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Google will ins Metaverse – aber anders als Zuckerberg

Die großen Techkonzerne bereiten sich mehr oder minder ambitioniert auf das Metaverse vor. Auch Google will mitmischen, fokussiert sich dabei aber weniger auf Virtual Reality – und nicht allein auf Metas Version.

6 Min. Lesezeit
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2020 übernahm Google den Smart-Glass-Entwickler North. (Bild: North)

Mit der Ankündigung des Metaverse hatte Meta, ehemals Facebook, die nächste, vage Zündstufe des Internets eingeläutet. Neben Meta will auch der Softwareriese Microsoft groß ins Metaverse einsteigen. Die beiden weiteren großen Player Apple und Google halten sich noch vornehm zurück. Was Apple für das Metaverse (und andere Zwecke) in der Pipeline haben könnte, haben wir schon für euch zusammengefasst. Nun schauen wir, was Google in Arbeit hat.

Google war früh dran mit AR und VR

Andreas Weck trägt die Google Glass 2013: „Ok Glass, take a picture!“ (Foto: t3n)

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Google hat schon früh versucht, die digitale und analoge Welt miteinander zu verschmelzen: Mit der 2013 vorgestellten „Datenbrille“ Google Glass war der Konzern einer der ersten größeren Konzerne, die ein solches Produkt auf den Markt brachten. Google Glass lieferte mithilfe eines Prismas Informationen wie Benachrichtigungen und Navigationsdaten direkt ins Auge und kann damit als Vorreiter im Bereich der Datenbrillen betrachtet werden. Jedoch war die Brille mit 1.500 US-Dollar sündhaft teuer und nur einer begrenzten Anzahl an Testern zugänglich. Außerdem scheiterte Google Glass unter anderem an der integrierten Kamera, die auch für Videoaufzeichnungen genutzt werden konnte und Datenschutzbedenken auslöste.

Die Bedenken hinsichtlich der Kamera haben sich zwar nicht in Luft aufgelöst, aber mittlerweile trägt jede:r eine hochauflösende Kamera im Smartphone mit sich herum. Konkrete Pläne zu einer Neuauflage für die breite Masse hat Google bislang nicht geäußert, allerdings bietet Google das Produkt seit 2019 für Unternehmen – etwa für die Logistik – an.

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Google Cardboard – Virtual -Reality-Brille in günstig. (Bild: Google)

Auch im VR-Bereich spielte Google früh mit: Zunächst hatte der Konzern mit Cardboard eine kostengünstige Lösung für den Eintritt in die virtuelle Welt parat. Bei dem Gadget handelte es sich um nicht mehr als ein kleines Gehäuse aus Pappe, in das ein Smartphone hineingeschoben werden musste. Die Low-Tech-Lösung war damals für etwa 15 Euro zu haben.

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Kurzer Atem bei VR – AR im Fokus

Als nächsten größeren Schritt in die VR-Welt kündigte Google 2016 seine VR-Plattform Daydream zusammen mit den ersten Pixel-Smartphones an. Wie bei Carboard wurde bei den Daydream-Headsets das Smartphone als Bildschirm und zentrale Recheneinheit genutzt. Google erklärte damals, dass man viel Potenzial in Smartphone-VR sehe. Vorteil dieses Ansatzes: Man habe das Smartphone stets bei sich und es ermögliche zusammen mit dem Headset ein „immersives On-the-go-Erlebnis“. Im Laufe der Zeit stellte das Unternehmen jedoch einige deutliche Einschränkungen fest, durch die Smartphone-VR keine langfristige Lösung werden konnte, und beerdigte seine Plattform 2019 schließlich.

Während das Thema VR bei Google seit dem Aus von Daydream keine relevante Rolle mehr spielt, sieht es mit AR gänzlich anders aus: Zwar wandte sich das Unternehmen von Google Glass ab, dennoch verfolgt Google weiterhin die Entwicklung von Augmented-Reality-Funktionen für Smartphones. Zunächst lancierte Google mit Project Tango Smartphones mit speziellen Sensoren. Dieses Projekt wurde allerdings ebenfalls wieder relativ schnell eingestampft. Die mit Tango gesammelten Erfahrungen waren aber nicht vergebens: Sie flossen in Googles AR-Core-Schnittstelle ein, die 2017 angekündigt wurde und seither stetig weiterentwickelt wird. AR-Core kann als eine Art Android-Version von Apples AR-Kit verstanden werden. Abgesehen von den üblichen Smartphone-Sensoren ist keine zusätzliche Hardware erforderlich, außerdem lässt sie sich selbst im Browser nutzen.

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Google: Mit AR-Core und einer großen Prise KI

Google Maps Live View. (Bild: Google)

AR-Core-Funktion: Google Maps Live View. (Bild: Google)

Um AR-Core ist es zwar ein wenig stiller geworden, jedoch nimmt die Schnittstelle einen relevanten Part ein und dürfte künftig wieder Fahrt aufnehmen, sofern Google sie nicht umbenennt oder in ein neues Projekt einfließen lässt. So erklärte ein Google-Sprecher 2019: „Wir investieren viel in hilfreiche AR-Erlebnisse wie Google Lens, AR-Walking-Navigation in Maps und AR in der Suche.“ Diese Lösungen verbinden die digitale und die physische Welt mithilfe eines Smartphones.

Auch Google-Chef Sundar Pichai spricht sich für die Weiterentwicklung von AR aus. Zuletzt sagte er im Oktober 2021, das Unternehmen würde über AR „nachdenken“, außerdem sehe man die Technologie als einen „wichtigen Investitionsbereich“ an. Ein weiterer, auch für AR relevanter Eckpfeiler ist Googles Stärke im Bereich KI. Denn fortschrittliche AR müsse die Umgebung verstehen, Bild- und Textverständnis mit künstlicher Intelligenz seien hierfür grundlegend. Mit MUM, kurz für „Multitask Unified Model“, hat Google im Mai 2021 ein multimodal trainiertes neuronales Netz vorgestellt, das dazu in der Lage ist, Wissen über Bilder und Texte zusammenzuführen. Dieses KI-Modell dürfte in Googles AR-Zukunft eine essentielle Komponente werden.

Bei der langfristigen Entwicklung neuer Produkte sei Pichai zufolge außerdem vor allem das sogenannte Ambient Computing relevant. Damit sind smarte Produkte gemeint, die nicht wie Computer aussehen, sondern in den Hintergrund rücken, wie etwa smarte Lautsprecher, Displays und mehr. Integraler Teil dieses Systems ist beispielsweise der Google Assistant, der als Sprachinterface dient. Auch AR-Hardware spielt bei Ambient Computing eine Rolle, so Pichai: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es neben dem Smartphone auch andere erfolgreiche Formfaktoren geben wird – und AR ist ein spannender Teil davon.“

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Neue AR-Hardware angeblich in Arbeit

Project Iris: Google arbeitet an eigenem AR-Headset. (Bild: North)

Wenngleich Pichai noch nicht konkret über Googles Hardware-Pläne spricht, ist wohl mit einem AR-Headset zu rechnen, wie The Verge im Januar 2022 berichtete. Google arbeitet dem Bericht zufolge an einem Headset, das intern den Codenamen Project Iris trage und 2024 auf den Markt kommen soll. Das Headset verfüge, ähnlich wie die kommenden Headsets von Meta und Apple, über nach außen gerichtete Kameras, um digitale Inhalte mit der realen Welt zu verschmelzen. Auf diese Weise solle ein besseres Mixed-Reality-Erlebnis geschaffen werden, als es bisher mit den AR-Brillen von Snap und Magic Leap möglich ist.

Für die Entwicklung der AR-Brille dürfte Google auf das Know-how des kanadischen AR-Brillen-Spezialisten North zurückgreifen. Der Entwickler smarter Brillen wurde 2020 von Google übernommen. Zudem sei Googles Hardwareabteilung unter Leitung von Rick Osterloh teilweise in die Hardwareentwicklung involviert, heißt es. Osterloh sagte zudem schon im August 2021, dass die starken KI-Fähigkeiten des Tensor-Chips, der zunächst im Pixel 6 (Test) zum Einsatz kommt, in Zukunft die Grundlage für „bahnbrechende AR“ seien, die „irgendwann in der Zukunft auch auf anderen Geräten“ laufen werde.

Google-Chef Pichai hält offenbar nicht viel von Metas Metaverse

Google hat mittlerweile viele Erfahrungen in den Bereichen AR und VR sammeln können, wird sich aber im Unterschied zu Meta, die ihren Fokus offenbar verstärkt auf Virtual Reality legen, auf Augmented Reality konzentrieren. Das bestätigte Google-Chef Sundar Pichai zuletzt im November 2021 in einem Interview mit Bloomberg, in dem er unter anderem auf die Zukunft des Computing und das Metaverse angesprochen wurde.

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Hinsichtlich der Zukunft des Computings sagte Pichai: „So wie Sie mit Menschen sprechen, sehen und interagieren, werden Computer immersiver. Sie werden da sein, wenn Sie es brauchen. Daher war ich schon immer gespannt auf die Zukunft von Immersive Computing, Ambient Computing und AR.“ Konkret darauf angesprochen, was für ihn das Metaverse sein wird, erklärte er: „Meiner Ansicht nach entwickelt sich das Computing mit Augmented Reality auf immersive Weise weiter.“

Es deutet sich damit an, dass Google letztlich an den Projekten wie AR-Core und KI weiterarbeitet, um der Welt langfristig einen AR-Layer zu verpassen, in den mit einer Brille eingetaucht werden kann. So immersiv und von der realen Umwelt abgeschottet wie Meta es mit seinen VR-Plänen beabsichtigt, wird Google mit seiner Vorstellung des Metaverse also nicht gehen.

Tendenziell verfolgt Google somit mehr die Stoßrichtung von Apple, die Gerüchten zufolge zunächst ein Mixed-Reality-Headset auf den Markt bringen werden. Apple-Chef Tim Cook sprach von AR stets als eine so wichtige Kerntechnologie, wie es das iPhone ist.

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Zudem verstehen Google, Microsoft als auch Apple das Metaverse nicht als nur den einen Ort, den Meta sich vorstellt. Stattdessen werde es eher mehrere Metaversen geben, die nicht einem Konzern gehören. Immersive-Computing „ist die Evolution des Internets“, meint Pichai

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