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5 Jahre Tiktok: Diese 5 Momente zeigen, dass Tiktok mehr ist als tanzende Teenies

Tiktok wird fünf Jahre alt! Die wenigsten haben 2016 geahnt, welche Wellen die App schlagen wird. Hier sind fünf Momente, die zeigen: Bei Tiktok geht’s um mehr als singende Teenies.

6 Min. Lesezeit
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In den fünf Jahren Tiktok gab es Höhe- und Tiefpunkte: Von geknackten Downloadcharts bis hin zum Trump-Ban wegen Datenspionage-Vorwürfen gegenüber Bytedance. (Foto: Mercurious/Shutterstock)


Im September 2016 wurde Douyin veröffentlicht, eine App für Kurzvideos. Das war der Startschuss für eine Entwicklung, die Tiktok heute zu einer der beliebtesten Social-Media-Plattformen macht. 2016 war davon noch nichts zu sehen: Douyin war nur auf dem chinesischen Markt verfügbar. Die Konkurrenz bestand aus Vine und Musical.ly – Vine wurde aber schon im Januar 2017 eingestellt. Musical.ly hatte zwar weltweit 140 Millionen Nutzer:innen, vier Millionen davon in Deutschland, kämpfte aber mit einer Menge Problemen wie Cybergrooming und Pädophilie. Bytedance kaufte Musical.ly im September 2017 und bastelte aus Musical.ly und Douyin die globale Schwesterapp Tiktok.

Schon Musical.ly wurde skeptisch betrachtet: tanzende Jugendliche, die so taten, als würden sie ein Lied singen? Plötzlich aber schwappte 2017 der Erfolg der Zwillinge Lena und Lisa von Musical.ly zu Instagram – und in Deutschland hatten nur Toni Kroos und Mesut Özil mehr Follower:innen als die beiden. Musical.ly-Influencer:innen waren im Mainstream angekommen. Doch der Hype flaute ab. Als 2018 angekündigt wurde, dass aus Musical.ly Tiktok wird, interessierte das viele Menschen nicht sonderlich– was tot ist, ist tot. Doch Tiktok versank nicht wie seine Vorgänger und Vine in der Versenkung – sondern wurde so relevant, dass selbst Instagram und Youtube sich gezwungen sahen, die Funktionen zu kopieren.

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Zum Fünfjährigen von Tiktok sind hier fünf Momente, die beweisen, dass Tiktok schon lange mehr ist als „die App für tanzende Teenies“:

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August 2019 bis heute: Tiktok sprengt die Download-Charts – immer und immer wieder

Zuerst die harten Zahlen: Seit 2019 gibt es – immer wieder überraschte – Berichte, dass Tiktok die Download-Charts anführt. 2019 wurde die App noch eher belächelt. Im September aber berichtet  Business Insider, dass Tiktok im August des Jahres die am häufigsten heruntergeladene App war, noch vor Whatsapp. Und so geht es weiter: erstes Quartal 2020? Platz 1 der Downloads. April 2020: Tiktok erreicht zwei Milliarden Downloads. Dezember 2020: Es war kein kurzer Trend – Tiktok ist über das gesamte Jahr 2020 gerechnet die am meisten heruntergeladene App. Zweites Quartal 2021: Tiktok ist immer noch die App mit den meisten Downloads – seit zwei Jahren!

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Tabelle mit den Mobile Apps, die im zweiten Quartal 2021 am häufigsten heruntergeladen worden sind.

Tabelle von Hootsuite mit den Mobile Apps, die im zweiten Quartal 2021 am häufigsten heruntergeladen worden sind. (Screenshot: Hootsuite via Slideshare/t3n)

Es hört und hört nicht auf: Neben den Downloads steigt auch stetig die Zahl der monatlich aktiven User:innen, Stand Januar 2021 sind es 689 Millionen (Statista). Die andauernde Popularität sorgte für Panik bei den bestehenden Plattformen – und für Copy & Paste: Youtube präsentiert Shorts, Facebook und Instagram kriegen Reels. Die „App für tanzende Teenager“ hat enormen Anteil an dem gigantischen Trend der Kurzvideos. Tiktok hat so Plattformen und ganze Branchen, beispielsweise Werbung, umgewälzt.

November 2019: Wachstum um jeden Preis – mit diskriminierender Content-Moderation

Wie können möglichst viele Inhalte möglichst allen gefallen? Indem es bloß keine Irritationspunkte gibt. Virale Inhalte kamen immer von heterosexuellen, able-bodied, weißen Menschen, die dem gängigen Schönheitsideal entsprachen – und das war gewollt. Netzpolitik veröffentlichte Auszüge aus den Moderationsrichtlinien: Berichte von Demonstrationen und sonstige politische Themen? Nope. Übergewichtige Menschen? Nope. LGBTQIA*-Content? Mit Geoblock versehen. Menschen mit Behinderung oder jene, die „entstellt“ sind, was auch immer das heißen soll? Nope, wie Netzpolitik ebenfalls herausfand.

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Angeblich wollte Tiktok damit Personen schützen, die einer erhöhten Gefahr von Cybermobbing ausgesetzt sind. Tiktok hat in der Zwischenzeit beteuert, nichts mehr zu zensieren und keine Creator:innen zu benachteiligen. Außerdem wurde ein Diversity Board eingerichtet, das #CreatorsForDiversity wählt. Trotzdem zensieren sich die Betroffenen noch immer selbst. In den Schriftblöcken innerhalb der Tiktok-Videos wird aus „gay“ beispielsweise „g4y“, um den Shadow-Ban gar nicht erst zu riskieren.

Juni 2020: K-Pop-Fans kapern Trump-Rallye

Nur eine Unterhaltungsplattform oder mehr? Wie politisch ist Tiktok? Sehr politisch, stellte sich im Juni 2020 heraus, als K-Pop-Fans dazu aufriefen, Plätze für Trumps Wahlveranstaltung ins Tulsa zu buchen – aber nicht hinzugehen.

Das Ergebnis: Zwei Drittel der gebuchten Sitze blieben leer. Die Halle in Tulsa fasste 19.000 Menschen – Trump stand vor weniger als 6.200 Menschen, wie Forbes berichtete. Diese Aktion ist das prominenteste Beispiel dafür, wie sich Menschen auf Tiktok zusammenschließen können – der Hashtag #blacklivesmatter hat über 28 Milliarden Aufrufe. LGBTQIA*-Communitys setzen sich für Akzeptanz und Gleichberechtigung ein und Therapeut:innen wie Betroffene klären über psychische Erkrankungen auf und kämpfen für eine Entstigmatisierung. Der Hashtag #adhdtiktok beispielsweise hat 1,4 Milliarden Aufrufe. Egal, was dir wichtig ist – es gibt dazu eine Nische und Community auf Tiktok.

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August 2020 bis Januar 2021: Das Ratatousical

Bei Tiktok findet sich geballte kreativer Energie – die ein ganzes Musical produziert hat! Es begann mit einer Ballade einer Lehrerin an Rémy, die Ratte aus Ratatouille:


Der Komponist Daniell Mertzlufft produzierte daraus die Schlussnummer für ein Musical, inklusive dramaturgischer Hinweise wie „Viel Glitter, Rémy in der Mitte der Bühne, hört sich an, wie die Fans ihn anbeten“. In den nächsten Wochen produzierten Creator:innen Plakate, Kostüme, Szenen bis hin zu Puppen und Bühnenbild. Disney gab das Okay – und am 1. Januar 2021 gab es den Stream des offiziellen Tiktok-Musicals Ratatouille. Die Einnahmen gingen an den Actors Fund, der Kunstschaffende in Amerika unterstützt, insbesondere während der Pandemie.

Wie auch bei Nathan Evans – siehe unten – zeigt sich die kreative und schöpferische Kraft der Nutzer:innen von Tiktok. Eine Idee kann jederzeit durch die Decke gehen und unzählige Menschen zu kreativen Höchstleistungen motivieren – ganz egal, wie trashig, irrelevant oder unsinnig sie zunächst erscheinen mag. Gerade das ist das Besondere dieser Community: dass Nischeninhalte plötzlich viral gehen und ein Disney-Film von 2007 eine Renaissance erlebt.

22. Januar 2021: Nathan Evans unterschreibt Plattendeal

Vielleicht kennt ihr seinen Namen nicht – aber eventuell habt ihr „Wellerman“ schon mal gehört. Im Radio zum Beispiel. Am 27. Dezember 2020 postet der Schotte Nathan Evans ein Sea-Shanty, ein Seemanslied:

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Und das Ding geht steil, weltweit sogar. Jede Person, die halbwegs singen kann, macht aus dem Tiktok ein Duett – das wird wiederum duettiert, bis sowas hier entsteht:

Im Januar 2021 berichten unter anderem die New York Times, die FAZ und Forbes davon. Nicht mal einen Monat nach dem Wellerman-Tiktok unterschreibt Evans am 22. Januar 2021 den Plattendeal, wie BBC berichtet. „Wellerman“ war 31 Wochen in den deutschen Charts, zehn davon auf Platz 1. (Selbstverständlich haben sich auch die selbsterklärten Seebären von Santiano den Schotten geschnappt und eine gemeinsame Version produziert.)

Evans ist nicht der einzige, der dank Tiktok weltweit Karriere macht: Charli D’Amelio spielt in Superbowl-Werbungen und Musikvideos mit und hat ein Buch geschrieben. Ihre Schwester Dixie D’Amelio ist mittlerweile Schauspielerin und Sängerin. Addison Rae hat eine eigene Kosmetik-Firma gegründet und spielte 2021 in einem Kinofilm mit. Tiktok ist nicht mehr nur Unterhaltung, sondern wie Youtube und Instagram auch ein Karrieresprungbrett für junge Menschen geworden. Für einige wenige jedenfalls.

Was bringt die Zukunft?

Wir haben es in den USA beobachtet: Trump wollte Tiktok verbieten, Biden hat das Verbot wieder aufgehoben. Tiktok hat viel Aufwand betrieben, um sich wieder als sichere, spaßige Plattform zu präsentieren und versucht immer wieder darzulegen, dass die chinesische Regierung nichts mit dem Unternehmen am Hut hat.

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Gerade haben wir uns also zurückgelehnt und gedacht: „Wird schon sicher sein“ – da kommt die NZZ mit einem Bericht um die Ecke: Der chinesische Staat hat seit Ende April 2021 einen Anteil von einem Prozent an Bytedance. Mehr noch, zu den zwei bestehenden Vorstandsmitgliedern habe der Staat eine dritte Person ernannt – und habe damit ein Vetorecht bei unternehmerischen Entscheidungen, so die Vermutung. Das riecht schon nach weiteren politischen Diskussionen und Datenschutz-Bedenken. Machen wir uns also einen Tee und stellen wir uns auf weitere Jahre Turbulenz und Aufregung ein!

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