Ratgeber

Warum noch reisen? Technik und Lösungen für Video-Konferenzen

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Anymeeting: (Fast) alles geht im Browser

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Die Firma Anymeeting, die eine gleichlautende Software für Webinare und Video-Konferenzen anbietet, wurde ganz aktuell Anfang September 2017 vom ebenfalls US-amerikanischen Anbieter Intermedia übernommen, der sich laut eigenen Angaben als Provider für Business-Anwendungen aus der Cloud versteht. Laut Presseverlautbarungen richtet sich das Unternehmen speziell an Anwender an kleine und mittelgroße Firmen. Leider scheint das Unternehmen im Moment noch komplett auf den amerikanischen beziehungsweise englischsprachigen Markt ausgerichtet zu sein: Die Website steht aktuell ebenso wie die Software leider nur in englischer Sprache bereit – das war bei keinem der anderen Kandidaten der Fall. Wer auf die Website geht, bekommt dort zwar das Angebot, die Lösung kostenlos 14 Tage zu testen, muss dabei aber zwingend seine Kreditkartendaten eingeben. Zudem muss der Kunde dieses Angebot dann noch rechtzeitig wieder kündigen. Ein solches Gebaren, dass ebenfalls bei keinem der anderen Testkandidaten zu finden war, mag auf dem amerikanischen Markt durchaus üblich sein, für die meisten deutschen Unternehmen aus dem KMU-Bereich ist es sicher ein Ausschlusskriterium. So findet der Nutzer die von uns dann getestete freie Version auch nur versteckt auf der Website ganz unten unter „Free Services“ oder indem er bei der Abfrage der Kreditkartendaten abbricht und sich dann wieder anmeldet.

Das ist schade, denn abgesehen von der englischen Sprache präsentierte sich die Lösung technisch durchaus auf dem Stand der Zeit. Zumal sie zu den wenigen Lösungen im Testumfeld gehörte, die wirklich komplett im Browser-Fenster eingesetzt werden können. Allerdings ist es dabei zum Beispiel beim Chrome-Browser für den Zugriff auf die Audio- und Video-Hardware notwendig, ein entsprechende Plugin zu laden. Die freie Version der Software unterstützt bis zu vier Teilnehmer. Sie beinhaltet zwar eine Telefonnummer für Konferenz-Calls, diese beschränkt sich aber in der freien Version auf die USA. Die HD-Auflösung soll laut Website auch bei der freien Version 720p betragen, rein subjektiv wirkten die Bilder in unserem Testumfeld aber unschärfer als die vieler Mitbewerber. Wer die Version „Meeting Lite 10“ für 18 Dollar im Monat oder 180 Dollar jährlich wählt, kann Meetings mit bis zu zehn Teilnehmern einberufen. Kostenfreie internationale Rufnummern und die Möglichkeit, eine Videokonferenz aufzuzeichnen, stehen allerdings erst bei den größeren Pakten zur Verfügung. Das Teilen des Bildschirms mit Hilfe dieser Lösung war die angenehmste Überraschung: Es klappte direkt im Browser-Fenster schnell und zuverlässig, wobei der freigegebene Schirm weitaus schärfer als die Videobilder der Teilnehmer dargestellt wurden. Trotz dieser guten Technik kommen wir zu dem Ergebnis, dass diese Lösung noch einige Verbesserungen und Veränderungen braucht, wenn sie auf dem deutschen Markt gegen das starke Feld der Mitbewerber antreten will.

Zoom: Ausgereifte Technik mit vielen Möglichkeiten

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Bei dem Testkandidat Zoom handelt es sich ebenfalls um einen Anbieter aus dem amerikanischen Bundesstaat Kalifornien, der aber seine Hausaufgaben in Richtung internationaler Auftritt doch deutlich umfassender erledigt hat. Die Website steht ebenso wie die Software in deutscher Sprache bereit, nur wer tiefer in die technische Dokumentation eindringen will, muss auf Englisch ausweichen. Das Grundprinzip bei Zoom besteht darin, dass es bei allen angebotenen Paketen einen Moderator mit der entsprechenden Lizenz gibt, der dann bis zu 100 Teilnehmer hosten kann, die keine Zoom-Lizenz benötigen. Beim kostenlosen Basic-Angebot ist ein Meeting mit drei oder mehr Teilnehmern auf 40 Minuten begrenzt, während die Anzahl der Meetings unbegrenzt ist. Für „Vier-Augen“-Gespräche gilt keine zeitliche Begrenzung.

Sonst eher selten zu finden: Bereits bei der freien Basic-Version steht den Anwendern die Möglichkeit der lokalen MP4- oder M4A-Aufzeichnung (M4A ist ein Container-Format für MPEG-4-Inhalte) zur Verfügung – was im Test auch problemlos funktionierte. Für die Einwahl per Telefon stehen in der Basisversion lokale Nummern, auch in Deutschland, bereit. Kostenfreie Nummern stehen erst bei den größeren Paketen zur Verfügung, wobei deren Nutzung mit einer Extragebühr (pauschal ab 100 Euro pro Monat oder nutzungsabhängig) verbunden ist. Bild- und Tonqualität waren bei unseren Tests sehr gut und auch die Bildschirmfreigabe klappte ohne Schwierigkeiten. Dabei können Moderatoren, die den Zoom-Desktop-Client verwenden, mehrere Teilnehmer zur gleichzeitigen Bildschirmfreigabe während eines Meetings zulassen. Was uns aber vor allen Dingen überzeugt hat, war die einfache und sehr intuitive Bedienung dieser Lösung. Gab es bei einigen anderen Programmen während der Sitzungen häufig Nachfragen der Art: „Wo ist denn die Einstellung?“ oder „Wie gebe ich was frei?“, hatten wir keine Schwierigkeiten, solchen Einstellungen beim Zoom-Client sofort zu finden.

Fazit: Videokonferenzen sind grundsätzlich kein Problem mehr

Im Vergleich zu früheren Tests mit diesen aber auch anderen Anwendungen für Video- und Web-Konferenzen zeigen die hier vorgestellten Kandidaten eine große Reife der Entwicklung: Mit allen Programmen können Nutzer schnell und in der Regel auch zuverlässig eine Videokonferenz initiieren. Auch die notwendigen Features wie Whiteboard-Unterstützung, Bildschirmteilen oder Aufzeichnen der Sitzung werden fast immer angeboten. Die Bild- und- Tonqualität reicht von gut bis sehr gut. Zudem können die meisten Produkte einfach so mit Hilfe eines Browsers gestartet und genutzt werden, was beispielweise das schnelle Einbinden von externen Teilnehmern erleichtert, die sich nicht im Firmennetzwerk befinden.

Da setzt aber auch unsere Kritik an: Dass es im Jahr 2017 immer noch Hersteller gibt, die bekannte Browser wie den Firefox nicht unterstützen oder gar verlangen, dass die Nutzer die „ewige Sicherheitslücke“ Flash-Player installieren (wenn es auch nur für die Tutorial-Videos ist), hätten wir eigentlich nicht gedacht. Aber der Kunde hat es ja in der Hand und sollte bei den Produkten die teilweise kurze Testphase nutzen, um das Produkt seiner Wahl zu finden. Denn das Tool „Video-Konferenz“ ist nutzlos und kontraproduktiv, wenn die Nutzer zunächst die technischen Schwierigkeiten lösen, endlos installieren oder die entsprechenden Einstellungen umständlich suchen müssen.

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Eine Reaktion
hannakoch

Sehr guter Artikel, der zusammenfassend die Dinge in die richtige Perspektive rückt und beim Vergleichen der unterschiedlichen Videokonferenz-Plattformen eine beeindruckende Arbeit geleistet hat. Allerdings bin ich überrascht, dass der Autor nicht Blizz in diese Liste aufgenommen hat. Blizz von TeamViewer ist ein deutsches Produkt – wie kommt es, dass man es nicht aufgeführt hat? Als jemand, der den größten Teil des Tages an Online Meetings teilnimmt, darf ich behaupten, dass Blizz genau das macht, was es soll, und manchmal sogar besser als einige der in Ihrem Artikel vorgestellten Plattformen. Ich schlage vor, einen Blick darauf zu werfen und eventuell die Liste zu komplettieren

Antworten

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