollt ihr euch als Hologramm mit anderen austauschen können. (Bild: Microsoft)

Microsoft Mesh ist quasi Microsofts eigene Interpretation des Metaverse, die noch breiter als Metas verstanden wird: Denn auf der Mesh-Plattform können Nutzer:innen als Hologramme auftreten, die im dreidimensionalen virtuellen Raum miteinander interagieren können. Microsoft nennt diese Lösung Holoportation und macht aus seinem Jahre alten Konzept Realität. Denkbare Anwendungsfelder seien etwa das Büroumfeld, aber auch Messen oder Besprechungen. Die Nutzererfahrung soll am Ende so gestaltet sein, als würde man sich in einem real anfühlenden Raum aufhalten und interagieren.

Vollkommen fertig für den Massenmarkt ist das Produkt noch nicht, wie etwa Joanna Stern vom Wall Street Journal vor etwa einem Jahr feststellen konnte. Die Holoportation-Erfahrung habe sie zwar beeindruckt, das damals erforderliche Übermaß an Technik und Verkabelung sei aber noch wenig alltagstauglich gewesen. Die Technik wird aber wohl noch verfeinert und soll zu einem späteren Zeitpunkt angeboten werden. Vorteile der Holoportation liegen gerade während der Coronapandemie und dem Hybrid-Office-Ansatz auf der Hand: Es ist möglich, sich mit Kolleg:innen auszutauschen und an gemeinsamen Projekten zu arbeiten, ohne reisen zu müssen.

Microsoft: Mesh for Teams ist das „Tor ins Metaverse“

Microsoft Mesh Metaverse

Ein Meetingraum in Mesh for Teams. (Bild: Microsoft)

Eines der ersten marktreifen Produkte mit Mesh-Integration ist Microsofts Kommunikationsplattform Teams, die als „Tor zum Metaverse“ verstanden wird. Laut Hersteller könne darauf jede:r von AR-fähigen-Smartphones und -Laptops bis hin zu Mixed-Reality-Headsets zugreifen. Online-Meetings könnten per Mesh for Teams „persönlicher, ansprechender und unterhaltsamer“ gestaltet werden. Microsoft erklärt jedoch, das „die größte Vielfalt an Möglichkeiten bei der Nutzung“ die Hololens 2 mit ihren Mixed-Reality-Funktionen biete. Es sei damit etwa möglich, dass Nutzer:innen mit Hologrammen im Raum interagieren können, die in ihr Sichtfeld eingeblendet seien. Auch VR-Headsets werden künftig unterstützt.

Mesh for Teams: Microsofts Verständnis des Metaverse geht weiter als das von Facebook, da ihr eure Avatare auch in Videocalls nutzen könnt. (Bild: Microsoft)

In Mesh for Teams haben Nutzer:innen verschiedene Optionen der Repräsentation: Sie können als virtuelle Avatare auftreten, die optional anstelle einer Bildübertragung in Videokonferenzen genutzt werden können. Ebenso sei es möglich, sich in dreidimensionalen virtuellen Räumen zu treffen. Mit dem Einsatz von personalisierten Avataren könne man beispielsweise auch trotz abgeschalteter Kamera den Augenkontakt halten oder unterschiedliche Emotionen über die künstliche Mimik das Avatars ausdrücken. Für die Nutzung der Avatare sei eine VR-Brille nicht zwingend notwendig und sie können uns sowohl in 2D als auch in 3D repräsentieren.

Mesh for Teams: Avatare unterstützen Mimik und Gesten. (Bild: Microsoft)

Damit unsere virtuellen Zwillinge lebendig erscheinen, nutzt Microsoft KI: Wenn wir sprechen, bewegt auch unser virtuelles Abbild seine Lippen und zeigt Mimik. In immersiveren 3D-Meetings werden die Animationen etwa um das Heben der Hände und Mimik erweitert, wenn die Option „Hand heben“ aktiviert wird oder wir ein Emoji wählen. In den virtuellen Räumen von Mesh for Teams können Microsoft zufolge normale Meetings abgehalten werden, es sei aber ebenso möglich, darin kollaborativ zu arbeiten. Die jeweiligen Räume sollen sich je nach Meeting-Art und Anforderungen anpassen lassen.

Unternehmen können eigene Räume erstellen

Abseits der Standardräume soll es Unternehmen ermöglicht werden, ihre virtuellen Räume flexibel an ihre eigenen Bedürfnisse anzupassen und sie gar realen Räumen nachzuempfinden. Zudem seien der Phantasie kaum Grenzen gesetzt. So könnten etwa Reiseunternehmen virtuelle Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten anbieten, Architekturbüros Gebäude virtuell zugänglich machen und vieles mehr.

Microsofts Mesh for Teams soll in einer Vorschau-Version im Laufe des ersten Halbjahres für die Hololens an den Start gehen. Eine Microsoft-Mesh-App steht zudem seit der Ignite 2021 als Preview bereit. Weiter können Interessierte eine Mesh-fähige Version von Altspace VR beantragen, die es Firmen ermögliche, Meetings und Arbeitstreffen in der virtuellen Realität abzuhalten.

Diese Lösungen sind nur der Anfang. Denn das Unternehmen hatte versprochen, ähnliche Funktionen auch in Dynamics 365 zu bringen. Wann damit zu rechnen sein wird, ist unklar.

Microsoft will das Metaverse nicht nur im Office dominieren

Microsoft macht zwar im Business- wie im Office-Bereich und mit dem Cloudgeschäft den meisten Umsatz, im Gamingbereich will das Unternehmen aber künftig noch stärker als bisher mitmischen und diesen auch ins Metaverse verfrachten. Hierfür hat der Xbox-Bauer die Spieleschmiede Activision Blizzard für knappe 70 Milliarden US-Dollar übernommen. Mit dem Deal wird Microsoft nicht nur der drittgrößte Gameentwickler in Sachen Umsatz, sondern hat den Plan, sich im Metaverse breiter aufzustellen.

Das bestätigte der Microsoft-CEO Satya Nadella nach der Ankündigung gegenüber Medien und Investoren. Er gehe davon aus, dass es nicht nur ein zentrales Metaverse geben werde, sondern mehrerer Metaversen. Denen wolle Microsoft sich zuwenden: „Wir müssen verschiedene Metaverse-Plattformen sowie ein umfangreiches Ökosystem von Inhalten, Unternehmen und Anwendungen unterstützen. Im Bereich der Videospiele sehen wir dieses Metaversum als eine Sammlung von Gemeinschaften und individuellen Identitäten, die mit einigen starken Marken verbunden und von jedem Gerät aus zugänglich sind“, sagte Nadella.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Microsofts Verständnis des Metaverse sich von Facebooks unterscheidet. Während Facebook, als Hersteller von Oculus-Headsets nicht ganz uneigennützig, auf VR-Brillen setzt, um in das Metaverse einzusteigen, verfolgt Microsoft mit AR-Smartphones und -Tablets einen möglichst breiten und niederschwelligen Ansatz. Vermutlich dürften Nutzer:innen jedoch die beste „Mesh“-Erfahrung mit der hauseigenen Mixed-Reality-Brille Hololens 2 oder dem geplanten Nachfolger haben.

Zudem legt Microsoft seinen Fokus zunächst auf das Office-Umfeld, um damit etwa geografisch weit zerstreute Teams näher zusammenzubringen. Durch den Activision-Blizzard-Deal wird der Konzern aber auch über kurz oder lang weitere Metaversen mit Gamingfokus aufbauen. Dabei versteht er Games wie „Minecraft“, „Halo“ und den „Flight Simulator“ als jeweils eigenes Metaverse, da sie Mehrspielermodi besitzen. Nach diesem Verständnis dürften auch Blizzards kommendes „Overwatch 2“ und „World of Warcraft“ als jeweils eigenes Metaverse durchgehen. Schon im Zuge der Ankündigung des Deals sagte Nadella, dass die Übernahme „eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Metaverse-Plattformen spielen wird“.

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