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Social-Media-Evolution: Was war eigentlich vor Facebook?

Myspace, StudiVZ oder Twitter: Seit Anfang der 2000er-Jahre boomen soziale Netzwerke. Während es bei manchen nur für einen kurzen Hype gereicht hat, sind andere zu wahren Größen im World Wide Web geworden. Im Rückblick gibt es einige Überraschungen.

Von Cornelia Erichsen
17 Min.
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Von Six Degrees bis Vine: So haben sich soziale Netzwerke seit 1997 entwickelt. (Bild: Shutterstock / t3n)

Facebook ist vielleicht das bekannteste soziale Netzwerk, jedoch nicht das erste: Davor gab es schon einige bekannte Netzwerke. t3n fasst für euch die Social-Media-Evolution zusammen.

1997 – Six Degrees eröffnet das Social-Network-Zeitalter

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Six Degrees gilt mit seinen Möglichkeiten, ein persönliches Profil anzulegen und Freundschaftsbeziehungen mit anderen User:innen aufzulisten, als erster Social-Network-Dienst. Der Name geht zurück auf die Theorie Six Degrees of Separation, nach der jeder Mensch über sechs Schritte mit jedem beliebigen anderen Menschen verbunden ist. In Anlehnung an diese Theorie bietet Six Degrees ein Nachrichtensystem, mit dem Nutzer:innen bis zur dritten Bekanntheitsstufe miteinander kommunizieren können. Zudem gab es ein Forensystem für Diskussionen und Austausch. Gegründet wurde Six Degrees 1997 durch den Amerikaner Andrew Weinreich. Das Netzwerk hat zu seinen besten Zeiten über eine Million User:innen, wird aber nie zu einem profitablen Projekt. 2000 kaufte das Tech-Unternehmen Youthstream Media Networks den Dienst auf; 2001 wird Six Degrees schließlich eingestellt. Ein Wiederbelebungsversuch erfolgte 2010, als registrierte Nutzer:innen zu einer Rückkehr eingeladen werden. Fast 15 Jahre später ist unter dem Namen statt einem sozialen Netzwerk eine E-Scooter-Firma zu finden.

Six Degrees war das erste soziale Netzwerk. (Screenshot: Six Degrees / t3n)

2001 – Jappy aus Deutschland wird gelauncht

Das soziale Netzwerk Jappy wurde vor allem als Flirt-Community genutzt. (Screenshot: Jappy-Blog / t3n)

Mitte 2001 tut sich auch in Deutschland etwas in Sachen Social Networking. Damals noch unter den Namen singletreffen.net geht das – wie könnte es bei dem Namen anders sein – Flirtnetzwerk der Gründer Matthias Vogl und Christian Wimmer an den Start. Drei Jahre später erfolgte die Umbenennung in Jappy. Das Netzwerk bietet ein Mailsystem, Ticker, Gästebücher und Gruppen. Registrierte Mitglieder können zudem eine Flirtfunktion aktivieren und über die virtuelle Währung Emoticons und virtuelle Geschenke an andere Mitglieder senden. 2008 Jappy zählt mehr als eine Million Nutzer:innen, ab 2011 schwächelte das Netzwerk gewaltig. Dennoch feierte es im Jahr 2021 20-jähriges Bestehen. Allerdings hat die Plattform ein Spam-Problem: Mitte 2024 sind aus „Spamschutz-Gründen“ keine neue Registrierungen mehr möglich, wie es auf der Website heißt.

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2002 – Friendster geht online

Friendster, vor allem im englischsprachigen und asiatischen Raum beliebt, geht 2002 online und kann damals schon nach wenigen Monaten drei Millionen Mitglieder verzeichnen. Die Plattform erlaubt es, Kontakte zu pflegen und Online- und Medieninhalte mit diesen zu teilen. Bereits 2004 wird Friendster von Myspace überflügelt und verliert bald an Bedeutung. Schlagzeilen macht das Netzwerk noch einmal 2006, als ihm das Patent für Berechnung und Darstellung von Freundschaftsbeziehungen in sozialen Netzwerken zugesprochen wird. 2009 wurde Friendster vom malaysischen Unternehmen MOL Global übernommen und zu einer Social-Gaming-Plattform umgebaut: Die neue Website ist ab 2012 nutzbar, das Angebot richtet sich besonders an asiatische Nutzer:innen. 2021 wurde unter dem Namen ein Blog aufgemacht, der an die Plattform erinnern soll; 2023 tauchte eine gleichnamige Website auf, die zur Registrierung aufruft. Große Aufmerksamkeit bekommen beide Projekte nicht.

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Von 2002 bis 2009 war Friendster ein beliebtes soziales Netzwerk. (Screenshot: Friendster / t3n)

2003 – Myspace ist „The Next Big Thing“ und mit Linkedin und Xing wird das Social Web professionell

Für viele von uns ist Myspace der Ort, an dem wir unsere ersten Social-Network-Erfahrungen gesammelt haben. Das Besondere an dem Netzwerk ist zu Beginn der enge Bezug zu Musik. Künstler:innen und Bands legen Profile an und bieten ihren Fans so die Möglichkeit der Kontaktpflege. Dieser Kniff zieht zahlreiche Nutzer:innen an, sodass Myspace bis zu 230.000 neue Mitglieder pro Tag verzeichnen konnte. 2006 knackte Myspace die 100-Millionen-Marke. Doch 2008 wird es von seinem stärksten Konkurrenten Facebook überholt, damit begann der Abstieg des einstigen Platzhirsches. War Myspace 2006 noch auf Platz 16 der meistbesuchten Websites im Alexa-Ranking, fand es sich 2021 nicht mal mehr unter den Top 50. 2024 hat sich Myspace auf seinen Ursprung besonnen: Die Musik steht im Vordergrund, Nutzer:innen können auf der Plattform Musik hören, Videos schauen und sich austauschen. Neue Anmeldungen bekommen den Hinweis, sich mit ihrem Facebook-Account einzuloggen.

Myspace galt 2003 als der Social-Media-Überflieger. (Screenshot: MySpace / t3n)

Im gleichen Jahr gingen Linkedin und Xing als berufliche Networking-Plattformen an den Start. Ähnlich wie in den sozialen Netzwerk für die private Nutzung werden auf den Plattformen Profile angelegt, Kontakte aufgebaut und Inhalte geteilt. Auch Unternehmen können hier mit einer eigenen Unternehmensseite präsent sein. Daher sind Linkedin und Xing nicht nur berufliche Kontaktnetzwerke, sondern eignen sich auch zur Mitarbeiter:innen- beziehungsweise Auftragsakquise oder zur Lead-Generierung im B2B-Bereich. Linkedin hat sich mehr und mehr zu einem digitalen Lebenslauf und einer Art Job-Tagebuch entwickelt, da Nutzer:innen vermehrt Einblicke in ihren Arbeitsalltag posten. Mit den Linkedin-Top-Voices wurde auf der Plattform außerdem eine eigene Expert:innen-Kategorie geschaffen. Währenddessen hat Xing seinen USP mehr und mehr verloren. Dabei lag Xing jahrelang bei den Nutzerzahlen vor Linkedin. Insgesamt konnten sich beide Plattformen im deutschen World-Wide-Web verankern. Allerdings wird Linkedin spätestens seit den 2020er-Jahren auch im deutschsprachigen Raum immer relevanter, während Xing an Popularität verliert. 2023 richtet sich Xing neu aus: Die Plattform will für die Suche nach Jobs bedeutender werden.

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2004 – Hier kommt Facebook … ach ja, und Orkut

Facebook war jahrelang das beliebteste soziale Netzwerk. Entstanden ist es 2004 als eine Art virtuelle Version der gedruckten Harvard-Jahrbücher, es verbreitet sich zunächst an den amerikanischen Elite-Universitäten. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich Facebook zum Inbegriff von Social Media. Mit dem Wachstum von Instagram und Tiktok verlor es ab den 2020-Jahren immer mehr an Bedeutung. Dennoch hat es auch Anfang 2024 noch mehr als drei Milliarden Nutzer:innen auf der ganzen Welt, wie eine Statista-Grafik zeigt. Facebook wurde außerdem der Name des Konzerns, unter dem Apps wie Instagram und Whatsapp laufen. 2021 erfolgte die Umbenennung in Meta, da sich das Unternehmen auf das Metaverse ausrichten wollte.

Im Schatten von Facebook erinnert sich heute kaum noch jemand an Orkut. Das soziale Netzwerk aus dem Hause Google erblickt ebenfalls 2004 das Licht der Welt. Die Plattform war ein Ergebnis der 20-Prozent-Initiative von Google, bei der Mitarbeiter:innen ein Fünftel ihrer Arbeitszeit für eigene Projekte nutzen können. Orkut Büyükkökten schafft das nach ihm benannte Projekt, das hauptsächlich in Brasilien und Indien populär wurde. Global konnte sich Orkut nicht durchsetzen und wurde daher 2014 eingestellt. Damals verließ auch Initiator Büyükkökten das Unternehmen, er machte sich mit dem Hello-Netwerk selbstständig. Allerdings ist auch dieses Netzwerk im Juni 2024 nicht mehr nutzbar, ein Relaunch wurde angekündigt. Möglicherweise kommt auch Orkut zurück: Eine nicht-datierte Ankündigung findet sich im Netz; bis Ende Juni 2024 gab es jedoch noch kein Comeback.

Orkut wurde in den vergangenen Jahren von anderen Google-Diensten überholt. (Bild: Screenshot)

Orkut war Googles erster Versuch, ein soziales Netzwerk zu etablieren. (Screenshot: Orkut / t3n)

2005 – Lokalisten und StudiVZ vergrößern den deutschen Social-Network-Markt

Im Mai 2005 geht die Online-Community Lokalisten in Deutschland an den Start. Das Netzwerk ist vor allem in den Ballungsräumen München, Stuttgart und Augsburg beliebt, aber auch in Großstädten wie Berlin, Köln oder Frankfurt am Main. Nutzer:innen können Profile mit persönlichen Informationen anlegen – neben Name und Alter zum Beispiel auch Lieblingsbücher, Dialekt oder Tanzstil. Welche Informationen nur Freunde sehen und welche das ganze Netzwerk, konnten die User:innen selbst bestimmen. Im Juli 2010 erreichte Lokalisten eine Mitgliederzahl von etwa 3,6 Millionen, doch nahm die Aktivität bald sichtbar ab. Von einst 40 Millionen Seitenaufrufen im Monat blieben 2014 nur noch 1,7 Millionen. Im September 2016 wird das Netzwerk schließlich geschlossen.

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Ebenfalls 2005 wurde StudiVZ als Online-Community für Student:innen gegründet. Sowohl optisch als auch inhaltlich gleicht sie sehr stark dem großen Vorbild Facebook, was erst zu einer Klage und dann zu einer außergerichtlichen Einigung führte. Aufgrund der großen Popularität auch bei Nicht-Student:innen – in seinen Hochzeiten hat StudiVZ 17 Millionen Nutzer:innen – wurden die Ableger SchülerVZ (2007) und MeinVZ (2008) ins Leben gerufen. Die VZ-Netzwerke können sich langfristig jedoch nicht gegen Facebook behaupten. SchülerVZ geht 2013 vom Netz; MeinVZ, das über eine Schnittstelle mit StudiVZ verbunden ist, „überlebt“ etwas länger. Beide zusammen brachten es 2015 nur noch auf eine Million aktive Nutzer:innen. 2016 wurde die Plattform bereits zum dritten Mal verkauft. Im September 2017 meldeten die Betreiber schließlich Insolvenz an. Ende März 2022 wurden MeinVZ und StudiVZ schließlich geschlossen. Allerdings wird der Name MeinVZ für ein neues Netzwerk verwendet, das jedoch keine Aufmerksamkeit bekommt.

StudiVZ sollte die deutsche Antwort auf Facebook sein. (Screenshot: StudiVZ / t3n)

2005 Teil 2 – Reddit und Youtube

Reddit wird auch als Social-Media-Aggregator bezeichnet; auf der  Plattform können Nutzer:innen Texte und Links verbreiten, bewerten und kommentieren. Die Funktionen beschreibt auch der Name: Reddit steht für „read“ und „edit“. Schon ein Jahr nach seiner Gründung 2005 erreicht Reddit 500.000 tägliche Seitenaufrufe und wird für 20 Millionen US-Dollar vom Condé-Nast-Verlag aufgekauft, 2011 wurde die Plattform als eigenes Unternehmen ausgegliedert. Auch fast 20 Jahre später hält sich Reddit im Internet: Die Plattform hat sich etabliert.

Typische „threaded“ Ansicht eines Reddit-Beitrags, ähnlich einer Newsgroup. (Screenshot: Reddit / t3n)

Ebenfalls 2005 geht das Videoportal Youtube live – gegründet wurde es von ehemaligen Mitarbeitern des Zahlungsdienstleisters Paypal. Das erste Video ist eine private Aufnahme des Mitgründers Jawed Karim vor einem Elefantengehege im San Diego Zoo in den USA. Das einfache Teilen von Videos kommt an: Ein Jahr später gibt es pro Tag mehr als 100 Millionen Videoaufrufe. Google übernimmt die Plattform. Sogar einen eigener „Beruf“ hat die Plattform hervorgebracht – Youtuber:innen verdienen mit ihren Videos Geld. Mittlerweile ist daraus der Job als Creator:in entstanden, der auf verschiedenen Plattformen ausgeführt wird.

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Die Social-Media-Evolution Quelle: (Foto: Luiza Kamalova / Shutterstock)

2006 – Twitter und wer kennt eigentlich noch Werkenntwen?

Der Kurznachrichtendienst Twitter betritt 2006 die Social-Media-Bühne und legt quasi einen Blitzstart hin. Sind es im ersten Jahr nur etwa 400.000 Tweets im Quartal (sic!), die in den Äther gehen, werden 2020 laut Brandwatch über 500 Millionen Tweets pro Tag gesendet. Sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen, Organisationen und Medieneinrichtungen nutzen Twitter als soziales Netzwerk und Diskussionsplattform. Nachdem jahrelang die Maximallänge eines Tweets auf 140 Zeichen beschränkt war, erhöht Twitter das Limit Anfang November 2017 auf 280 Zeichen.

Besondere Aufmerksamkeit bekommt Twitter durch den Manager Elon Musk. Er twittert viel, seine Tweets haben unter anderem die Aktienkurse seinen E-Auto-Unternehmens Tesla ins Schwanken gebracht. Auch Ex-Präsident Donald Trump nutzte die Plattform intensiv – bis er Anfang 2021 gesperrt wurde. Über ein Jahr später wird die Sperre unter Elon Musk aufgehoben: Der Milliardär hat das Unternehmen Ende 2022 gekauft. Mittlerweile heißt Twitter X, Vogel Larry, das bekannte Maskottchen, ist verschwunden. Unter Musk verliert der Kurznachrichtendienst Nutzer:innen und Werbeeinnahmen.

Im gleichen Jahr wie einst Twitter ging 2006 Werkenntwen online. Das Netzwerk überlebt nur acht Jahre, dabei legte das studentische Projekt von Fabian Jager und Patrick Ohler gut vor. Ende 2007 konnte es schon eine Million Mitglieder verzeichnen. Nach der Übernahme durch RTL Interactive und dem Ausscheiden der Gründer aus der Geschäftsführung geht die Nutzung der Plattform merklich zurück. Von 163 Millionen monatlichen Seitenaufrufen im August 2010 sind drei Jahre später nur noch 23 Millionen übrig. Im Sommer 2014 wird das Netzwerk geschlossen.

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2007 – Tumblr setzt auf Microblogging

Auf der Blogging-Plattform Tumblr teilen Nutzer:innen Texte, Bilder, Video- und Audiodateien, Links oder Chatlogs. Andere Nutzer:innen können diese als Favoriten markieren, kommentieren und rebloggen. Zentrales Element ist das Dashboard der Nutzer:innen, auf dem die Beiträge von Blogs erscheinen, denen sie folgen. Im Mai 2013 wurde die Blogging-Plattform von Yahoo gekauft. 2018 verschwand die App aus dem App-Store von Apple, da kinderpornographische Inhalte entdeckt wurden. Tumblr änderte seine Richtlinien, pornografische Bilder wurden verboten. 2019 wurde die Plattform vom WordPress-Betreiber Automattic gekauft. 2022 rang Tumblr noch immer mit Apple: Aufgrund der Bestimmungen im App-Store werden iOS-Nutzer:innen Inhalte zu bestimmten Suchbegriffen nicht ausgespielt.

Tumblr erschien 2007. (Screenshot: Tumblr / t3n)

2010 – Instagram und Pinterest setzen auf die Macht der Bilder

Im März 2010 machte Pinterest mit einer offenen Betaversion die altbewährten Pinnwände nicht nur digital, sondern auch sozial. Nutzer:innen sammeln auf der Plattform interessante Bildinhalte und kategorisieren sie auf verschiedenen Boards. Außerdem können sie den Pinnwänden anderer User:innen folgen. Anfangs wächst Pinterest nur langsam. Wenige Monate nach dem Launch verzeichnet Pinterest nur wenige Tausend Mitglieder. Das mag unter anderem daran liegen, dass bis August 2012 eine Beitrittsanfrage oder eine Einladung notwendig sind, um dem Netzwerk beizutreten. Etwa zeitgleich wurde die Pinterest-App für Android veröffentlicht. Wenig später folgte die Möglichkeit für Unternehmen, Business-Profile anzulegen. Bis Februar 2013 wächst so die Nutzeranzahl auf über 48 Millionen weltweit. Spätestens seit Beginn der Monetarisierung durch Promoted Pins im Jahr 2014 ist Pinterest ein wichtiges Instrument im Social-Media-Marketing. Mitgründer Ben Silbermann ist auch 2024 noch CEO: Mittlerweile hat sich die Plattform etabliert und setzt auf die Verknüpfung mit Inhalten von sozialen Medien wie Instagram.

Pinterest machte 2010 Pinnwände digital und sozial. (Screenshot: Pinterest / t3n)

Die Verbindung liegt nahe: Auch Instagram setzt auf visuelle Inhalte. Die Anwendung geht aus der von Kevin Systrom und Mike Krieger entwickelten Check-In-Software Burbn hervor, sie wurde im Oktober 2010 im App-Store veröffentlicht. Im April 2012 folgt die Android-App, die bereits am ersten Tag über eine Million Downloads verzeichnen konnte. Noch im selben Monat verzeichnet Instagram 30 Millionen registrierte User:innen. Wenig verwunderlich, dass Facebook daraufhin die Übernahme von Instagram für eine Milliarde Dollar verkündet – die höchste Summe, die je für einen Fotodienst gezahlt wurde. 2023 hat Instagram laut Statista etwa 2,1 Milliarden Nutzer und gehört dank seiner Business-Profile, der Anzeigenschaltung und den Möglichkeiten für Influencer-Marketing zu den wichtigsten Kanälen im Social-Media-Marketing. Allerdings bekommt die Plattform durch Tiktok zunehmend Konkurrenz.

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2011 – Google Plus will Facebook Konkurrenz machen, Snapchat kommt

Als Google Plus 2011 an den Start geht, sind die Erwartungen groß, dass der Dienst Facebook übertrumpfen würde. Heute wissen wir es besser. Nach 88 Tagen hat das Netzwerk zwar bereits 40 Millionen registrierte Nutzer:innen, das rasche Wachstum von Google Plus in der Folgezeit liegt aber vor allem daran, dass eine Mitgliedschaft zwingend notwendig ist, um andere Google-Dienste wie etwa Youtube nutzen zu können. Auch das bloße Anlegen der Gmail-Adresse ist mit der automatischen Erstellung eines Profils bei Google Plus verbunden. Seither wurde Google Plus immer wieder für tot und dann doch wieder für lebendig erklärt. 2013 meldet Google noch 360 Millionen aktive Nutzer:innen im Monat, hält sich seitdem aber mit konkreten Zahlen bedeckt. Fakt ist: Gegen Facebook kann sich Google Plus nicht durchsetzen. 2019 wird der Dienst für private Nutzer:innen eingestellt.

So sah Google Plus 2011 aus. (Screenshot: Google+)

Auch Snapchat, ebenfalls 2011 gegründet, musste schon mit der ein oder anderen Hürde kämpfen. Manchmal totgesagt hält sich die App jedoch seit ihrem Markteintritt. Über Snapchat verschicken Nutzer:innen sich automatisch löschende Bilder an andere auf der Plattform. Die Möglichkeit wurde auch zum Senden nicht jugendfreier Inhalte genutzt, was der App einen teilweise anstößigen Ruf einbrachte. Bekannt wird die App aus den USA auch durch die Filter: Nutzer:innen können sich beispielsweise Tiergesichter virtuell auf das eigene Gesicht legen. Beliebt ist die Stories-Funktion, bei der Inhalte nach 24 Stunden automatisch verschwinden. Instagram kupferte sie ab und integrierte ein vergleichbares Feature ab 2016 in seinem Dienst.

2013 – Vine will Twitter für Videos sein

Getreu dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“ launchte Twitter 2013 den im Vorjahr gekauften Video-Service Vine. Nutzer:innen können dort Videos mit einer maximalen Länge von sieben Sekunden mit anderen teilen und mit Hashtags versehen. Bis Ende 2015 sammelte Vine 200 Millionen aktive User:innen. Im Konkurrenzkampf zwischen Facebook und Twitter führt das von Facebook aufgekaufte Instagram eine ähnliche Möglichkeit zur Veröffentlichung von Videos ein. Kurz darauf ging die Nutzung von Vine zurück. Im Oktober 2016 gab Twitter die Schließung von Vine bekannt, Anfang 2017 ist das Netzwerk Geschichte. Seit 2019 ist laut X – wie Twitter mittlerweile heißt – das vollständige Archiv mit den Videoinhalten nicht mehr verfügbar.

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Vine setzte auf kurze Videos und führte später eine Messenger-Funktion ein. (Bild: Vine)

2014 – Tiktok kommt (okay, eigentlich Musically)

Während Vine scheitert, entwickelt sich eine andere App für Videos mehr und mehr zum Nutzer:innen-Liebling. Tiktok lässt bis 2021 Facebook, Instagram und Snapchat hinter sich und mausert sich zur beliebtesten App auf der Welt. Aber der Reihe nach: Tiktok geht aus der App Musically hervor. Sie wurde 2014 in China gegründet. Auf Musically „lypsyncen“ Nutzer:innen Lieder: Sie bewegen die Lippen passend zum Song, so, als würden sie ihn selbst singen. Musically wurde 2016 vom chinesischen Unternehmen Bytedance, die seit 2012 mit Douyin eine ähnliche App auf dem Markt haben, übernommen. Aus dem Kauf heraus entsteht Tiktok; die App geht 2018 an den Start. Übrigens: Douyin ist in China immer noch verfügbar und ist quasi das chinesische Tiktok, während international Tiktok bekannt ist. Die App ist seit Ende 2022 auf Smartphones von in US-Bundesbehörden Beschäftigten verboten, auch ein generelles Verbot wird diskutiert. Kanada zog Ende Februar 2023 mit einem vergleichbaren Verbot für Regierungsmitarbeiter:innen nach. Ähnliche Verbote gibt es in europäischen Ländern, auch in Deutschland. Der Grund: Westliche Staaten fürchten aufgrund der Zugehörigkeit zum chinesischen Mutterkonzern Spionage und Beeinflussung. Zudem sind die Auswirkungen der intensiven App-Nutzung auf Kinder und Jugendliche viel diskutiert – sogenannte „Tiktok-Challenges“ haben bereits mehrere junge Menschen das Leben gekostet.

Tiktok ist mit seinen Lypsync- und Tanz-Videos bekannt geworden. (Bild: Kaspars Grinvalds / Shutterstock)

2016: Mastodon erscheint still im World Wide Web

Mit seiner Idee war Gründer Eugen Rochko wohl in gewisser Weise Pionier: Er gründete Mastodon Jahre bevor das Netzwerk aufgrund seiner Struktur populär wurde. Mastodon ist ein dezentraler Mikroblogging-Dienst, seine Funktionen erinnern an X, ehemals Twitter. Das Besondere: Die Nutzer:innen befinden sich auf unterschiedlichen kleinen Servern – die Daten werden nicht bei einer großen Instanz verwaltet. Die Dezentralisierung verspricht einen besseren Datenschutz der Nutzerdaten. Laut der Mastodon-Website sollen bei dem Dienst außerdem keine Algorithmen verwendet werden, dazu ist er werbefrei. Mastodon brauchte jedoch Jahre, bis die breite Masse die Nützlichkeit erkannte: Das passierte, als Elon Musk 2022 Twitter übernahm. Schlagartig konnte der dezentrale Mikroblogging-Dienst damals steigende Nutzerzahlen verzeichnen – jedoch war das Wachstum nicht von Dauer. Übrigens: Während bei Twitter die Postings Tweets hießen und das Maskottchen ein Vogel war, setzt Mastodon auf einen Elefanten. Veröffentlichte Texte heißen daher passenderweise Tröts.

Das Mastodon-Logo ist auf einem Smartphone-Bildschirm zu sehen.

Kein Zwitschern, sondern Tröten: Postings bei Mastodon heißen Tröts, das Maskottchen ist ein Elefant. (Foto: Tada Images / Shutterstock)

2020 – Clubhouse und Bereal wollen die Anti-Social-Media-Apps sein

Sie wollen anders sein als Instagram und Tiktok: Clubhouse und Bereal wollen sich von den beliebten Plattformen unterscheiden. Erstere setzt dafür auf Ton statt auf Bild. Die App besteht aus digitalen Diskussionsräumen, in denen sich Nutzer live treffen und austauschen. Gegründet wurde die gleichnamige Firma von Paul Davison, einem ehemaligen Pinterest-Mitarbeiter, und Rohan Seth, der ehemals bei Google tätig war. Erst Anfang 2021, während der Corona-Pandemie, erlebt die App ihre Hochphase in Deutschland. Das lag auch an der Exklusivität: Nur per Einladung konnte Clubhouse genutzt werden; jede:r Nutzer:in konnte zwei neue Personen auf die Plattform holen. Kritik bekam die App für fehlende Moderation auf der Plattform, nach einem halben Jahr war der Hype vorbei. Heute ist es bei Clubhouse ruhiger, die App existiert allerdings noch.

Ansicht der Clubhouse-App im Appstore auf einem iPhone

Anfangs war die App nur für iOS-Nutzer zugänglich. (Foto: KlavdiyaV / Shutterstock)

Auch Bereal erlebte erst Jahre nach der Gründung einen Hype: Die Entwickler Alexis Barreyat und Kevin Perreau setzen auf wenig Content statt auf massenhaftes Posten. Nutzer:innen der französischen App können pro Tag anfangs nur ein Bild hochladen – es ist die Voraussetzung, um Aufnahmen von App-Kontakten zu sehen. Immer zu einem anderen Zeitpunkt klingelt das Smartphone zeitgleich bei allen Nutzer:innen und fordert die Aufnahme ein: So soll das ständige Checken der App verhindert werden. 2020 gegründet, kam der Durchbruch 2022: Damals sprachen immer mehr Nutzer:innen auf Tiktok und Instagram über Bereal, die App verzeichnet ein rasantes Wachstum. In den folgenden Jahren konnte die Anti-Instagram-App diesen Aufschwung nicht halten, ist aber Teil einer vielfältigen Plattform-Landschaft geworden. Im Juni 2o24 wurde Bereal vom französischen Spielestudio Vodoo für 500 Millionen Euro übernommen. In Zukunft soll sich die werbefrei gestartete App auch über Anzeigen finanzieren, dazu soll die Nutzerzahl wachsen. Was bei beiden Apps beachtlich ist: Ihren Hype haben sie auch den Social-Media-Plattformen zu verdanken, von denen sie sich mit ihrem Konzept abgrenzen wollen.

Logo der BeReal-App im Google-Play-Store auf einem Android-Smartphone.

Die Bereal-App erlebte 2022 einen Hype – mittlerweile hat sie eine stabile Nutzerschaft. (Foto: Savanevich Viktar / Shutterstock)

2021: Bluesky geht aus Twitter hervor

Diese Twitter-Alternative kommt aus ihr selbst: Bluesky ist eine dezentralisierte Social-Media-Plattform. 2022 wurde sie jedoch gänzlich eigenständig. Die Plattform für Mikroblogging ist wie Mastodon ein dezentrales Netzwerk. Bluesky will damit Datensilos verhindern und eine Alternative zu Größen wie Instagram sein. Anfangs war die Plattform nur über Einladungen durch bestehende Nutzer:innen oder eine Eintragung auf eine Warteliste möglich – das änderte sich erst im Februar 2024. Vielleicht liegt es auch an dieser lange geltenden Einschränkung, dass Bluesky keinen großen Hype erlebte. Die Plattform gilt jedoch als wahre Alternative für Twitter, beziehungsweise X.

Die Bluesky-App ist im Apple-App-Store zu sehen.

Bluesky ist ein dezentraler Mikroblogging-Dienst. (Foto: Koshiro K / Shutterstock)

2023: Threads nutzt Twitter-Unruhe

Meta, ehemals Facebook, wird nachgesagt, Konkurrenten entweder zu kaufen oder ihre Ideen abzukupfern. Auch das im Juli 2023 veröffentlichte Threads erinnert daran. Der Mikroblogging-Dienst bietet Funktionen, die vergleichbar mit jenen bei X, ehemals Twitter, sind. Nutzer:innen können kurze Texte mit Bildern und Videos posten; anders als bei Instagram steht das Geschriebene im Vordergrund. Die App wird zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, als Twitter nach der Übernahme durch Musk zu X umbenannt wird und weitere Veränderungen auf der Plattform folgen. Twitter-Nutzer:innen sahen das kritisch und suche Alternativen. Der kurze Hype flacht schnell ab. EU-Bürger:innen bekommen übrigens erst später Zugang zu der App, da sie anfangs nicht dem europäisch Datenschutzstandard entsprach. Mitte Dezember 2023 kommt die angepasste Version in die Region.

Das Threads-Logo ist auf einem Bildschirm zu sehen

In den USA kam Threads Ende 2023 in die App-Stores, in Europa war die App offiziell erst einige Monate später verfügbar. (Foto: Ascannio / Shutterstock)

Im Laufe der Zeit haben schließlich schon viele Netzwerke versucht, in der Socia-Media-Welt Fuß zu fassen – einige waren dabei sehr erfolgreich, an andere erinnert sich heute kaum noch jemand. Dabei können Nischen-Netzwerke ebenso langlebig sein wie die Big Player Twitter und Facebook. Andere, wie Snapchat, verwischen die Grenzen von Instant Messaging und Social Networking immer mehr. Wir sind gespannt, wohin uns die Evolution von Social Media in den nächsten Jahren führen wird.

Ende November 2017 erschien die t3n 50. Aus diesem Anlass schauten wir damals auf die vergangenen Jahre zurück und präsentierten euch allerlei Kuriositäten und spannende Hintergründe aus der t3n-Historie. Der Artikel wurde am 26. Juni 2024 aktualisiert.

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